Aachen - Feuerwehr verdoppelt die Ausbildungszahlen

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Feuerwehr verdoppelt die Ausbildungszahlen

Von: Gerald Eimer
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Der künftige Personalbedarf bei der Aachener Berufsfeuerwehr ist wohl doch deutlich größer als bisher offiziell von der Verwaltungsspitze verlautbart. Dies gestand Personaldezernent Lothar Barth jetzt im Fachausschuss ein, in dem es einmal mehr um die Umsetzung der 48-Stunden-Woche für Feuerwehrleute ging.

Die bisher errechneten 36 zusätzlichen Stellen zu den vorhandenen 314 scheinen demnach noch nicht das Ende der Fahnenstange zu sein.

Denn insbesondere die hohe Zahl der Überstunden – nach Berechnungen der Gewerkschaft Verdi sind das bei der Aachener Feuerwehr aktuell 32.000 jährlich – sind noch gar nicht berücksichtigt worden. Und auch Ausfälle durch Schulungen oder Elternzeit sind bisher nicht in die Berechnungen eingeflossen. Stattdessen wurde lediglich rechnerisch ermittelt, wie viele Stellen nötig sind, um den bisher gängigen 54-Stunden-Dienst auf die EU-weite Höchstarbeitszeit von 48 Stunden pro Woche umzustellen.

Die Höchstarbeitszeit geht auf ein EU-Gerichtsurteil aus dem Jahr 2003 zurück, das bislang jedoch vielfach durch Ausnahmeregeln der Länder umgangen wird – so auch in Aachen. Denn zusätzliche Personalkosten konnten somit bislang vermieden werden. Damit ist jedoch spätestens Ende 2016 Schluss, dann muss auch in Aachen die 48-Stunden-Woche gewährleistet werden.

Laut Barth und Feuerwehrchef Jürgen Wolff soll der zusätzliche Personalbedarf durch eine Verdoppelung der Ausbildungsstellen abgedeckt werden. In den nächsten vier Jahren sollen laut Wolff jährlich 16 Feuerwehranwärter eingestellt werden.

Aus Sicht der Gewerkschaft Verdi hat die Verwaltungsspitze jedoch zu viele Jahre ungenutzt verstreichen lassen – noch dazu ist sie überzeugt, dass mindestens 52 statt 36 zusätzliche Kräfte eingestellt werden müssen, um das Arbeitspensum der Aachener Wehrleute auf ein erträgliches Maß zurückzuführen. Durch die jüngsten Aussagen von Barth im Personal- und Verwaltungsausschuss kann sich Verdi jetzt bestätigt fühlen.

Auch die SPD hat der Verwaltungsführung vorgeworfen, die Belange der Feuerwehr allzu lange kleingeredet und „Haushaltskonsolidierung auf dem Rücken der Feuerwehrleute“ betrieben zu haben. Den Vorwurf, mit angeblich populistischen Forderungen Wahlkampf zu betreiben, wies Oberbürgermeisterkandidat Björn Jansen im Ausschuss zurück. „Es geht um einen konstruktiven Dialog im Interesse der Mitarbeiter“, sagte er.

Doch den wollten CDU und Grüne erkennbar nicht führen. Sie quittierten die Kritik an der bisherigen Personalplanung mit Schweigen und überließen einzig Barth und Wolff das Wort. Beide ließen durchblicken, dass durch die kürzeren Arbeitszeiten und neuen Ausbildungsanforderungen an die Einsatzkräfte spätestens 2017 Mehrkosten in Millionenhöhe auf die Stadt zukommen.

Zudem müsse über eine bessere Bezahlung nachgedacht werden. Wolff: „Der Beruf bei der Feuerwehr ist attraktiv, aber nicht lukrativ.“ Er verweist darauf, dass sich stets eine breite Mehrheit der Belegschaft für den bisherigen – freiwilligen – 54-Stunden-Dienst entschieden hätte, wohl nicht zuletzt, weil er auch mehr Geld bringt.

In der Mannschaft selbst soll es nach Verdi-Einschätzung wegen der seit langem hohen Arbeitsbelastung jedoch durchaus grummeln. Feuerwehrchef Wolff spricht hingegen von einer „überwiegend guten bis sehr guten“ Stimmung. Der Personalrat der Feuerwehr wollte bisher keine Stellungnahme abgeben und ließ mehrere Rückrufbitten der „Nachrichten“ unbeantwortet.

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