Flucht aus dem Iran: Erfahrungen in Buch niedergeschrieben

Von: Martina Stöhr
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Sie lasen in der Citykirche aus ihrem Buch „Unerwünscht“: Masoud (links) und Mojtaba Sadinam. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Unerwünscht fühlten sich drei Brüder aus dem Iran in Deutschland, und „Unerwünscht“ lautet der Titel ihres Buches, das jetzt zwei der Brüder in der Citykirche einem überwiegend jungen Publikum vorstellten.

Mojtaba, Masoud und Milad Sadinam flüchteten 1996 mit ihrer Mutter aus dem Iran nach Deutschland. Die Mutter war als Frauenrechtlerin und Gegnerin der Parlamentswahlen von 1996 im Iran in Ungnade gefallen und tauchte mit ihren Kindern unter.

Ein Schlepper brachte sie außer Landes, und in Deutschland hofft die Mutter, ein neues Leben beginnen zu können. „Doch so einfach war das nicht“, erzählen die damals elfjährigen Mojtaba und Masoud Sadinam. Detailgetreu beschreiben sie in ihrem Buch die ersten Tage im trostlosen Auffanglager in Münster. Doch fünf Jahre später sieht die Lage schon anders aus. Die Brüder besuchen entgegen der Empfehlungen der Lehrer und trotz aller Widrigkeiten das Gymnasium und bereiten sich auf den ersten Auftritt mit der eigenen Band vor. Sie scheinen integriert, aber der Anschein trügt.

Über ihren Asylantrag ist noch immer nicht entschieden. Und so hat die Familie noch einige turbulente Zeiten mit der Angst vor Abschiebung und Wohnungsstürmung durch die Polizei zu überstehen. Erst eine Gesetzesänderung im Jahre 2005 verschafft der Familie die Aufenthaltsgenehmigung. Neun Jahre hat das Asylverfahren da gedauert.

Die Fragen aus dem Publikum kommen in der Citykirche eher verhalten. „Jedes Publikum reagiert auch anders“, meint Masoud. „Manchmal konzentrierten sich die Fragen auf unsere persönlichen Erfahrungen, manchmal umkreisen sie aber auch die politische Ebene.“ Die hervorzuheben, ist den Brüdern besonders wichtig. Sie wollen das Thema Asylrecht öffentlich und zum Politikum machen. „Flüchtlinge sind unerwünscht in Deutschland“, sagen sie und vermissen eine „Willkommenskultur“.

Nationalitäten spielen ihrer Meinung nach nicht die Rolle, die ihnen beigemessen wird. „Ich lebe dort, wo mein Gefühl mir sagt, das es gut ist“, meint Masoud. Heimat sei vor allem ein Gefühl der Sicherheit. Und eingebettet zu sein in ein Umfeld, das Unterstützung gewährt. Und das haben die Brüder in Deutschland durchaus gefunden. „Insofern ist das Buch versöhnlicher als der Titel vermuten lässt“, meinen sie. Doch das Asylrecht ist problematisch und birgt jede Menge Ungerechtigkeiten, wie Mojtaba ausführt. Angefangen bei der Residenzpflicht, das die Asylbewerber an ein Bundesland bindet, bis hin zur mangelnden Informationen und Aufklärung über das Verfahren.

„Offenheit ist wichtig“, hatte Dieter Spoo, Pastoralreferent der Citykirche, zur Begrüßung gesagt. „Gerade mit dem Blick auf das Grundgesetz müssen wir uns diesen Fragen stellen“, fügte er hinzu. Organisiert hatte die Lesung Amnesty International zum Tag der Menschenrechte. Eine Mahnwache unterstrich dessen Bedeutung. Für die Brüder aus dem Iran ist die Geschichte gut ausgegangen. Mojtaba und Masoud Sadinam studieren heute in Frankfurt.

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