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„Frauen helfen Frauen”: Migrantinnen in ihrer Muttersprache beraten

Von: Juliane Kern
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Aachen. Manchmal, wenn Natalie Djurkovic, Sozialarbeiterin beim Aachener Verein „Frauen helfen Frauen”, den Hörer abhebt, hört sie erstmal ein Räuspern. Und dann ein Wort, vielleicht zwei Wörter, mal nur den Nachnamen oder so etwas Ähnliches wie „Frau türkisch”.

Natalie Djurkovic weiß dann, was sie zu tun hat. Sie ruft ihre Kollegin, die Türkisch spricht, und reicht den Hörer weiter. Der erste Schritt ist getan, und vielleicht vereinbart die Frau am anderen Ende der Leitung einen Termin bei der Beratungsstelle für Frauen und Mädchen in der Theaterstraße 25. Vielleicht ist das dann der Anfang vom Ende häuslicher Gewalt.

Dass der Verein, der im September sein 30-jähriges Bestehen feiern wird, Beratungen in inzwischen acht Sprachen anbieten kann, zahlt sich aus. Das hat auch eine Studie gezeigt, die Frauen helfen Frauen zusammen mit der Katholischen Hochschule Aachen erstellt hat. Zwischen Oktober und Januar hat Diplomandin Aynur Özdemir dazu 20 Frauen befragt.

„Die Hemmschwelle, sich beraten zu lassen, sinkt, wenn Frauen in ihrer Muttersprache kommunizieren können”, sagt die Professorin Barbara Krause, Politikwissenschaftlerin mit Schwerpunkt Migration an der Katholischen Hochschule. Sie hat die Studie mit dem Titel „Krisenintervention und sprachgestützte Beratung von Migrantinnen im Rahmen des Gewaltschutzgesetzes” wissenschaftlich begleitet.

Dabei, so die Erfahrung von Özdemir und Krause, funktioniere die Beratung gerade bei Frauen, die noch nicht lange in Deutschland leben, nicht nur auf verbaler, sondern auch auf non-verbaler Ebene. „Es geht um viel mehr als nur Vokabeln”, sagt Krause.

Frauen, die merken, dass ihre Gesprächspartnerin auch die kulturellen Hintergründe kennt, dass sie dieselben Wurzeln hat, öffnen sich leichter. Sie geben ihre Erfahrungen an andere Betroffene ihres Kulturraums weiter, die sich dann im Bedarfsfall vertrauensvoll an den Aachener Verein wenden.

605 Einzelgespräche hat der Verein im vergangenen Jahr geführt, davon etwa die Hälfte mit Migrantinnen. Sie kamen aus rund 30 verschiedenen Herkunftsländern. Mit den acht Sprachen, die Mitarbeiterinnen der Beratungsstelle sprechen, kann „Frauen helfen Frauen” zwar viele Hilfesuchende erreichen, längst jedoch nicht alle.

„Es wäre sehr gut, wenn wir auch noch Beratungen auf Polnisch, Russisch, Arabisch und Französisch anbieten könnten”, sagt Marion Moss vom Vorstand des Vereins. Doch bislang scheitert das am Geld. Vielleicht, so die Hoffnung des Vereins, könnten sich Muttersprachlerinnen ehrenamtlich engagieren und Gespräche übersetzen.

Noch erfolgreicher arbeiten

Dann könnte der Verein noch erfolgreicher arbeiten und Frauen, die sich mit Gorcyzka, Bielski, Droski oder Benthamou am Telefon melden, gleich in ihrer Muttersprache beraten.
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