Fotografin begleitet Abriss des Landesbehördenhauses

Von: Daniel Gerhards
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Gehört zusammen, auch wenn es nicht so aussieht: Model Simone wird von Anette Berns in Bezug zum Abriss des ehemaligen Landesbehördenhauses an der Franzstraße. Foto: Heike Lachmann

Aachen. Paarweise hängen die Bilder an der tiefweißen Wand. Je eine Frau und ein zerstörtes Gebäude sind zu sehen. Was nicht gleich zu sehen ist: Es handelt sich immer um die gleiche Frau und um das gleiche Gebäude.

In ihrer Ausstellung „Risse” setzt die Aachener Fotografin Anette Berns Bilder vom Abriss des Landesbehördenhauses an der Franzstraße in Bezug zu Fotografien des Models Simone El Mellouki Riffi. Diese Kombination wirkt zunächst, als bestehe kein Zusammenhang. Wer nicht genau hinsieht, könnte denken, die Bilder sind willkürlich nebeneinander gehängt. Doch bei genauerem Hinsehen erkennt man die Zusammenhänge.

Berns hat hunderte Bilder nebeneinander gelegt und Parallelen gefunden. Der „Abrissgreifer” verläuft wie eine gerade Linie durch das rechte untere Eck eines Bildes. Bei dem Pendant ist der Unterarm des Models „Simone” auf der gleichen Linie zu sehen. Ihre schwarze Netzbekleidung gleicht den herausstehenden Stahlstreben, die eigentlich dem Beton Halt geben sollten.

Berns begleitete Abriss des Landesbehördenhauses über viele Monate. Dabei entstanden „unzählbare” Fotos als „künstlerische Dokumentation des Abrisses”. Berns war - ausgerüstet mit Kamera und Bauhelm - hautnah dabei, als die Mauern fielen. „Von dem Abriss geht eine Faszination aus”, so das Fazit der 54-Jährigen, das sie zunächst selbst überraschte. „In der Zerstörung liegt auch eine Schönheit. Dieser Ästhetik kann man sich kaum entziehen.” Woher diese Anziehungskraft kommt, weiß sie selber nicht. „Eigentlich ist es ja etwas Schlimmes, wenn Dinge kaputt gemacht werden.”

Neben jedem Bild des Abrisses hängt nun ein Bild von „Simone”. Berns, Simone El Mellouki Riffi und die Maskenbildnerin Kathrin Pavlas arbeiten seit 2006 zusammen. Gemeinsam hielten sie die Wandlungsfähigkeit des Models fest. Mal ist „Simone” Geisha, mal Punk, mal Dandy. „Mal ist sie hässlich, mal die Schönheit pur”, sagt die Berns.

Die Ausstellung ist im „Forum M” der Mayerschen Buchhandlung zusehen. Die Installation in diesem Raum ist für die Fotografin sehr wichtig. Sie baute die Ausstellungsräume maßstabsgetreu nach und orientierte sich mit ihren Werken daran. „Jetzt passt es zum Raum. Man kann nicht einfach bloß ein Bild an die Wand hängen”, erklärt Berns.
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