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Friedenspreis arbeitet am Schulfrieden

Von: Gerald Eimer
Letzte Aktualisierung:
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Sie werden niemandem den Friedenspreis aufdrängen: Dieter Spoo, Tina Terschmitten, Ralf Woelk, Lea Heuser und Gerhard Diefenbach wollen Missverständnisse um die Preisvergabe ausräumen. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Der Friedenspreis ist bemüht, den Schulfrieden wieder herzustellen und mit der Schulleitung der Hulda-Pankok-Gesamtschule in Düsseldorf ins Gespräch zu kommen. Man wolle ihr den diesjährigen Friedenspreis keinesfalls aufdrängen, betonten am Montag die Vorstandsmitglieder des gleichnamigen Vereins. Stattdessen sprach Ralf Woelk am Montag von einem „Angebot“ an die Schule, den Preis am 1. September entgegenzunehmen.

Gut anderthalb Wochen, nachdem die Düsseldorfer Schulleiterin Alexandra Haußmann den Friedenspreis öffentlich zurückgewiesen hat, äußerten sich am Montag erstmals die Spitzen des Aachener Vereins vor der Presse. Man wolle „Missverständnisse“ ausräumen, erklärte Tina Terschmitten. Man habe sich womöglich, „ein bisschen weit vorgewagt“, gestand Ralf Woelk zu. Und man habe „die Sprengkraft“ unterschätzt, die in der „brisanten Verleihung“ stecke, meinte Dieter Spoo. Klar sei jedenfalls: „Wir drücken niemandem einen Preis auf“, so Woelk.

Stattdessen werde man nun abwarten, wie sich die Schule am Ende positioniert. Dem Vernehmen nach, würden sowohl Schülervertretung als auch Elternpflegschaft noch diskutieren. Schulleitung und Lehrerschaft sollen sich nach Aussage von Haußmann hingegen schon deutlich gegen die Annahme des Preises ausgesprochen haben. Als Grund gibt Haußmann an, dass die „für preiswürdig gehaltenen Umstände weder tatsächlich noch rechtlich zutreffen“ würden. Zudem fühle sich die Schule vom Friedenspreis „politisch missbraucht“.

Wie berichtet, soll die Hulda-Pankok-Gesamtschule am 1. September als eine von drei deutschen Schulen ausgezeichnet werden, weil sie eine Kooperationsvereinbarung der Länder mit der Bundeswehr nicht umsetzen wollte und sich damit gegen Unterrichtsbesuche von Jugendoffizieren ausgesprochen habe.

Gerhard Diefenbach vom Arbeitskreis Antimilitarisierung legte am Montag nochmals dar, dass man sich bei der Recherche im Vorfeld auf der sicheren Seite sah. Demnach gab es im Oktober 2010 an der Gesamtschule einen eindeutigen Beschluss gegen die Bundeswehr-Kooperation. Fündig sei man im Internet und durch Zeitungsberichte geworden, eine direkte Ansprache der Schule habe es zunächst nicht gegeben.

Doch noch am 7. Mai diesen Jahres – also einen Tag vor der Preisträger-Bekanntgabe – sei die Haltung per Mail bestätigt worden. Daher sei man auch von der Ablehnung einen Monat später durch die Schulleitung irritiert gewesen und habe zunächst geglaubt, es handele sich um eine Einzelmeinung der Rektorin. Der Schule wolle man nun Zeit geben, sich zu beraten. „25 Jahre lang haben sich alle Preisträger riesig gefreut. Das soll auch in Zukunft so bleiben“, meint Diefenbach.

Nicht in der Bredouille

In der Bredouille sieht sich der Verein ohnehin nicht. „Wir haben zwei Preisträger“, bekräftigt der Vorstand. Für ihr Nein zu Bundeswehrbesuchen in Schulen sollen in jedem Fall das Robert Blum Gymnasium in Berlin und die Käthe-Kollwitz-Schule in Offenbach geehrt werden. Der internationale Preis geht zudem an eine syrische Schule. Deren Vertreter haben ihr Kommen zugesichert.

Abgesehen von dem unglücklichen Procedere um die Bekanntgabe der Preisträger ist der Friedenspreis-Vorstand nach wie vor überzeugt, dass die Mitglieder eine gute und wichtige Wahl getroffen zu haben. „Unsere Forderung ist, dass die Bundeswehr nicht in der Lehre und Ausbildung junger Menschen vertreten sein soll“, sagt Diefenbach.

Dass der Verein für diese Haltung von Soldaten und deren Angehörigen derzeit auch schwer gescholten wird, müsse man aushalten. „Wir haben nicht nur mit Kuschelthemen zu tun“, sagt Spoo. Es sei deutlich geworden, dass die durch den Friedenspreis beförderte Debatte polarisiert. Aber man müsse auch „Missstände im eigenen Land anprangern“, meint Terschmitten.

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