Feuerwehr bleibt auch ohne Strom lange einsatzfähig

Von: gei
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Aachen. „Klingt wie aus einem amerikanischen Krimi“, meinte ein Politiker, der sich im jüngsten Umweltausschuss in ein gespenstisch anmutendes Szenario hineinversetzen konnte: Was passiert eigentlich bei einem großflächigen Stromausfall in Aachen?

In den Häusern geht das Licht aus. Kein Fernsehgerät, kein Kühlschrank, kein PC, keine Heizung funktioniert mehr. Aufzüge bleiben stecken. Das Telefonnetz bricht zusammen. Ampeln fallen ebenso aus wie Bankautomaten oder Kassen in den Geschäften. Fließend Wasser wird es nach kurzer Zeit nicht mehr geben. An den Zapfsäulen kann nicht mehr getankt werden. Essen kann nicht mehr zubereitet werden. In Firmen und Fabriken bleiben die Maschinen stehen.

„Das gesamte öffentliche Leben bricht schnell zusammen“, sagt Juliane Raatschen, die an der Fachhochschule Köln Rettungsingenieurwesen studiert und nun ihre Masterarbeit über die „Einsatzplanung für einen längerfristigen Stromausfall in der Stadt Aachen“ geschrieben hat. In dem für die Feuerwehr und den Katastrophenschutz zuständigen Ausschuss berichtete sie am Dienstag über die Ergebnisse ihrer Untersuchung.

Wie schnell ein solch unwahrscheinlich anmutender Fall eintreten kann, hat unter anderem der europaweite Störfall im November 2006 vor Augen geführt, der durch das Abschalten einer Hochspannungsleitung im Emsland ausgelöst wurde. In zahlreichen Ländern brach daraufhin die Stromversorgung zusammen – mit teils dramatischen Auswirkungen auf die öffentliche Versorgung und Sicherheit.

„Kritische Infrastruktur“

In Aachen wäre dies nicht anders, wie Raatschen mit ihrem Bericht über die „kritische Infrastruktur“ darlegt. Denn auch Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienste wären im Fall des Falles nur noch eingeschränkt handlungsfähig – und dies in einer Situation, in der viele Menschen auf Hilfe angewiesen wären und die Zahl der Einsätze in die Höhe schnellen lassen würden.

Die gute Nachricht: Zumindest die neue Leitstelle der Städteregion kann komplett mit Notstrom versorgt werden, ähnliches gilt inzwischen auch für die Berufsfeuerwehr – wie übrigens auch für alle Krankenhäuser.

Die Freiwilligen Feuerwehren und die Rettungswachen können hingegen noch nicht auf eine unabhängige Stromversorgung umschalten. Beides sei aber geplant, so Raatschen. Zudem gebe es mobile Notstromaggregate, mit denen im Katastrophenfall etwa auch Evakuierte in Notunterkünften versorgt werden können. Weitere Anschaffungen seien geplant. Auch die Tankstelle der Feuerwehr soll mit einem Notstromaggregat ausgestattet werden.

Feuerwehrchef Jürgen Wolff erklärte auf Nachfrage, dass seine Mannschaft im Fall des Falles „rund sieben Tage ohne Strom vollumfänglich im Einsatz“ sein könnte. Beruhigend ist dies insbesondere für Menschen, die auf funktionierende medizinische Geräte angewiesen sind, aber zu Hause oder in Altenheimen leben. Ein längerer Stromausfall könnte für sie schnell lebensbedrohend werden. Sie sind auf schnelle Hilfe der Rettungskräfte angewiesen, wie Juliane Raatschen darlegte.

Ihre Masterarbeit ist inzwischen begutachtet und benotet worden – mit der Note 1,3.

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