Aachen - Flüchtlingsunterkunft: „Suboptimale Lösung“ für 40 Menschen

Flüchtlingsunterkunft: „Suboptimale Lösung“ für 40 Menschen

Von: Werner Breuer
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Die Stellwände fehlen noch: Für ein Minimum an Privatsphäre soll auch in der Turnhalle an der Barbarastraße gesorgt sein. Die Verwaltung bemüht sich um andere Unterkünfte für Flüchtlinge und hofft, ohne diese Notlösung auszukommen. Foto: Ralf Roeger

Aachen. 40 Betten in Reih und Glied in der Turnhalle, ein paar einfache Tische und Stühle in einem Nebenraum, in den nur spärlich etwas Licht durch kleine Fenster dicht unter der Decke fällt – so sieht die „suboptimale Lösung“ aus.

Heinrich Emonts, der Leiter des städtischen Fachbereichs Soziales nennt das so, weil er sich die Unterbringung von Flüchtlingen in Aachen anders gewünscht hat. Weil deren Zahl aber alle Erwartungen überstiegen hat, „kann man das nicht mehr stemmen ohne suboptimale Lösungen“, sagt Emonts.

Bis August war die Welt für ihn zwar auch nicht wirklich in Ordnung, aber doch etwas kalkulierbarer. Da gingen die Prognosen von 40 „neuen Fällen“ pro Quartal aus. Inzwischen rechnet Emonts damit, dass in diesem Zeitraum 300 Flüchtlinge untergebracht werden müssen. Das übersteigt dann die Grenzen dessen, was die Stadt an Unterkünften bereithalten kann.

„Aber wir bemühen uns ständig um neuen Wohnraum“, sagt Emonts. Aktuell hat er wieder 35 Wohnungen, größtenteils aus dem Bestand der Gewoge, im Blick. „Die Schlüssel haben wir schon.“ Derzeit werde geguckt, wie die Räume hergerichtet werden können. Emonts rechnet damit, dass in dieser oder in der nächsten Woche die ersten Wohnungen aus diesem Kontingent belegt werden können.

Ganzes Hotel kaufen?

Daneben gibt es in der Verwaltung Überlegungen, leerstehende Schulgebäude für die Unterbringung von Flüchtlingen herzurichten. Auch auf die verwaiste ehemalige Niederlassung die Landesbetriebs Straßen NRW an der Ecke Karl-Marx-Allee / Adenauerallee haben Emonts & Co. ein Auge geworfen. Die Immobilie gehört dem Land, mit dessen Vertretern die Verwaltung im Gespräch ist.

Und nicht zuletzt hat die Stadt Hotelzimmer im Visier – und zwar nicht nur für kurzfristige Buchungen. Das habe die Verwaltung ohnehin im Auge, erklärt Heinrich Emonts. Bevor ein Flüchtling in der Turnhalle an der Barbarastraße untergebracht werde, würde zunächst noch nach freien Hotelzimmern gesucht. Darüber hinaus gibt es bei der Stadt Überlegungen, selbst ein ganzes Hotel zu mieten oder gar zu kaufen. „Das wird noch geprüft“, sagt Emonts.

Kurzfristig lässt sich das alles jedoch nicht umsetzen, obwohl der Fachbereichsleiter darauf verweist, dass die Zahl der geschaffenen Plätze quasi täglich steigt. Immer weiter werde verfügbarer Wohnraum hergerichtet, erklärt Emonts, „und wenn morgen wieder etwas fertig wird, habe ich wieder mehr Platz“. Momentan könnte er etwa 25 Flüchtlinge unterbringen, ohne auf die Turnhalle zurückgreifen zu müssen.

Am Mittwoch erfährt der Fachbereich Soziales, wie viele Menschen der Stadt nach dem sogenannten Königsteiner Schlüssel zugewiesen werden. Zwei Tage später müsste dann dafür gesorgt sein, dass sie versorgt werden und ein Dach über dem Kopf haben. In der vergangenen Woche gab es keine Zuweisung, weshalb die Halle an der Barbarastraße als Notlösung noch nicht gebraucht wurde. Jetzt geht Emonts davon aus, dass 40 bis 50 Flüchtlinge nach Aachen geschickt werden könnten.

Vielleicht sind es weniger, vielleicht werden weitere Unterkünfte bis dahin fertig und „belegbar“ und vielleicht geht es noch eine Weile auch ohne Turnhalle. Vielleicht müssen aber zum Ende der Woche doch die ersten Flüchtlinge an der Barbarastraße untergebracht werden.

Ansprechpartner rund um die Uhr

Wirklich einladend sieht es dort noch nicht aus. „Hier kommen noch Stellwände hin“, sagt Heinrich Emonts, „für ein Minimum an Privatsphäre.“ Für die Neuankömmlinge, die naturgemäß mit wenig Gepäck auf der Flucht sind, liegen „Hausratspakete“ bereit. Sie enthalten etwa Bettwäsche, Besteck oder Handtücher, das Nötigste halt. Eine Küche gibt es in der Turnhalle nicht. „Die Menschen werden von uns versorgt“, erklärt Emonts, „mit Frühstück, Mittagessen und Abendessen.“ Außerdem gibt es noch Hilfe zum Lebensunterhalt und eine Betreuung seitens der Verwaltung. „Hier sind Tag und Nacht Ansprechpartner vor Ort“, sagt Emonts, die Stadt habe eigens vier Mitarbeiter dafür eingestellt.

Das alles kostet natürlich Geld, von der Matratze über Umbaumaßnahmen und Ausstattung bis hin zu Mieten und Personalkosten. Fachbereichsleiter Emonts veranschlagt einen Betrag von etwa 10.000 Euro pro Flüchtling und Jahr. Rund ein Fünftel davon bekommt die Stadt vom Land erstattet. Für den Rest muss Emonts nach eigenem Bekunden nicht bei Kämmerin Annekathrin Grehling betteln. Es herrsche Einvernehmen darüber, dass die Flüchtlinge willkommen seien und für sie gesorgt sein müsse. „Ich bekomme alle Mittel, die ich brauche“, sagt Heinrich Emonts. Aber Wohnraum kann auch die Kämmerin nicht einfach bereitstellen. Da muss Emonts sehen, was der Markt hergibt. Er hat jedenfalls nicht im Sinn, künftig „eine Turnhalle nach der anderen“ mit Flüchtlingen zu belegen.

Dass die Wahl zunächst auf die Halle an der Barbarastraße gefallen ist, halten Kritiker für bezeichnend. Die Stadt gehe da den Weg des geringsten Widerstands, meinen manche, in anderen Quartieren fürchte man größeren Protest. Fachbereichsleiter Emonts weist das zurück. Es gehe nicht im den geringsten Widerstand, sondern um eine geringe Auslastung durch den Schulsport. Andere Kriterien seien etwa die Einkaufsmöglichkeiten in der Nähe oder auch die Busverbindungen in die Innenstadt.

Die Halle sei durchaus gut ausgelastet, berichtet dagegen die Leiterin der Kita Hüttenstraße. Auch ihre Einrichtung nutzte sie bislang für das Turnen. Das angebotene Ausweichquartier in der Eintrachtstraße komme jedoch für Kita-Kinder nicht in Betracht, und andere Hallen in der Umgebung seien durch Schulen und OGS-Angebote bereits belegt.

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