Frauen-Power unter der Zirkuskuppel

Von: Wolfgang Schumacher
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Starke Frauen auf dem „Flic Flac“-Zelt: Melanie Chy (l.) und Larissa Kastein absolvieren für die „Nachrichten“ ein Foto-Shooting der besonderen Art. Foto: Heike Lachmann

Aachen. Larissa Kastein sieht ohne jeden Zweifel klasse aus, ein wenig wie die jüngere Schwester von Yvonne Catterfeld, Markenzeichen wehendes blondes Haar, großer Mund und sympathische Ausstrahlung. Letztere hat die Tochter von „Flic Flac“-Gründer Benno Kastein fraglos.

Mit ihrer schicken, aber ganz normalen hellbraunen Lederjacke, den schwarzen Jeans, dazu den dunklen Wickelschal wäre sie in der Adalbertstraße eine eher unauffällige junge Frau beim nachweihnachtlichen Shoppen.

Doch unter der Zirkuskuppel weiß sie mit ihren 26 Jahren bereits haargenau, wo es lang geht im harten Artisten-Geschäft. Dort in der Manege schlingt sie grazil und doch kraftvoll „mit einem „Schuss heißer Erotik“, wie es die „Flic Flac“-Eigenwerbung formuliert, am „Chinese-Pole“ Arme, Hände und Beine um die Stahlstange, gleitet mit langem Haar zuerst gen Boden, um dann schlangengleich wieder hochzuklettern in die Höhe der Zeltkuppel.

Larissas Nummer, übrigens eine Premiere im Aachener Weihnachtszirkus von Flic Flac, ist perfekt einstudiert und choreographiert „von meiner russischen Trainerin“, die die Begabung des Zirkusmädchens schon früh erkannte.

Ihre ähnlich selbstbewusste Kollegin Melanie Chy, die noch bis zum 6. Januar im „Flic Flac“-Zelt auf dem Bendplatz Kunststücke auf einer chromblitzenden Maschine vollführt, stammt wie die Tochter Kasteins aus einer „alten“ Artistenfamilie, beide Frauen wuchsen im Zirkus auf, begannen mit fünf oder sechs Jahren, sich für Darbietungen vor dem Publikum zu interessieren.

Melanie ist eine im Wortsinne starke Frau: Der einarmige Handstand auf der Lenkradgabel der immer ein wenig schwankenden Maschine ist nicht ohne, bei ihr vereinigen sich Kraft und aggressive Dynamik. Die Power-Frau mit den chinesischen Wurzeln wurde in Bern geboren, die Mutter ist eine waschechte Schweizerin.

Doch die junge Artistin blieb nicht in Europa, sie lebt seit 2006 in Las Vegas, dort, wo der Glitzerfaktor zweifellos am höchsten auf dieser Welt ist, wo die Shows sich in den Casinos jagen. Warum sind sie, die beiden Jungstars, mit Nummern unterwegs, für die sie nichts und niemanden brauchen, nur ein Requisit und sich selber? Larissa lacht: „Das war meine Trainerin. Sie hat gesagt ‚du musst alleine für dich sorgen können, das ist das Beste‘“, berichtet die ältere der beiden Kastein-Töchter.

Lächelnd stimmt die von Angesicht zu Angesicht eher zierliche Melanie Chy kurz und bündig zu: „Das ist besser!“ Nur mit dem Requisit, der mächtigen Honda, sei es manches Mal ein wenig beschwerlich, da brauche sie schon Hilfe.

Die Zukunft für Larissa liegt parallel auf der unternehmerischen Seite. Sie könne sich sehr wohl irgendwann vorstellen, das Zirkusunternehmen „Flic Flac“ – dann allerdings gemeinsam mit Schwester Tatjana – zu leiten. „Tatjana hat einen Sinn für Zahlen. Das fehlt mir völlig“, sagt sie. Ihr Ding sei mehr das Arrangement der Nummern, der Musik, von Licht, Technik und so weiter, die beiden bilden also eigentlich eine ideale Kombination.

Doch bis dahin ist es sicher noch Zeit, weil Vater Kastein nach einer schöpferischen Pause wieder völlig aktiv im Zirkusgeschäft mitmischt. Und Larissa sagt, sie möge lieber die etwas kleinere, romantische Aufführung als den ganz großen Lärm, der eigentlich „Flic Flac“ ausmacht. „Ich mag mehr so eine Dinner-Show“, da sei es etwas intimer, sinniert sie.

Reisen als Hobby

Die Faszination ihres Berufs spricht aus den Gesichtern der jungen Frauen. Sie hätten sogar jetzt noch Lampenfieber, Melanie etwas mehr, Larissa eher „wenn es Premieren gibt“. Dann steigt wieder das körpereigene Adrenalin in der Blutbahn, das Bangen, ob alles klappt, dann spornt es sie zu neuen Höchstleistungen an. Und die sind gefragt in der internationalen Artistenszene.

So geht Larissa nach dem Schluss von Aachens „Flic Flac“ nach Frankfurt, „dort trete ich in einer Varieté-Show auf“. Melanie zieht es zurück nach Las Vegas, was ihr wohl niemand in der Welt verübeln wird. Hobbys? Ja, strahlen beide, Reisen, das machen sie für ihr Leben gern, privat und im Beruf – das passt schon alles bestens.

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