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Firmen warten schon auf Praktikanten

Von: Martina Stöhr
Letzte Aktualisierung:
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Aus Aachen nach Europa: Sabrina Schumacher (Mitte) wird derzeit als Mentorin für„Eguidya” ausgebildet. Sie soll später junge Gäste aus fremden Ländern betreuen. Claudia Franken und VHS-Bildungsberater arbeiten an der Umsetzung des Pilotprojekts. Foto: Harald Krömer

Aachen. Auslandsaufenthalte sind für junge Leute eine wertvolle Erfahrung. Das ist nicht neu. Doch bislang bekamen vorrangig Gymnasiasten die Chance, ihren Horizont in fremden Ländern zu erweitern. Hauptschüler dagegen, oder Schüler die ihren Schulabschluss erst über Umwege erreichen, blieben dabei außen vor. Das soll sich jetzt ändern.

Die Volkshochschule (VHS) Aachen stellt derzeit unter dem Namen Eguidya ein ehrgeiziges Projekt auf die Beine, das vor allem benachteiligten Schülern aus schwierigen Verhältnissen die Chance geben will, sich in Europa umzusehen.

15 Schulen aus neun Ländern stehen inzwischen als Kooperationspartner bereit. Ebenso wie die VHS sind es Schulen, die jungen Leuten, die bislang keinen Schulabschluss erreichen konnten, eine zweite Chance geben. „Wir hatten keine Schwierigkeiten, Interessenten für unser Projekt zu finden”, freut sich Claudia Franken, die die Initiative ins Leben gerufen hat. Gemeinsam mit Karl Thönnissen, Bildungsberater bei der VHS, setzt sie alles daran, die viel versprechende Idee möglichst professionell in die Tat umzusetzen.

Bevor das Pilotprojekt offiziell starten kann, wird in einem Kriterienkatalog festgelegt, welches Praktikum für wen geeignet ist. Die Schüler nämlich sollen sich während ihres zweiwöchigen Auslandsaufenthalts in Firmen anderer Länder umschauen. Aber nicht jeder Schüler ist geeignet, um sich auf ein solches Abenteuer einzulassen. Deshalb muss sorgsam geprüft werden, welche Anforderungen ein Schüler erfüllen muss, um sich auch im Ausland zurechtzufinden. „Nicht jeder Schüler wäre in einer so fremden Umgebung glücklich”, so Claudia Franken.

Derzeit werden junge Mentoren ausgebildet, die die Gäste aus fremden Ländern unterstützen und betreuen sollen. Die 23-jährige Sabrina Schumacher ist eine von ihnen. Sie bringe alle Voraussetzungen mit, um diese verantwortungsvolle Aufgabe zu erfüllen, ist Karl Thönnissen überzeugt. Und da Sabrina daran denkt, später vielleicht einmal einen Beruf im Management zu ergreifen, sind diese Erfahrungen als Mentorin zweifellos eine Bereicherung für sie.

Die Schüler, die bei der VHS ihren Hauptschulabschluss oder die Fachoberschulreife nachholen, haben ganz besondere Qualitäten, meint Claudia Franken. Viele von ihnen leben in schwierigen familiären Verhältnissen und sind schon früh auf sich allein gestellt.

„Sie sind daran gewöhnt, Verantwortung zu übernehmen und die Dinge anzupacken, ohne lange zu diskutieren”, sagt Franken. Und da sie oft weniger an Familie und Umgebung gebunden seien, falle es ihnen leichter, sich alleine durchzuschlagen. Es ist Ziel des Projekts, möglichst jene herauszufischen, für die das in besonderem Maße gilt. Denn die haben gute Voraussetzungen, sich auch im Ausland zurechtzufinden.

„Zweite-Chance-Schulen”

Ebenso wie in Aachen scheint es auch in allen anderen europäischen Ländern ein großes Interesse daran zu geben, Schülern der so genannten „Zweite-Chance-Schulen” auch die Chance zu geben, Erfahrungen im Ausland zu sammeln. Ganz gezielt haben Claudia Franken und Karl Thönnissen Schulen von Finnland bis Südspanien angeschrieben und antelefoniert, um Kooperationspartner zu finden. Die Resonanz sei überwältigend gewesen, meinen sie. Ebenso leicht sei es gewesen, interessierte Firmen zu finden, die Praktikanten aus anderen Ländern aufnehmen wollen.

Obwohl das Projekt offiziell erst im Herbst starten soll, liegt in Aachen bereits eine Anfrage aus dem spanischen Cadiz vor. Die Spanier können es kaum abwarten und wollen schon jetzt die ersten Schüler nach Aachen schicken. Ebenso ungeduldig zeigt sich die ein oder andere Aachener Firma: auch hier kann es den Verantwortlichen nicht schnell genug gehen. Voller Ungeduld warten sie auf die ersten Praktikanten aus dem Ausland. Und den werden die erworbenen internationalen Kompetenzen sicherlich in Zukunft nützlich sein.

Prädikat: Bestes Projekt in Deutschland

Die Initiative für das Projekt „Eguidya” ging von der VHS Aachen aus. Mit ihrem Konzept konnten die Organisatoren auch den Europäischen Sozialfonds überzeugen. Die EU bezahlt die Reisekosten der Schüler und deren Aufenthalt. Die Personalkosten aber muss die VHS alleine stemmen. Ohne das Engagement der Lehrer, die auch über ihren Arbeitstag hinaus an dem Projekt arbeiten, wäre das wohl kaum machbar, meint Monika Breuer, Leiterin des Fachbereichs Schulabschlüsse. Doch die Mühe lohnt sich ganz gewiss, so die Organisatoren.

Das Projekt zieht inzwischen Kreise und findet immer mehr Interesse gerade auch bei den Firmen. Die nationale Agentur „Bildung in Europa” hat „Eguidya” als bestes Projekt in Deutschland bewertet. Und auch auf europäischer Ebene liegt es ganz vorn.
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