Franziska-Schervier-Stube sucht dringend ehrenamtliche Helfer

Von: Meike Hahn und Georg Dünnwald
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Horst Küpper ist einer der ehrenamtlichen Helfer, die Schwester M. Veronika in der Schervier-Stube unterstützen. Foto: Ralf Roeger

Aachen. „Man braucht ein gesundes Verhältnis von Nähe und Distanz. Wir wollen eine Anlaufstelle für Hilfesuchende sein und sie mit einem Frühstück und netten Gesprächen versorgen, wir brauchen keine Sozialarbeiter“, sagt Horst Küpper.

Der Ex-Zöllner Küpper ist einer von rund 25 ehrenamtlichen Helfern in der Franziska-Schervier-Stube, dem Obdachlosentreff der Armen-Schwestern vom hl. Franziskus. Jeden Dienstag hilft der 77-Jährige in der Küche der sozialen Einrichtung, die täglich – außer sonntags – von 8.15 bis 11.30 Uhr ihre Pforten in der Kleinmarschierstraße öffnet, aus. Und das seit 13 Jahren!

Aber: „Wir suchen dringend ehrenamtliche Helfer“ appelliert die Leiterin der Franziska-Schervier-Stube, Schwester M. Veronika Stolze. Seit neun Jahren leitet die engagierte Ordensfrau die Franziska-Schervier-Stube, die täglich von 90 bis 100 Menschen, meist Männern, aufgesucht wird. Im Treffpunkt wird den Menschen, die oft am Rande der Gesellschaft leben, ein umfangreiches Frühstück zubereitet, eine Suppe gekocht, auch wird ihnen durch Gespräche ein Zufluchtsort geboten. In der Stube können sie sich für eine kurze Zeit zu Hause fühlen.

„Als ich mich bei den Schwestern im Kloster als neue ehrenamtliche Kraft vorgestellt habe, wurde ich erst mal gefragt, was können sie denn überhaupt?“, erzählt Küpper lachend. „Viele Ehrenamtler sind im Alter von Herrn Küpper, deshalb machen wir uns Sorgen, dass wir irgendwann zu wenig ehrenamtliche Helfer haben, weil kaum junge Menschen nachkommen“, erklärt Schwester M. Veronika.

Die jüngeren Helfer seien meist nur kurze Zeit in der Klosterstube – als Schüler- oder Studentenpraktikanten. Die Erfahrungen, die Schüler und Studenten dabei sammelten, seien durchweg positiv, erzählt die Nonne. Oft bekommt sie schon am zweiten Praktikumstag zu hören, wie „normal“ es im Kloster zugehe. Denn die jungen Leute hätten „Penner“ häufig als aggressiv, betrunken und ständig bettelnd erlebt, oder sie so empfunden.

Ein freiwilliger Helfer müsse bestimmte Eigenschaften mitbringen, da sind sich Küpper und Schwester M. Veronika einig. Sie müssen mit der großen Not der Menschen klar kommen und diese auch wegstecken. „Das fällt vielen ehrenamtlichen Helfern verdammt schwer“, bemerkt die Leiterin der Franziska-Schervier-Stube. Teamfähigkeit und auch Toleranz seien Anforderungen, die in diesem Bereich der sozialen Arbeit unverzichtbar seien. „Man muss auch akzeptieren können, wenn ein Mensch sein Leben und Verhalten nicht ändern kann, gerade das ist die große Herausforderung. Wir wollen auch nicht missionieren. Ob ein Mensch stinkt, weil er ungewaschen ist oder nicht, darf für uns keine Rolle spielen. Das muss man schon aushalten können.“, unterstreicht Horst Küpper.

„Viele Menschen, die in die Schervier-Stube kommen, sind einsam“, erläutert die Ordensfrau. „Sie haben eine Wohnung, sie könnten sich ein Frühstück zubereiten, aber alleine schmeckt es ihnen nicht“. Dies zeige das Beispiel einer 82 Jahre alten Frau, die fast jeden Morgen, egal bei welchem Wetter, schon um 7.30 Uhr vor dem Tor des Klosters sitzt. Denn dort kann sie ihr Herz ausschütten, und über Probleme reden, die sie sonst mit sich alleine ausmachen müsste, erzählt Schwester Veronika. Das ist für viele Besucher ein Grund, morgens aufzustehen und aus dem Haus zu gehen.

„In unserer Stadt gibt es mehr einsame Menschen, als Sie sich vorstellen können“, weiß die Leiterin der Stube. „Darum ist es wichtig, dass unsere Ehrenamtlichen zuhören können, ohne sich aufzudrängen“. Pro Tag werden durchschnittlich vier bis fünf Helfer gebraucht, die entweder an einem festen Tag oder auch an mehreren Tagen in der Woche oder im Monat vorbei kommen können.

Im Moment werden deshalb bis zu fünf Ehrenamtliche gesucht, die sich dieser Arbeit gewachsen fühlen.

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