Fünf Frauen im Fiat - nur drei angegurtet

Von: Heiner Hautermans
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Zwei Stunden lang kontrollierte ein fünfköpfiger Trupp der Bundespolizei den Verkehr auf der Vaalser Straße, zuvor war man auf der Eupener Straße. Uberprüft wurden etwa die Anschnallpflicht oder Telefonieren am Steuer. Foto: Harald Krömer

Aachen. „Guckt mal in den Audi rein, der letzte in der Reihe. Da kann ich nichts sehen.” So lautet der Tipp des Beobachters, der seinen Kollegen von der Bundespolizei empfiehlt, das blaue Cabrio anzuhalten und zu überprüfen, ob die Fahrerin angeschnallt ist.

Thomas Oertlin steht mit vier Beamten der Bundespolizei kurz vor der Grenze auf der Vaalser Straße, am Montag war Verkehrssicherheitstag. Der blaue Audi wird gestoppt, doch die Lenkerin hat den Gurt umgeschnallt und kann nach kurzem Zwischenstopp weiterfahren. „Gerade bei Cabrios liegt der Gurtpunkt manchmal sehr tief, das kann man kaum erkennen”, erklärt Polizeihauptkommissar Oertlin den Fehlalarm.

Doch dann meldet der Vorposten, der 100 Meter vor der eigentlichen Kontrollstelle steht, einen kleinen Fiat, vollbesetzt mit fünf Frauen. Diesmal werden die Beamten fündig: Von den fünf jungen Damen sind lediglich drei angegurtet, zwei sitzen ohne den Rückhalteschutz in dem Wägelchen. „Sie sind als Fahrerin dafür verantwortlich”, belehrt der Bundespolizist die Frau am Steuer.

Fällig werden zwei Mal 30 Euro, die im Normalfall per EC-Karte, in diesem Fall aber, weil es sich um Niederländerinnen handelt, auch in bar entrichtet werden können. „100 Meter weiter wäre es wesentlich teurer”, erläutert Streifenführer Oertlin. Ab Grenze werden nämlich in den Niederlanden 90 Euro für das Nichtanschnallen fällig.

Gemischte Streifen

Und beim Telefonieren am Steuer wird es noch happiger: 40 Euro plus ein Punkt in Flensburg werden auf der Vaalser Straße fällig, auf der Maastrichterlaan wären 160 zu entrichten. Hauptkommissar Oertlin kennt die Tarife auch so genau, weil seit Jahren gemeinsame grenzüberschreitende Streifen eingerichtet werden, in Heerlen, Eupen oder Aachen. Und so waren auch am Montag wieder rund 200 Beamte in der Euregio im Einsatz, kontrollierten besonders zum Schulbeginn an den neuralgischen Stellen, etwa vor Schulen und Kindergärten Geschwindigkeiten, Gurtpflicht oder Fehlverhalten an Zebrastreifen. Oder eben unerlaubtes Anrufen im Auto.

Vor der Vaalser Straße war der Trupp auf der Eupener Straße. Zehn Mal wurde dort der nicht angelegte Gurt moniert, zwei Mal hatten Fahrer das Handy am Ohr, ein Zweiradfahrer hatte den Helm nicht auf - eine erste kleine Zwischenbilanz, die zeigt, dass doch eine erstaunliche Zahl von Mitmenschen das Thema Sicherheit eher klein schreibt.

Zur Kasse gebeten wurde auch der Fahrer eines Lkw mit Altmetall: Rund 100 Euro muss er - mit Verwaltungsgebühr - zahlen, weil die Ladung nicht genügend festgezurrt war. Auch er muss sofort Geld geben, denn immer noch gibt es die Vollstreckungslücke über die Grenzen hinweg. Die Königreiche Belgien und Niederlande kennen nämlich nicht das Rechtsinstrument Ordnungswidrigkeit, deshalb kann ein entsprechendes Knöllchen aus Deutschland in Kerkrade oder Raeren nicht eingetrieben werden.

Kniffelig wird es, als ein Mopedfahrer angehalten wird, der seinen Führerschein angeblich nicht dabei hat. Die Onlineverbindung zum Straßenverkehrsamt zeigt nämlich beides an, dass er eine Fahrerlaubnis hat und dass er keine Fahrerlaubnis hat. Das ist möglicherweise der Tatsache geschuldet, dass es in Deutschland drei Arten von Führerschein gibt, den alten grauen Lappen, den rosafarbenen Papierschein und die Plastikkarte.

Und nur die Karten sind digital erfasst. Gut möglich also, dass der Mopedfahrer einen Führerschein hat. Thomas Oertlin wird es überprüfen, ansonsten hat der Mann ein Problem: „Fahren ohne Fahrerlaubnis ist ein Straftatbestand.” Meistens lösten sich derartige Fälle aber in Wohlgefallen auf.

Und wie reagieren ertappte Verkehrssünder? „In der Regel kann man mit den Leuten reden”, antwortet der Kommissar. Manchmal gibt es aber auch die Ausnahmen. Etwa bei der Fahrerin, die 20 Kilometer pro Stunde zu schnell war und zwei abgefahrene Reifen hatte. „Der Sohn blökte rum, es ist fast zum Widerstand gekommen. Was der auf Türkisch gesagt hat, möchte ich gar nicht wissen.”
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