Friedenspreis will sich auf seine Wurzeln besinnen

Von: Gerald Eimer
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Tina Terschmitten: Als Vizevor
Tina Terschmitten: Als Vizevorsitzende bis auf weiteres Wortführerin im Aachener Friedenspreis.

Aachen. Der neugewählte Vorstand des Aachener Friedenspreises ist nach seiner turbulenten Mitgliederversammlung bemüht, den Verein in ruhiges Fahrwasser zu bringen. Auch nach dem Rücktritt von Karl Heinz Otten als Vorsitzender ist der Vorstand handlungsfähig, betont die Stellvertreterin Tina Terschmitten.

Weil ein Nachfolger für Otten nicht in Sicht ist, wird nun jedoch erneut spekuliert, ein gleichberechtigtes dreiköpfiges Sprechergremium für den Friedenspreis-Verein zu installieren.

Otten, der kurz nach seiner Wiederwahl zurückgetreten ist, ging am Montag noch davon aus, formal bis zur Wahl eines Nachfolgers im Amt zu bleiben. Laut Terschmitten herrsche in dieser Frage inzwischen Klarheit: Rücktritt ist Rücktritt, habe das Amtsgericht erklärt. Ohnehin aber hatte Otten angekündigt, dass er sich aus der leitenden Arbeit zurückziehen wolle. Dem amtierenden Vorstand wünsche er nun „eine gute Hand und dem Friedenspreis alles Gute”.

Wie berichtet, sieht Otten keine Grundlage für eine „konstruktive Zusammenarbeit” mit der frischgewählten Vizevorsitzenden Terschmitten und dem neugewählten Schriftführer Ralf Woelk, zugleich örtlicher DGB-Chef. „Von der Ideologie her ist es nicht das, was ich mir vorstellen kann.”

Terschmitten und Woelk sind derweil bemüht, die Wogen zu glätten. Der Vorwurf, der Verein habe einen „Linksruck” vollzogen, sei nicht nachvollziehbar. Die meisten Vorstandsmitglieder sind parteilos, einige sind SPD-Mitglieder, sagen sie. Im übrigen wolle man sich nun wieder auf den eigentlichen Satzungszweck des Vereins, also die Auszeichnung von Friedensfreunden, besinnen. Der Personalwechsel soll dem Friedenspreis somit auch weitere Antisemitismus-Vorwürfe ersparen.

Unterdessen führen die Ereignisse vom Freitag ein weiteres Dilemma vor Augen: Weil die Arbeit im Vorsitz immens zeitaufwändig ist, sind Interessenten schwer zu finden. „Das ist quasi ein Vollzeitposten”, meint Woelk, „und wir sind alle im Beruf.” Nicht zuletzt deshalb ist Otten ohne Gegenkandidat wiedergewählt worden.

So befürworten Terschmitten und Woelk die Idee, die Arbeit auf mehrere Schultern zu verteilen und den Vorsitzenden durch ein dreiköpfiges Sprechergremium zu ersetzen. Ohne eine Satzungsänderung mit Zweidrittel-Mehrheit ist das jedoch nicht zu bewerkstelligen. Vor zwei Jahren ist das Vorhaben gescheitert, nun könnte ein weiterer Anlauf erfolgen. Vorerst aber gilt der Plan, möglichst bald einen neuen Vorsitzenden zu wählen. Sollte es schiefgehen, würde es auch ohne weitergehen.

Ansonsten aber wolle man sich auf die Friedenspreisverleihung 2012 konzentrieren, wie Terschmitten und Woelk betonen. Kandidaten müssen bereits bis März benannt werden, verkündet werden die Preisträger traditionell am 8. Mai, dem Jahrestag zum Kriegsende. „Sprachfähig und flexibel” wolle der Vorstand auch auf aktuelle Ereignisse reagieren und Stellungnahmen abgeben.

Ausdrücklich unkommentiert sollen hingegen Angriffe aus den eigenen Reihen bleiben - nicht zuletzt auch jene von früheren Vorsitzenden. „Man sollte uns jetzt erstmal die Chance geben, in Ruhe zu arbeiten”, meint Woelk.
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