Aachen - Früher war sexuelle Gewalt noch ein Tabu-Thema

Früher war sexuelle Gewalt noch ein Tabu-Thema

Von: Anke Hinrichs
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Bieten Hilfe in höchster Not: Das Team von „Frauen helfen Frauen”. Jetzt wurde das 30-jährige Bestehen gefeiert. Foto: Heike Lachmann

Aachen. Wenn Frauen feiern, inszenieren sie ihre Feste mit einer Leichtigkeit, die so manchen Mann überrascht dastehen lässt. Bei dem Verein „Frauen helfen Frauen” war das am Freitag nicht anders. Da trat geballte Weiblichkeit, gepaart mit Frauenpower im Haus Matthey auf, um das 30-jährige Jubiläum der Beratungsstelle in festlichem Rahmen zu feiern.

Die acht Mitarbeiterinnen begrüßten ihre Gäste in einer Sprachenvielfalt, die zeigte, dass Frauen hier nicht auf Sprachbarrieren treffen, denn bei „Frauen helfen Frauen” findet Beratung in acht Sprachen und sogar von Muttersprachlerinnen statt.

Das wäre alles nicht möglich, hätten 1979 nicht sieben Studentinnen der Aachener Hochschulen die erste Beratungsstelle für von Gewalt bedrohte Frauen in Nordrhein-Westfalen aufgebaut.

Selbstverständlich geschah das zunächst ohne finanzielle Mittel aus öffentlicher Hand und nur aus dem Drang heraus, Frauen einen Ort zu geben, an dem sie über ihre Probleme reden können und an dem sie Beratung und Hilfe erfahren.

Heute wird die Beratungsstelle in der Theaterstraße vom Land NRW, dem Kreis und der Stadt unterstützt. „Wir sprachen in unserer Beratung offen über die in den siebziger Jahren absolut tabuisierten Themen, wie sexuelle Gewalt und ungerechte Bezahlung”, erzählt Annette Pütz, Sozialarbeiterin im Verein und als einzige der Gründerinnen dort noch aktiv.

Die anderen Frauen der ersten Stunde hatten es sich jedoch nicht nehmen lassen, zum Jubiläum aus allen Teilen Deutschlands anzureisen, um Glückwünsche zu überbringen. Genauso wie Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt und Armin Laschet, Minister für Generationen, Familie, Frauen und Integration des Landes NRW.

Der designierte Städteregionsrat Helmut Etschenberg sprach für die neue Städteregion und die Fortführung der Unterstützung. Und Bürgermeisterin Hilde Scheidt hielt die Begrüßungsansprache: „Wir können stolz sein auf die Beratungsstelle”, lobte die grüne Bürgermeisterin, und beschrieb den schweren Stand, den Frauen hatten: „Früher gab es immer nur Gerüchte über Gewalt gegen Frauen, und selbst da hieß es oft, „die sind ja selber schuld”.

Von der geballten „Faust in der Tasche” sprach sie, aber auch vom Umbruch in den 70er Jahren, wo diese Tabus mit „Mut und Stolz” aufgebrochen wurden. Dennoch, so gab Scheidt zu bedenken, richte sich immer noch die meiste Gewalt gegen Frauen. Sie seien die Hauptleidtragenden von Krieg und Zerstörung. „Wir müssen den Frauen Mut machen aufzustehen und für ihre verbrieften Rechte einzutreten, das ist die unverzichtbare Arbeit der Beratungsstellen.”

Von anfänglichen Irritationen im Stadtrat berichtete Ulla Schmidt: „Rechte für Frauen, und dafür Geld ausgeben?” - sei damals ein ernstes Diskussionsthema gewesen. „Über die Jahre haben wir Frauen aber viel erreicht, etwa, dass die Frauenrechte in der Verfassung stehen und dass Zwangsverheiratung und Vergewaltigung in der Ehe unter Strafe gestellt werden.

Trotzdem liegt auch für die nächsten 30 Jahre noch viel Arbeit vor uns”, so die Ministerin. Armin Laschet hingegen bekannte, er habe „diese Themen erst lernen müssen, denn man wird nicht automatisch mit dieser Form von Gewalt konfrontiert. Wir leben oft genug in einer heilen Welt”, so der Minister.

Er sprach von einem gesamtgesellschaftlichen Problem. Die 62 Frauenhäuser in NRW zeigten das, dort sei der Hälfte der Frauen immerhin von deutschen Männern Gewalt angetan worden.

Als Ehrengast des Festes erschien die Grande Dame des Stadtrats, Elisabeth Geusen (CDU), die sich in den „heißen Jahren” 1979 bis 1999 ebenfalls für die Rechte der Frauen eingesetzt hatte.

Musikalisch führten Birgitta Schorke-Möller, Katharina Murauer mit Gesang und Irena Leveleva am Piano durch das Programm. Künstlerisch lieferte Uta Göbel-Groß einen Beitrag mit einer Kunstperformance.
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