Frauennotruf Aachen: Wichtige Anlaufstelle für Opfer

Von: Lee Beck
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Aachen. Eddy tapst schwanzwedelnd durch den Raum und möchte gestreichelt werden. Viele Betroffene, die eine Beratung beim Frauennotruf Aachen in Anspruch nehmen, mögen den Pudel-Dobermann-Mischling.

Seine Anwesenheit hilft ihnen über traumatische Erlebnisse zu sprechen und sich zu öffnen. Schon seit über 33 Jahren ist die Beratungsstelle in Aachen aktiv gegen sexuelle Gewalt. Jetzt hat der Frauennotruf auf das Jahr 2013 zurückgeblickt. Die fünf hauptamtlichen Mitarbeiter des Büros in der Franzstraße 107 in Aachen helfen Opfern von sexueller Gewalt, einen Therapeuten zu finden, bieten überbrückende Beratungsgespräche an, sprechen mit Angehörigen und Partnern und begleiten zu Gerichtsterminen oder polizeilichen Vernehmungen – alles kostenlos.

Die Hilfe ist unbürokratisch und schnell – jede Woche gibt es Krisentermine, die für Notfälle freigehalten werden. Der Frauennotruf fängt die Frauen auf und deckt die Lücken im System ab. „Unser Hauptthema ist die sexualisierte Gewalt und deren Auswirkung auf die Gesundheit“, sagt Diplom-Pädagogin Agnes Zilligen. „Sexuelle Gewalt macht krank“, betont sie. Unterstützt wird das Team von 19 Ehrenamtlern, die 2013 rund 1300 Stunden abgeleistet haben.

Mehr als 2000 Beratungskontakte

Letztes Jahr gab es zu rund 300 Personen mehr als 2000 Beratungskontakte – persönlich, per E-Mail oder am Telefon. Der Frauennotruf arbeitet mit einem engen Netz aus Therapeuten und Ärzten zusammen. Trotzdem betragen die Wartezeiten für eine Therapie oft länger als ein halbes Jahr, und Krankenkassen stellen nach einer bestimmten Anzahl an Stunden die Finanzierung ein – auch wenn die betroffene Person mehr Stunden benötigt.

„Vielen Frauen steht das Wasser bis zu Hals“, macht Beraterin Gisela Görres aufmerksam. Sie haben Angst, den Schritt zur Therapie zu wagen. „Während der langen Wartezeiten kann es passieren, dass die Folgen des Traumas, wie etwa Depressionen, Angstzustände oder Panikattacken, chronisch werden“, erklärt sie.

Viele Betroffene haben auch Angst zu Ärzten zu gehen. „Wir bereiten sie dann Schritt für Schritt vor“, Bettina Cyriax, die ebenfalls in der Beratung tätig ist. In der Altersgruppe 51 bis 60 Jahre hat sich der Anteil derer, die eine Beratung in Anspruch nehmen, im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt. „Wir führen das auf die Kampagne ,Wenn alte Narben schmerzen....’ zurück“, sagt Agnes Zilligen.

Reform des Paragrafen

Der Frauennotruf Aachen beteiligt sich auch an „Vergewaltigung verurteilen“ des Bundesverbands Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe und macht so auf eine notwendige Reform des Vergewaltigungsparagrafen § 177 StGB aufmerksam. „Nur etwa acht Prozent der Vergewaltiger werden verurteilt“ sagt Trauma-Fachberaterin Monika Bulin.

Im Paragrafen steht, dass die Gegenwehr eines Opfers für den Vergewaltiger klar erkennbar sein muss. Weinen etwa gehört nicht dazu. „Trotzdem wollen wir die Betroffenen motivieren, Anzeige zu erstatten. Es ist die einzige Form von legaler Gegenwehr“, so Bulin.

Unter den Betroffenen, die 2013 beraten wurden, sind auch drei Männer. Denn an einer ähnlichen Einrichtung, an die sich Jungs und Männer wenden können, fehlt es in der Städteregion Aachen. Der Frauennotruf hilft aber dann trotzdem gerne, einen geeigneten Therapeuten zu finden. Das Team hat den Bedarf einer Einrichtung für Männer schon lange erkannt. Vor allem nach dem Bekanntwerden der Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche im Jahre 2010 riefen besonders viele Männer beim Frauennotruf an.

„Wir würden auch gerne Beratungen für Männer anbieten und einen männlichen Mitarbeiter einstellen“, sagt Bettina Cyriax. Doch dafür fehlt derzeit die Finanzierung. Der Frauennotruf finanziert sich zu rund einem Drittel selbst, den Rest übernehmen die Städteregion Aachen und das Land NRW.

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