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„Freunde“-Vorsitzender Höhler nimmt Stellung zur Debatte ums Ludwig Forum

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Er plädiert in seinem Beitrag zur Debatte um das Aachener Ludwig Forum dafür, entscheidenden Fragen auf den Grund zu gehen: Ernst Höhler, Vorsitzender des Vereins der Freunde des Ludwig Forums. Foto: H. Lachmann

Aachen. Unter dem Titel „Ist dieses Haus wirklich nur ein Feldversuch?“ hat Bernd Mathieu am 18. Oktober in unserer Zeitung über die Situation im Aachener Ludwig Forum für Internationale Kunst geschrieben. Ausgangspunkt war die Eröffnung der Nancy-Graves-Ausstellung mit einem Grußwort, das der Aachener Oberbürgermeister Marcel Philipp dort hielt, durchaus kritisch, was die Besucherzahlen des Hauses angeht. Ernst Höhler, Vorsitzender der Freunde des Ludwig Forum e.V., nimmt dazu im folgenden Beitrag Stellung:

Es ist zu begrüßen, dass die Presse die Diskussion um das Ludwig Forum für Moderne Kunst auf der ersten Seite der Zeitungen eröffnet und damit zeigt, wie wichtig dieses Thema zu nehmen ist.

Der Paukenschlag des „Aber“, den der Oberbürgermeister bei der festlichen Eröffnung der Ausstellung Nancy Graves dem „Ja“ folgen ließ, hat sicher den Akzent nicht negativ verlagert. Eine recht harsche Kritik an der Situation des Hauses in der Öffentlichkeit, zumal zu diesem international hochbeachteten Ausstellungsbeginn, sollte allerdings die defizitäre Personalsituation, mit der die Leitung des Hauses zurechtzukommen hat, nicht außer Erwähnung lassen, auch unter Beachtung der Beiträge der beteiligten Förderer und Sponsoren des Projektes und des Hauses.

Ihre banalisierende Wertung des Begriffs „Show“, den der Vertreter der Nancy Graves Foundation benutzte, ist nicht begründet, eher das Gegenteil ist der Fall: Er erinnert an die berühmte Show, die in die Kunstgeschichte einging als der Beginn der Moderne in der amerikanischen Kunst und als Amory Show in der ganzen Welt bekannt ist.

Stiftung auch betroffen

Kritik an zu geringen Besucherzahlen des Lufo trifft nicht nur die Mitarbeiter, die die hervorragende wissenschaftliche Leistung der Show erarbeitet haben, und die Leitung des Hauses, die diese unter schmalsten Mittel- und Personal - Ressourcen konzipiert hat, sondern auch die Sponsoren und die Freunde des Ludwig Forums und letztendlich auch die Ludwig Stiftung.

Der sich seit längerem auftürmende Stau an Diskussionsbedarf und die sehr emotional geführte öffentliche Debatte um den Eingangsbereich ist, wie der Oberbürgermeister zu Recht bemerkt, eine Stellvertreter-Debatte und zeigt: Allen Verantwortlichen ist daran gelegen, dass die Kulturangebote der Stadt, also auch des Ludwig Forums, von möglichst vielen Menschen angenommen werden.

Lassen Sie uns, damit wir am Ende gemeinsam die richtigen Antworten finden, die richtigen Fragen suchen. Dazu sind ja eine Reihe Veranstaltungen geplant, wie die von Ihren Zeitungen angesetzte Podiumsdiskussion am 28. November.

Einige sachliche Fragen lassen sich relativ leicht finden und beantworten, andere, die wichtigsten, liegen eher nicht auf der Ebene „Kunst und das liebe Geld“, sondern betreffen das Selbstverständnis unserer Gesellschaft, und ein breiter Diskurs sollte Teil des Gesamtgeschehens um Kultur und Bildung sein.

Einige der sachlichen Fragen wäre: Hat das LuFo im Unterschied zu Museen für moderne Kunst eine besondere Aufgabenstellung als Forum und Haus der Ludwig Stiftung? Wenn ja, welche? Sind die Besucherzahlen im Vergleich zu anderen Häusern schlecht? Wie werden die Besucher gezählt? (Sonderveranstaltungen, Führungen etc.) Wie steht es in Aachen um freien Eintritt in die Museen ?

Weshalb wurde dem vorherigen Pächter des Restaurants gekündigt? Hat er Miete gezahlt? Wenn ja, wie viel? Hat es Gesprächsangebote zu Verbesserungen gegeben? Sind durch die Schließung des Re-staurants die Besucherzahlen rückläufig geworden?

War die lange Planungs- und Entscheidungszeit für den Umbau des Eingangs zu vermeiden? Ist die räumliche Gestaltung des LuFo-Eingangsbereichs für den Gesamteindruck wichtig? Ist die relativ ungünstige städtische Lage durch Verkehrsanbindung, Hinweise etc. ausreichend kompensiert? Weshalb und wem ist es wichtig, dass möglichst viele Menschen das LuFo besuchen? Woran liegt es, dass sie es vielleicht nicht tun? Was könnte getan werden, um mehr Besucher ins LuFo zu holen?

Alle diese Fragen und möglicherweise noch andere, komplexere, die Wechselwirkungen von Kunst und Gesellschaft aufdeckende und befruchtende Diskurse, sollten eruiert und mit dem Ziel eines konstruktiven Beitrags und Dialogs der Beteiligten Teil einer weiteren Unterstützung des Hauses und seiner engagierten Leitung werden, die außerhalb von Aachen einen außerordentlich guten Ruf genießt.

Dabei könnte klar werden : „nur ein Feldversuch?“ Ja, nicht nur, aber Feldversuche werden es unter anderem weiterhin sein; gesellschaftskritische Grabungen auf den Feldern der Kunstperioden, die die Sammlung Ludwig, dieser unerhörte, so viel beneidete Schatz in Aachen, vollständig in über 3000 Kunstwerken abgebildet hat. Auf dem nächsten Feld wird schon gegraben: Don van Vliet / Captain Beefheart, April 2014. Bereiten wir uns darauf vor.

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