Aachen/Alsdorf /Übach-Palenberg - „Fire Games“: 540 Stufen mit 16 Kilogramm Ballast

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„Fire Games“: 540 Stufen mit 16 Kilogramm Ballast

Von: Daniel Gerhards
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Jede Stufe kann zur Qual werden: Andreas Kreuwen, Rene Serf und Markus Busch trainieren für die World Police and Fire Games in Belfast. Foto: Daniel Gerhards
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Jede Stufe kann zur Qual werden: Andreas Kreuwen, Rene Serf und Markus Busch trainieren für die World Police and Fire Games in Belfast.

Aachen/Alsdorf /Übach-Palenberg. Der Anstieg sieht ganz schön bedrohlich aus: 540 Stufen, richtig steil in die Höhe. Da will man eigentlich jedes überflüssige Gramm loswerden, bevor es nach oben geht. Nicht so Rene Serf aus Übach Palenberg. Bevor er den Berg an der Ski-Halle in Landgraaf über die Treppe erklimmt, zieht er sich noch seine dicke Feuerschutzkleidung an und schnallt sich ein 13 Kilogramm schweres Pressluftatemgerät auf den Rücken.

Denn Serf, Andreas Kreuwen und Markus Busch sind mitten im Training für die World Police and Fire Games – die olympischen Spiele für Feuerwehrleute und Polizisten. Die Wettkämpfe finden Anfang August in Belfast statt.

In Nordirland wollen sie sich beim „Stair-Race“ – dem Wettlauf über die Treppe des 85 Meter hohen Obel Towers – mit den sportlichsten Rettungskräften der Welt messen. Dabei müssen sie 25 Stockwerke á 15 Stufen hochrennen. In voller Montur versteht sich. 16 Kilogramm wiegen Pressluftflasche, Jacke, Hose, Helm und Stiefel. Das Ganze wollen die fitten Feuerwehrleute in vier Minuten schaffen. „Ich will schon im ersten Drittel landen“, sagt Serf, der bei der Berufsfeuerwehr in Aachen arbeitet. Also, bei rund 150 Teilnehmern sollte für ihn ein Platz unter den ersten 30 drin sein.

Um dieses Ziel zu erreichen trainieren Serf, Kreuwen und Busch nun regelmäßig. Viel Ausdauer und Krafttraining ist angesagt. Die Berufsfeuerwehrleute müssen zwar während ihres 24-Stundendienstes immer Sport machen, aber dabei gehen sie nicht bis an die Leistungsgrenze. „Mit dem Ausdauertraining sollte man sich im Dienst nicht zu sehr verausgaben“, sagt Kreuwen, Berufsfeuerwehrmann der hauptamtlichen Wache in Alsdorf. Also halten sich Serf, Kreuwen, Busch in ihrer Freizeit fit. Und auch für die Teilnahme an den Wettkämpfen gebe es keinen Sonderurlaub, sagt Serf. An der Treppe in Landgraaf treffen sie sich etwa zweimal pro Monat, dazu trainiert jeder für sich. 150 Stunden Training in vier Monaten – und das alles für ein Vier-Minuten-Rennen über die Treppe. Das sei fast so wie bei Sprint-Star Usain Bolt: „Der trainiert auch monatelang für ein Zehn-Sekunden-Rennen“, sagt Serf.

Die World Police and Fire Games finden all zwei Jahre statt. 2011 flogen Serf und Co. zu den Titelkämpfen nach New York. Die Wehrleute waren qualifiziert und bestens trainiert. Aber aus dem Rennen wurde nichts: „Wir konnten leider nicht an den Start gehen. Hurrikane Irene war gerade über New York gefegt, deshalb hat der Bürgermeister zwei Wettkampftage abgesagt“, sagt Serf. Dass sie ihr Können damals nicht zeigen konnten, motiviert sie besonders noch einen drauf zu legen. „Wir wollten schon in New York zeigen, was wir drauf haben. Wir waren schon damals bis in die Haarspitzen motiviert. Dass wir nicht starten konnten, spornt uns noch mal besonders an“, sagt Serf.

11. September 2001 motiviert

Mittlerweile sind Serf, Kreuwen und Busch die Treppe bereits einmal hochgelaufen. Unter der Jacke schwitzen sie dabei ganz schön. Nicht nur Gewicht und Wärme machen den Anstieg zur sportlichen Höchstleistung: Die Hose scheuert, die Stiefel sind klobig, und der Helm wackelt – aber egal, da muss man durch.

Im Einsatz kann man sich auch nicht darum kümmern: „Von Feuerwehrleuten muss man verlangen können, dass sie 20 Stockwerke zu Fuß hochkommen und dann ihre Arbeit machen“, sagt Serf. Beeindruckt habe ihn die New Yorker Feuerwehr nach den Anschlägen vom 11. September 2001. „Da haben die Aufzüge nicht funktioniert, sie mussten teilweise 60 oder 70 Stockwerke hoch, um Menschen zu retten.“ Um Leben und Tod geht es in Belfast zwar nicht, doch Serf, Kreuwen und Busch sind genauso motiviert wie in einem ernsten Einsatz.

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