Fotos erzählen die Schrecken des Krieges

Von: Georg Dünnwald
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Stellte sein Buch „Das Rheinland und der Erste Weltkrieg“ in Aachen vor: der Autor, Kabarettist, Filmemacher und Musiker Achim Konejung.

Aachen. „Ich könnte noch stundenlang weiter erzählen“, sagt der Autor Achim Konejung, während er in der Mayerschen an der Buchkremerstraße sein neues Werk „Das Rheinland und der Erste Weltkrieg“ vorstellte.

„Ja – und zwar höchst interessant“, tönte eine weibliche Stimme aus der zweiten Reihe der Zuhörerschaft. Zuvor hatte Konejung bereits 50 Minuten über das Aufmarschgebiet Rheinland, die Heimatfront und das Rheinland als Besatzungszone gesprochen. Den geneigten Besuchern erschien es eher wie zehn Minuten lang.

Junger Spund

Konejung, der Kabarettist, Filmemacher und Musiker, hat sich eine Menge Arbeit mit seinem Buch gemacht. Es ist ein Bilderbuch mit Text, der wie von leichter Hand geschrieben scheint, aber die Schrecken des Krieges, der den Beginn des Katastrophen-Jahrhunderts markiert, eingehend erzählt. Konejung greift dazu in die Erinnerungskiste und berichtet von seinem Großvater, der als junger Spund, als Gymnasiast und Fast-Abiturient sich freiwillig dem Kaiser und seinem Vaterland zur Verfügung gestellt hat.

Die Quittung für den 18-Jährigen: Das rechte Auge wurde ihm weggeschossen, sein Glasauge entsetzte stets den kleinen Achim, wenn es ihn kalt und unbeweglich anschaute. Der Knirps fragte natürlich, warum der Opa so ein Auge hat. Die Antwort, „das kommt vom Krieg“, hatte ihm zu genügen. Also reifte im 1957 geborenen Achim der Entschluss, sich mit diesem Krieg auseinanderzusetzen.

Das Ergebnis liegt jetzt vor. Anhand von Hunderten von Bildern, offiziellen Fotos von den sogenannten Haus- und Hoffotografen und auch wenigen Schnappschüssen erzählt Konejung vom großen Schlachten im westlichen Stellungskrieg oder der beweglichen Front im Osten.

Konejung wurde fündig bei Verwandten und Bekannten, in Antiquariaten und bei Händlern. Weltweit hat er gesucht, viele Fotos fand er in Frankreich und Belgien, manche in Kroatien, Rumänien und den USA. Mehrere Tausend Bilder sind jetzt in seinem Besitz, besser gesagt, im Archiv der von seinem Vater Horst Konejung gegründeten Konejung-Stiftung Kultur. Der Autor ist jetzt Vorstandsvorsitzender der Stiftung.

Schlieffen-Plan

Im Buch definiert Konejung das Rheinland als Gebiet Rheinpreußen, die preußische Rheinprovinz die sich über die fünf Regierungsbezirke Düsseldorf, Aachen, Köln, Trier und Koblenz erstreckte und im Südosten die Stadt Bad Kreuznach umfasste, im tiefen Süden gehörte sogar Saarlouis zur Rheinprovinz.

„Schon früh, um die Jahrhundertwende, wurde im Rheinland der Krieg vorbereitet, immer mehr Heeresgarnisonen wurden auf die linke Rheinseite verlegt, nach Krefeld, nach Rheydt, nach Aachen, nach Elsenborn, nach Köln und Bonn“, erzählt Konejung.

Die Verlegungen gingen einher mit dem Schlieffen-Plan, der einen Angriff auf den „Erbfeind“ Frankreich per Einmarsch durch das neutrale Belgien vorsah. 1891 hatte ihn der Chef des Generalstabs, Alfred Graf von Schlieffen, entwickelt.

„Auf die linke Rheinseite wurden die Heeresabschnitte verlegt, weil zu wenig Eisenbahnlinien für den Truppentransport zur Verfügung standen“, sagt Konejung.

Die Konsequenz: Der Staat investierte, Bahnlinien wurden en masse gebaut, vor allem im Westen. „Teilweise waren 200.000 Wanderarbeiter aus Italien beim Bahnbau beschäftigt. Das Thema Gastarbeiter war also auch schon vor dem Ersten Weltkrieg bekannt“, weiß Konejung.

Sein Hauptaugenmerk habe er in seinem Buch auf die Bilder gelegt habe. „Ich erzähle aus ihrer Sicht.“ Während die offiziellen Fotos seinerzeit unter propagandistischen Aspekten ausgesucht wurden und deshalb nahezu nur jubelnde Massen darstellen, zeigen andere Aufnahmen – meist gemacht von Fotografen mit einem Labor „um die Ecke“ – oft auch die Skepsis, vor allem die der Frauen.

Teilweise martialisch stellen sich Soldaten dem Fotografen, respektvoll wird Kronprinz Friedrich Wilhelm beim Besuch in Köln gezeigt. Eine Parade in Hillesheim/Eifel mit Mitgliedern des Kriegervereins und den Honoratioren im Gehrock mit Zylinder auf dem Kopf, die zu klingender Marschmusik durchs Städtchen marschieren, lässt viel von der damaligen Zeit erahnen.

Bilder von Schlachtenpausen, Lazaretten, Kriegsgefangenenlagern, und aus der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg, als eine 50 Kilometer breite Zone linksrheinisch entmilitarisiert und von britischen, kanadischen, belgischen und vor allem französischen Truppen besetzt war, machen die erste Menschen-Katastrophe und das erste Massensterben auf dem Kontinent des 20. Jahrhunderts deutlich.

 

Achim Konejung: Das Rheinland und der Erste Weltkrieg – Regionalia-Verlag (ISBN 978-3-939722-90-8. Preis 19,95 Euro.

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