„Flame for Peace“: Der Muskelkater hat sich am Ende gelohnt

Von: Martina Feldhaus
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Empfang mit Alphörnern: In Isny im Allgäu spielen Einwohner den Läufern ein Ständchen. Alle fassen sich als Zeichen des Friedens an den Händen.

Aachen. Der Lauf hat sie verändert. Das mag pathetisch klingen. Aber es ist wahr. Eine Woche lang sind sie gelaufen. Jeder von ihnen: zwischen 70 und 100 Kilometern, je nach Kondition. Alle zusammen: 383 Kilometer vom österreichischen Bischofshofen bis nach Isny im Allgäu.

15 Schülerinnen und Schüler sowie zwei Lehrer der Mies-von-der-Rohe-Schule haben sich an der Aktion „Flame for Peace“ beteiligt. Also dem großen und wohl ziemlich einmaligen Friedens-Fackellauf von Sarajevo bis nach Aachen, der am 27. Juli in Bosnien und Herzegowina startete und am 21. September, am internationalen UNO-Friedenstag, in Aachen endet.

Intensiv und prägend

Jetzt, rund eine Woche nach ihrer Rückkehr sitzen sechs von ihnen und ihre beiden Lehrer Eckhardt Debour und Niels Kaletsch wieder in ihrer Schule beisammen und lassen ihre sechs „Flame for Peace“-Etappen Revue passieren. Und sie sind sich einig: Es war zwar nur eine Woche, aber die war intensiv und prägend. „Der Lauf hat den Sinn für Gemeinschaft verändert, geschärft“, sagt etwa Philipp Achten (18). Er und die anderen sind sich in der Woche so nahe gekommen, wie es bei keiner Schulfahrt möglich sei. Das lag allein schon am täglichen Miteinander. An ihren Stationen, etwa in Salzburg, Bad Tölz und Murnau, übernachteten die Schüler zusammen mit vielen anderen Friedensläufern in Turnhallen. Für Privatsphäre war da wenig Platz.

Jeden Tag gemeinsam aufstehen, seine Kilometer laufen – selbstverständlich in der Gruppe – und andere Strecken im Gemeinschaftsbus zurücklegen. Das schweißt zusammen, zwangsläufig. Aber es kann auch trennen. „Wir sind ja für den Frieden gelaufen. Das war der Hintergrund“, sagt die 17-jährige Theresa Mohr. „Aber in der Woche hat man gemerkt, dass es gar nicht immer so leicht ist, friedlich miteinander umzugehen, wenn man sich auf die Nerven geht.“ Frieden im Kleinen halten, damit fängt es an, haben die Schüler auf ihrer Reise festgestellt.

Offen sein, tolerant, auf andere Menschen zugehen: Wie das geht und was das bewirken kann, das haben sie in Österreich und im Allgäu getestet – an den Menschen vor Ort. Denn jeden Tag sind sie in eine andere Stadt eingelaufen, wurden dort vom Bürgermeister empfangen, haben eine kleine Ankunftszeremonie abgehalten, den „Flame for Peace“-Song gesungen – die von der Aachener Band Neogene umgedichtete Europa-Hymne – und erklärt, warum sie jeden Tag laufen.

„Die Aktion will symbolisch ein Zeichen für den Frieden setzen. Das ist eine super Idee“, findet der 18-jährige Jakob von Eßen. „Und Frieden ist eben Arbeit, genau wie der Lauf und das Tragen der Fackel.“ In der Tat sei der Job des Fackelträgers nicht unbedingt der beliebteste gewesen, geben die acht lachend zu. „Die war schwer, heiß und rußig“, sagt Patrick Achtelik (18). Gern habe man sie weitergegeben. Aber: Beim Einlauf in die Etappenziele sei die Fackel das sichtbare Zeichen gewesen, dass hier eine ganz besondere Aktion vonstatten geht.

Andere Blickwinkel erfahren

Und das wissen auch die Läufer. Sie haben viele Menschen getroffen, Gastfreundlichkeit erlebt, sich über das Thema Frieden ausgetauscht, andere Blickwinkel erfahren. Da hat sich jeder Muskelkater gelohnt, finden sie – in friedlicher Übereinstimmung.

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