Freilaufende Katzen sollen nicht mehr dürfen

Von: Werner Breuer
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Wenn der Kater mit der MiezeÉ werden aus einigen wenigen Katzen ganz schnell ganz viel mehr. Um diese rasante Vermehrung einzudämmen, fordern Tierschützer nun ein Kastrationsgebot für freilaufende Samtpfoten in Aachen. Foto: Imago/Stock&People

Aachen. Katzen eignen sich prima für mathematische Textaufgaben: Wenn ein Kater und eine Katzendame miteinander - na, Sie wissen schon -, dann ergibt das wie viele Miezen? Rechnerisch ist es bei den Damen noch vergleichsweise einfach.

Zweimal pro Jahr bringen sie vier bis sechs Junge zur Welt, klärt die Tierschutzorganisation Peta Deutschland auf. Kater sind dagegen unberechenbar, treulos, oft unterwegs und begnügen sich nicht mit „zweimal im Jahr” - ihre Produktivität ist wesentlich höher.

Als Folge dieses Lebenswandels streunen nach Schätzung des Aachener Tierschutzvereins Tausende wild lebender Katzen durch die Aachener Region. „Viele Leute glauben ja, die könnten sich alleine durchschlagen”, meint Tierschutzbeauftragte Birgit Wintersteller-Kordic. Doch die große Freiheit bekommt den Stubentigern in der Regel nicht. „Hauskatzen sind auf das Leben in freier Wildbahn nicht vorbereitet”, sagt Peta-Sprecherin Nadja Kutscher, „die Tiere leiden.”

Ihre Organisation macht sich deshalb für ein Kastrationsgebot stark, um der Vermehrung Einhalt zu gebieten. Nadja Kutscher hat in 120 deutschen Rathäusern - auch in Aachen - die Fraktionen angeschrieben mit der Bitte, dem Beispiel der Stadt Paderborn zu folgen. Dort sind schon seit 2008 Katzenhalter verpflichtet, ihre Tiere kastrieren zu lassen. Laut einer ordnungsbehördlichen Verfügung gilt die Regelung für Samtpfoten, denen der „Zugang ins Freie” gewährt wird.

Wer seine Mieze ohnehin nicht vor die Tür lässt, ist davon nicht betroffen. Auch für die Züchter von Rassekatzen oder Landwirte, die laut Paderborner Verfügung „auf Katzennachwuchs in gewissem Rahmen angewiesen sind”, gibt es Ausnahmen.

50.000 Euro für Tierärzte

„Diesen Vorstoß finden wir gut”, sagt Rainer Brendel-Reinke von der Katzenhilfe Aachen. Die Idee verspricht immerhin eine gewisse Entlastung für den Verein, der nach Angaben von Brendel-Reinke jährlich rund 600 Katzen kastrieren lässt. Das geht ins Geld. Ohnehin muss die Katzenhilfe, die sich nur durch Mitgliedsbeiträge und Spenden finanziert, pro Jahr etwa 50.000 Euro für Tierarztrechnungen berappen. Außerdem greift man finanziell klammen Katzenhaltern unter die Arme und übernimmt einen Teil der Kastrationskosten.

Die liegen nach Auskunft der Tierschutzbeauftragten Wintersteller-Kordic bei einem Kater zwischen 50 und 80 Euro, bei Katzendamen sei der Eingriff komplizierter und schlage mit 100 bis 150 Euro zu Buche.

Katzenhalter, die trotz Gebot diese Kosten sparen wollen, wäre allerdings schlecht beizukommen. „Die Kontrollen sind natürlich der Schwachpunkt”, räumt Rainer Brendel-Reinke ein. Auch wenn in der Paderborner Verordnung salopp formuliert wird, dass für die Stadt wohl keine besondere Kosten anfallen, weil „die Überwachung von Außendienstmitarbeitern des Ordnungsamtes im täglichen Geschäft mit erledigt wird”, gehen die Aachener Tierschützer nicht davon aus, dass städtische Ordnungskräfte prüfende Blicke zwischen die Beine von Katern werfen.

„Wir setzen da eher auf moralischen Druck”, sagt Birgit Wintersteller-Kordic vom Tierschutzverein. Der könnte vor allem über die Tierärzte ausgeübt werden, bei denen die Katzenhalter mit ihren Lieblingen beim einen oder anderen Wehwehchen vorstellig werden. „Da würde normalerweise auffallen, ob ein Tier kastriert ist”, so Peta-Sprecherin Kutscher. Der Veterinärmediziner könnte dann mit einem dezenten Hinweis auf ein bestehendes Gebot „ein Bewusstsein schaffen, was vielen Leuten fehlt”.

Offenbar, denn anders ist kaum zu erklären, warum die Katzenhilfe täglich 400 Tiere an Futterstellen in der ganzen Region versorgt. Bei einem Kastrationsgebot müsste die Zahl im Idealfall sinken. Für Birgit Wintersteller-Kordic führt eigentlich kein Weg daran vorbei. Mit entsprechenden Vorstöße bei der Stadt und auch bei der Städteregion sei der Tierschutzverein immerhin „nicht auf taube Ohren gestoßen”. Und auch Peta-Sprecherin Kutscher registrierte in Aachen Interesse: Frank Hansen, Tierschutzbeauftragter der Aachener FDP, hat sich schon bei ihr gemeldet.
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