Aachen - Freibad Hangeweiher: Erste Sanierungsarbeiten beginnen

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Freibad Hangeweiher: Erste Sanierungsarbeiten beginnen

Von: Achim Kaiser
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Am Sonntagabend endet die Freibadsaison. Mit knapp 58.000 Badegästen war 2014 eines der schlechtesten Jahre für den Hangeweiher. Ab Montag wird er in einem ersten Teilabschnitt saniert. Die Kosten liegen bei 2,1 Millionen Euro. Foto: Harald Krömer

Aachen. Die treuen älteren Hangeweiher-Besucher lieben ihr Freibad. Es ist mit ihnen alt geworden und liefert viel Stoff für Erinnerungen. Das wird auch nach den zwei geplanten Sanierungen so sein. Denn die großen technischen Neuerungen werden für die Schwimmgäste nicht zu sehen sein.

Gebäude, Sanitäranlagen, Umkleidekabinen und Becken bleiben vorerst unberührt. Bei prognostizierten 20 Grad haben auch jüngere Schwimmfreunde am Wochenende noch die Möglichkeit, ihre letzten Runden im kühlen Nass unter regenfreiem Himmel zu drehen. Am Sonntag um 20 Uhr endet die Badesaison 2014, schon am Montagmorgen rücken die Handwerker und Bagger an und beginnen mit den Arbeiten.

Die erste große Baustelle ist versteckt in dem kleinen Technikraum neben dem Schwimmerbecken. Die drei riesigen Filterkessel sind verrostet und zerbeult und müssen dringend ersetzt werden. „Sie stammen aus dem Jahr 1961.

Dafür haben sie wirklich lange gehalten“, sagt Martin Lambertz vom Gebäudemanagement der Stadt. Die Filter werden komplett erneuert, und alle drei Becken erhalten dann auch einen eigenen Wasserlauf mit eigener Temperaturregelung. Rund 2,1 Millionen Euro verschlingen die Erneuerungen der Filteranlagen und der alten Rohrleitungen.

Außerdem werden unterirdisch so genannte Schwallwasserbecken gebaut, in die das Wasser gelangt, das aus den Becken verdrängt wird. Dort wird es aufgefangen, gereinigt und kann dann wieder verwendet werden. „Mit dieser neuen Technik können wir effektiver eventuellen Problemen entgegentreten“, sagt Petra Prömpler, die Leiterin des städtischen Fachbereichs Sport.

Damit spielt sie auf eine kritische Phase der diesjährigen Badesaison an: Vom 24. Juni bis zum 2. Juli war das Freibad geschlossen und erstmals in negative Schlagzeilen geraten. Bei einer routinemäßig gezogenen Wasserprobe waren im Schwimmerbecken Verunreinigungen mit Pseudomonaden festgestellt worden. Das war der Stadt erst mit fast 14-tägiger Verspätung von dem verantwortlichen Labor aus Norddeutschland mitgeteilt worden. Der Zwischenfall schlug hohe Wellen, zu Schaden gekommen ist aber niemand.

Für Sportamtschefin Prömpler war die kurzzeitige Schließung aber nicht der Grund für die sehr schlechten Besucherzahlen in diesem Jahr. Nicht einmal 58.000 Gäste haben die Eingangstore passiert, nur im Jahr 2007 kamen weniger, etwa 56.000. „Der Sommer war schlecht, die Schließung hat etwas dazu beigetragen.“ Ohne die Zwangspause wäre es aber auch kein gutes Jahr geworden, meint Prömpler.

Immerhin hat die Verwaltung schnell Konsequenzen aus den Irritationen gezogen: Sie arbeitet seitdem mit einem anderen Labor zusammen, das seinen Sitz in Eschweiler hat.

Wahrscheinlich hat diese eine verunreinigte Probe samt Folgen auch die Politiker sensibilisiert. Denn in Form einer Dringlichkeitsentscheidung hat der Rat jüngst insgesamt 4,8 Millionen Euro bewilligt. Neben den 2,1 Millionen Euro für die Maßnahmen bis zur Eröffnung des Hangeweiher am 1. Mai 2015 stellte er schon weitere 2,7 Millionen Euro für den zweiten Abschnitt der Sanierung während der Freibad-Pause 2017/18 in Aussicht.

Mit dieser Summe sollen neue Edelstahlbecken in die vorhandenen Bassins eingebaut und deren Rohrsysteme erneuert werden. Dabei wird auch die Optik etwas verändert. Die Oberkante des Wassers wird um 30 Zentimeter angehoben. „Es wirkt dann sehr schön blau“, sagt Martin Lambertz, „und erleichtert unserem Badleiter Torsten Liebl die Aufsicht und die Reinigung“.

Auch werden ab 2018 allabendlich die Wasserbecken mit einer Kunststofffolie abgedeckt. „Dann können die jungen Leute nicht mehr nachts hier schwimmen“ sagt Manfred Lennartz vom Gebäudemanagement. Die über den Zaun kletternden Studenten und Heranwachsenden sind aber nicht der Hauptgrund für die Abdeckmaßnahme.

„Die Folie schützt vor Dreck von außen und hilft auch, Energie zu sparen“, erklärt Petra Prömpler. Schließlich soll die Sanierung am Ende auch Ausgaben mindern: „Pro Saison können mit der neuen Technik rund 75 000 Euro an Energiekosten eingespart werden“, prognostiziert die Leiterin des Fachbereichs Sport.

Gerne hätte sie auch die in die Jahre gekommenen Gebäude direkt mit auf Vordermann bringen lassen, der Geldbeutel der Stadt gibt diese Millioneninvestition aber derzeit nicht her. „Es besteht auch keine Not, sagt Prömpler. Alles funktioniere, die Sanitäranlagen seien in Ordnung und die Umkleidekabinen auch für Rollstuhlfahrer „funktional“. Klar sei der Gebäudekomplex aus dem Jahr 1971 mittlerweile „überdimensioniert“, da müsse „mittelfristig ein neues Konzept“ her, erst mal müsse sich die städtische Haushaltslage etwas entspannen.

Die älteren Damen, die zum Teil täglich im Schwimmerbecken ihre Bahnen ziehen, sind froh, dass „ihr“ Freibad nach dem Bakterienbefall nicht ganz geschlossen wurde. „Danach sind die Leute ja auch wieder gekommen. Die Stadt braucht ein Freibad“, sagen sie.

An grundlegend Neues werden sich die leidenschaftlichen Schwimmerinnen am 1. Mai 2015 nicht gewöhnen müssen. Wenn das Freibad Hangeweiher im kommenden Jahr wieder öffnet, wird sich optisch nichts verändert haben. Und so scherzen sie auch, als sie aus dem Becken steigen: „Das Wasser wird nicht modernisiert, oder?“

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