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Flugblatt sorgt in Burtscheid für Irritationen

Von: Gerald Eimer
Letzte Aktualisierung:
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Die Baustelle Adenauer Allee: Wann die Flüchtlingsunterkünfte auf dem Sportplatz fertig sind und bezogen werden können, steht noch nicht endgültig fest. Foto: Harald Krömer

Aachen. Ein Flugblatt an die „lieben Nachbarn“ sorgt seit Mittwoch in Burtscheid für Irritationen. Eine dortige Bürgerinitiative ruft darin zu einer Informationsveranstaltung am kommenden Sonntag über die „Flüchtlingssituation in unserem Stadtteil Burtscheid“ auf.

Wer für die Einladung verantwortlich ist, wird in dem Schreiben nicht genannt. Bei den „Nachrichten“ hatte dies am Donnerstag besorgte Anfragen zur Folge, ob womöglich Rechte dahinter stecken könnten, die Stimmung gegen Flüchtlinge machen.

Das weist Stefan Lindner, einer der Verfasser des Schreibens und der Organisatoren der geplanten Veranstaltung, jedoch weit von sich. Er erklärte auf Nachfrage, dass die Bürgerinitiative lediglich „objektiv“ über neue Belegzahlen in den Unterkünften informieren wolle, die in diesem Frühjahr auf dem Sportplatz an der Adenauerallee und auf dem Gelände der Löwensteinkaserne bezogen werden sollen.

Die Bürgerinitiative, in der ein fester Kern von etwa 40 Menschen aktiv sei, spricht von rund 750 Menschen, die bald nach Burtscheid-Süd kommen sollen. Dadurch werde das Wohnviertel durch diese Unterkünfte „unverhältnismäßig“ hoch belastet. Es dürfe nicht sein, „dass unser Wohngebiet die Hauptlast der Flüchtlingsnot in Aachen trägt“, heißt es in dem Flugblatt.

„Es geht uns um eine gerechte Verteilung innerhalb des Stadtgebiets“, sagt Lindner, der unter anderem freie Flächen im Preuswald, in Eilendorf oder Brand ins Gespräch bringt. Zugleich kritisiert die Initiative die geplante Unterbringung in Containern und Behelfsbauten. Man solle die Menschen in festen Bauten unterbringen, sagen sie. Zudem müsse man ihnen gute Integrationsangebote bieten.

Viele Menschen seien in Burtscheid zur Mithilfe bereit, erklärt etwa Christiane Rütgers, ebenfalls in der Bürgerinitiative aktiv. Doch wenn so viele Flüchtlinge kämen, sei das Viertel überfordert. Sie schätzt die Bevölkerungszahl im Umfeld auf bislang etwa 1500 Menschen, darunter viele Ältere. „Viele wissen nicht, was auf sie zukommt. Sie haben Angst.“

„An Fakten halten“

Diese Angst und Verunsicherung hat auch Heinrich Emonts, Leiter des städtischen Sozialamts, wahrgenommen. Bis Donnerstag wusste er allerdings noch nichts von der geplanten Veranstaltung der Burtscheider Bürgerinitiative. „Das überrascht mich, denn wir hatten eigentlich vereinbart, in Kontakt zu bleiben.“

Schon einmal hatte Emonts der Bürgerinitiative und den Burtscheidern Rede und Antwort gestanden. Auseinandersetzungen scheut er in der Flüchtlingsfrage nicht. Im Gegenteil: Auf zahlreichen Veranstaltungen hat er in den letzten Wochen und Monaten die Situation in der Stadt erklärt, kühlen Kopf bewahrt und zur Versachlichung der Diskussion beigetragen.

Er könnte dies vermutlich auch an diesem Sonntag tun. Denn die Zahlen, die die Bürgerinitiative jetzt nennt, stimmen seinen Angaben zufolge nicht: So sollen in der Kaserne maximal 400 Menschen untergebracht werden, auf dem Sportplatz sollen es maximal 150 sein. „Man kann sich natürlich alles so rechnen, dass es möglichst schlimm erscheint“, sagt er, „aber vielleicht sollte man sich mal an die Fakten halten.“

Es sei wichtig aufzuklären, betont Emonts. Ob er dies auch am Sonntag tun wird, kann er nicht sagen. „Ich bin ja vielleicht gar nicht erwünscht.“ Die Stadt werde aber – wie an allen anderen bisherigen Standorten für Flüchtlingsunterkünfte – auch in Burtscheid noch eine Info-Veranstaltung anbieten.

Von den Plänen in Burtscheid werde sich die Stadt jedoch nicht mehr abbringen lassen, betont Emonts. „Wir brauchen die Kapazitäten dringend, um den Bedarf zu decken.“ Auch sollen die vielen belegten Turnhallen möglichst schnell wieder frei werden. Schon ab Mitte März sollen die ersten Modularbauten auf dem Kasernengelände bezogen werden. Ähnlich sieht der Zeitplan für die Container an der Adenauerallee aus, für die derzeit die Tiefbauarbeiten im Gange sind. Unabhängig davon werde aber an vielen Stellen der Stadt nach weiteren Unterbringungsmöglichkeiten für Flüchtlinge gesucht. Die Behauptung, dass ein einzelner Stadtteil übermäßig belastet werde, sei falsch.

Als Gradmesser für die Stimmung im Viertel wird die Veranstaltung gleichwohl taugen. „Wir wissen selber noch nicht, wie die Resonanz sein wird“, meint Christiane Rütgers. Rechts aber sei im Viertel niemand. „Das ist hier alles gutbürgerlich, hier gibt es keine AfD.“

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