Aachen - Freude über die Kisten: „So was kann ich mir sonst nicht leisten”

Freude über die Kisten: „So was kann ich mir sonst nicht leisten”

Von: Georg Dünnwald
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Ein Geschenk für wirtschaftlich schwach aufgestellte Menschen, das viel mehr Wert ist als nur sein Gegenwert in Euro: Weihnachtskisten, die Aachener Bürger der Tafel zukommen ließen, wurden am Donnerstag an die Menschen verschenkt, die auf verbilligte Lebensmittel angewiesen sind. Fast alle Pakete waren liebevoll verpackt und mit guten Wünschen zum Fest garniert. Foto: AN

Aachen. Dieter Mühlberg braucht mal ein Päuschen. Der fleißige Tafel-Helfer hat schließlich schon den ganzen Vormittag Kisten geschleppt. Die Kisten mit Lebensmitteln sind von Aachener Bürgern zum Alten Kurhaus gebracht worden, um bedürftigen Einwohnern der Stadt eine Weihnachtsfreude zu bereiten. Die „Aachener Nachrichten” und der WDR haben die Aktion „Weihnachtskisten” begleitet und unterstützt.

Vor dem Alten Kurhaus knubbelt es sich. Geduldig warten die Tafelkunden trotz Kälte darauf, vorgelassen zu werden. Am späten Nachmittag, gegen 16 Uhr, ist Feierabend, bis dahin werden es rund 1900 Kunden gewesen sein, die sich im Ballsaal eine Kiste mit schönen Sachen aussuchen dürfen.

Die Tafel-Vorsitzende Jutta Schlockermann empfägt nahezu jeden Kunden persönlich: „Wir haben uns aber lange nicht mehr gesehen!” Sie markiert mit einem Locher jeden Kundenausweis. Das dokumentiert: Man war da und hat sein Paket in Empfang genommen. „So ist ausgeschlossen, dass einer eine zweite Kiste mitnimmt”, erklärt Jutta Schlockermann.

Der Packraum ist auch die Tauschbörse

Im Ballsaal des Alten Kurhauses ist es mollig warm, die Kronleuchter scheinen um die Wette zu strahlen, in Ruhe dürfen sich die Menschen ihr Paket aussuchen. Eine Helferin oder ein Helfer trägt das Paket nach nebenan. Dort, in einem separaten Raum, packen die Kunden die Köstlichkeiten in mitgebrachte Einkaufswägelchen. Sie können dann bequem den Aufzug zum Hintereingang des Alten Kurhauses benutzen.

Der Packraum ist auch Tauschbörse. Muslime bekommen für eine Dose Schweinefleisch eine Dose Rindfleisch oder andere Sachen. „Alkohol trinke ich keinen”, sagt ein älterer Herr und bekommt für eine Flasche Rotwein ein paar Tafeln Schokolade von einem anderen Herrn. Beide kennen sich, beide kamen einst als Russlanddeutsche nach Aachen.

Sogar ein Kinderbuch

Elisabetha Kostyuk freut sich. „In meiner Kiste sind ganz tolle Sachen. Sogar ein Kinderbuch. Das wird meinem fünfjährigen Sohn gefallen.” Auch eine Fernsehzeitschrift mit dem Weihnachtsprogramm kommt bei der jungen Frau gut an: „So was kann ich mir doch sonst gar nicht leisten.” Mit drei Einkaufstüten schwer bepackt, macht sie sich auf den Heimweg.

Derweil begrüßt Jutta Schlockermann weitere Kunden. „Stefan, begleite bitte die Dame”, bittet sie einen Helfer, der nachher die von der Frau ausgewählte Kiste in den Packraum schleppen wird.

Staunend steht so mancher vor seinem Schatz, den er ergattert hat. Freudentränen werden vergossen, hin und wieder schimpft auch einer, dem das Angebot nicht so anz gefällt.

Eine junge Frau kann sich fast nicht entscheiden. Da hilft nur sanfter Druck. „Jetzt müssen Sie sich aber eine Kiste nehmen, draußen warten noch viele andere”, kommt bestimmt, aber freundlich die Aufforderung.

„Die Weihnachtskisten-Aktion ist doch immer wieder schön”, seufzt Jutta Schlockermann zufrieden. Sie ist allen Aachenern dankbar, die wiederum so reichlich gegeben haben.
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