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Friedenspreis enttäuscht: Ermittlungen gegen Preisträger 1998

Von: Gerald Eimer
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Das Ermittlungsverfahren wegen Volksverhetzung gegen Walter Herrmann, Träger des Aachener Friedenspreises 1998 und Initiator der „Klagemauer” am Kölner Dom, hat den Friedenspreis-Vorsitzenden Karl Heinz Otten veranlasst, auf Distanz zu Herrmann zu gehen.

„Was er jetzt macht, ist nicht in Ordnung”, sagt Otten mit Blick auf die höchst umstrittene Art, mit der Herrmann die Politik Israels gegen die Palästinenser kritisieren will.

Einem Bericht des Kölner Stadtanzeigers zufolge hat vor allem eine Karikatur für massive Kritik gesorgt: Auf ihr war ein Jude zu sehen, der ein palästinensisches Kind mit Messer und Gabel zerstückelt, um es zu essen. Das Bild hat ihm zwei Anzeigen und den Vorwurf des „öffentlichen Antisemitismus” eingebracht. Der Stil erinnere an das Nazi-Hetzblatt „Der Stürmer”. Herrmann hat inzwischen seine umstrittenen Papptafeln abgenommen.

Mit seiner Klagemauer steht er seit 1991 vor dem Dom, zunächst äußerte er damit seine Kritik gegen den Golfkrieg. Nach einer Räumung kehrte er 1996 zurück und protestierte erneut gegen Krieg und machte auf die Obdachlosenproblematik aufmerksam. Der Aachener Friedenspreis würdigte dies mit der Auszeichnung im Jahr 1998.

„Wir zeichnen Menschen aus, keine Heiligen. Wie sie sich weiter entwickeln, steht außerhalb des Einflusses des Friedenspreises”, sagt Otten zu den aktuellen Vorgängen am Dom. Aus der Sicht vor zwölf Jahren sei die Preisverleihung jedoch „gut und richtig” gewesen.

Es ist das dritte Mal, dass der Aachener Friedenspreis auf Distanz zu seinen Preisträgern gehen muss. Auch Jean-Bertrand Aristide (1993 ausgezeichnet), ehemaliger Präsident von Haiti, und die Politikerin Vera Wollenberger (1990) erwiesen sich rückblickend aus Sicht des Vereins als Fehlgriff.

Für den langjährigen Friedenspreis-Vorsitzenden Otmar Steinbicker ist der Fall Herrmann besonders heikel. Die Friedensbewegung müsse sich „klar und deutlich abgrenzen, um sich die Kritikfähigkeit an der israelischen Politik zu erhalten”, sagt er. Herrmanns Karikaturen seien „geschmacklos”, sie helfen nur denjenigen, die „eine ernsthafte Debatte über israelische Kriegsverbrechen in Gaza verhindern und durch eine Debatte über Antisemitismus ersetzen wollen”.
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