Fünf Jahre „Logoi“: Der Sinn des Lebens wird im Laden gesucht

Von: Werner Breuer
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Glückwunsch zum Geburtstag: Susanne Vaaßen, Jürgen Kippenhan und Ines Finkeldei (von links) feiern das fünfjährige Bestehen von „Logoi – Institut für Philosophie und Diskurs“ an der Jakobstraße. Foto: Heike Lachmann

Aachen. Die Stadt ist voller Philosophen, und Jürgen Kippenhan muss das irgendwie gewusst haben. Im Jahre 2009 gründete er sein „Logoi – Institut für Philosophie und Diskurs“. Jetzt feiert der Denkerladen an der Jakobstraße seinen fünften Geburtstag.

Dabei sieht das Geschäftslokal gegenüber der Kirche St. Paul nicht gerade nach einem Ort aus, an dem Aristoteles, Heidegger oder Habermas sich zu Hause fühlen würden. Es gibt keine raumfüllenden Bücherregale, mit denen sich prächtig Gelehrsamkeit inszenieren ließe, kein Podest, von dem herab doziert werden könnte.

Wären nicht die Kunstwerke an den Wänden, könnte man annehmen, dass Kippenhan und seine Mitstreiterinnen Susanne Vaaßen und Ines Finkeldei noch nicht alle Umzugskartons ausgepackt haben. Das Mobiliar besteht aus einem großen Tisch, ein paar Stühlen, einem Sofa, einem kleinen Regal – und lässt ansonsten viel Platz übrig.

Der wird auch gebraucht, um in großer Runde die Grundfragen des Lebens zu diskutieren. Dr. Phil Jürgen Kippenhan bemüht da seinen alten Berufskollegen Immanuel Kant: Was können wir wissen? Was sollen wir tun? Was dürfen wir hoffen? Was ist der Mensch? Solche Dinge bewegen die Aachener. Sonst wäre bei Logoi die Hütte nicht so voll. Und sonst würde wohl kaum der fünfte Geburtstag am Samstag gefeiert.

„Philosophie greift die Probleme auf, die sich aus dem Leben ergeben“, sagt Kippenhan. Und da ergibt sich allerhand: Was ist zu halten von „humanitären Interventionen“? Kann Folter unter bestimmten Umständen gerechtfertigt sein? Ist Religionsfreiheit ein anachronistisches Menschenrecht? Darüber wird dann diskutiert bei Vorträgen, Tischgesprächen oder philosophischen Salons. „Im Kern geht es um die gemeinsame Suche nach Wahrheit“, sagt Kippenhan.

An der Universität suchen sie auch, aber irgendwie anders: in Vorlesungen und Seminaren, mit dicken Büchern – Dr. Kippenhan kennt das, weil er auch einen Lehrauftrag am Philosophischen Institut der RWTH Aachen hat. „Aber was man an der Hochschule macht, braucht eine Vermittlung nach außen“, sagt er.

Da wirkt dann der Philosophieladen an der Jakobstraße ein bisschen wie ein niedrigschwelliges Angebot. Hierher kommen Junge und Alte, Bildungsbürger und Handwerker. Mal sitzen 80 Besucher im Lokal, mal 50, und manchmal ist der Andrang so groß, dass Leute weggeschickt werden müssen. „Vielleicht ist das ein bisschen wie im Restaurant“, sinniert Jürgen Kippenhan, „wenn es voll ist, denkt man, das Essen ist gut.“

Neugier genügt

Wer den Vorträgen von Experten verschiedener Disziplinen lauschen und anschließend darüber diskutieren will, muss keineswegs mit Sokrates per Du sein. „Hier wird keinem gesagt, er hätte Kant aufmerksamer lesen müssen“, betont Kippenhan. Vorbildung ist nicht erforderlich, die Neugier genügt. „Wir stellen uns auf die Leute ein, die nicht geübt sind in dieser Art der Terminologie“, verspricht Jürgen Kippenhan.

Auch das Portemonnaie kann man in der Regel zu Hause lassen. „Die meisten Veranstaltungen sind gratis“, sagt der Logoi-Gründer. Bei der Finanzierung des Angebots spielen Partner wie die Volkshochschule oder das Eine-Welt-Forum eine wichtige Rolle. „Die Einnahmen decken das bei weitem nicht“, erklärt Kippenhan.

Dabei ist es doch ein recht großen Geschäftsfeld, das sich hier auftut. Kippenhan hat das Bedürfnis, die eigene Existenz kritisch zu hinterfragen, sogar in seiner Zeit als Gastdozent in Brasilien erlebt. „Da gab es viel Armut“, erzählt er, „doch die Leute sagten sich: Diese Welt kann doch nicht alles sein, es muss noch Visionen geben.“ Auch hier gebe es Alltagszwänge und eingefahrene Bahnen, aus denen die Menschen einmal ausbrechen möchten. Das setze voraus, dass man auch andere Perspektiven sucht. „Die Philosophie blickt von außen darauf, wie sich die Gesellschaft verändert“, erklärt Kippenhan. Wer bei Logoi mitredet, muss sich auf andere Sichtweisen einlassen. „Das ist etwas für jemanden, der Lust hat, die Dinge zu vertiefen“, meint Kippenhan. Dazu gehöre die Bereitschaft, „sich irritieren zu lassen“.

Das tun viele Aachener nun schon seit fünf Jahren, was am Samstag groß gefeiert wird. Ab 20 Uhr (Einlass 19.30 Uhr) gibt es im „Franz“ an der Franzstraße ein Konzert mit der portugiesischen Band „Oquestrada“, danach steigt die Party. Karten zum Preis von 13 Euro gibt es im Franz oder bei Logoi an der Jakobstraße 25a.

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