Feuer in Haaren: Waren die Kontrollen bisher zu lasch?

Von: gei
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Was auf dem Gelände der Autoverwertung am Montag alles verbrannt ist, weiß niemand genau. Die Flammen konnten sich rasendschnell ausbreiten, die Feuerwehr hatte alle Mühe, Schlimmeres zu verhindern. Jetzt muss geklärt werden, ob die Sicherheitsauflagen angemessen waren und eingehalten wurden. Foto: Ralf Roeger
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Was auf dem Gelände der Autoverwertung am Montag alles verbrannt ist, weiß niemand genau. Die Flammen konnten sich rasendschnell ausbreiten, die Feuerwehr hatte alle Mühe, Schlimmeres zu verhindern. Jetzt muss geklärt werden, ob die Sicherheitsauflagen angemessen waren und eingehalten wurden. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Nach dem schweren Brand auf dem Gelände einer Autoverwertung inmitten eines Wohngebiets in Haaren dauerten am Dienstag die Aufräumarbeiten und die Suche nach der Brandursache in dem Betrieb den ganzen Tag über an. Die Kripo hat für die weiteren Ermittlungen einen Sachverständigen hinzugezogen.

Auch Zeugen und Mitarbeiter der Autoverwertung wurden vernommen.

„Jetzt ist das passiert, was wir immer befürchtet haben“, erklärten entsetzte Anwohner am Tag danach, die fest überzeugt sind, nur haarscharf einer größeren Katastrophe entgangen zu sein. Meterhohe Flammen und eine gigantische schwarze Rauchwolke hatten ihnen am Montag drastisch vor Augen geführt, in welch gefährlicher Nachbarschaft sie eigentlich leben. Und sie alle treibt die Frage um, ob die Behörden bislang zu lasch kontrolliert haben.

Thema in der Bezirksvertretung

Auch die Haarener Bezirksvertreter sind aufgeschreckt und wollen das Thema in ihrer nächsten Sitzung kommende Woche erneut auf die Tagesordnung setzen, wie Bezirksbürgermeister Ferdinand Corsten ankündigt. Das Gelände, auf dem im großen Stil Schrottautos ausgeschlachtet und deren Einzelteile zum Weiterverkauf angeboten werden, ist nicht nur vielen Anwohnern, sondern auch den örtlichen Politikern seit Jahren ein Dorn im Auge. „Wir hätten lieber heute als morgen eine Lösung“, sagt Corsten. Doch bislang fehlt der rechtliche Hebel. Die Autoverwertung liegt in einem Mischgebiet und hat eine gültige Betriebsgenehmigung. Immer wieder gestellte Anfragen, ob denn auch alle Umwelt- und Sicherheitsauflagen erfüllt werden, seien von der Verwaltung bislang bejaht worden. Nun müssen die weiteren Ermittlungen zeigen, ob diese Sicht zu halten ist.

Nur wenige Meter von einem Wohnviertel entfernt, in dem viele junge Familien mit Kindern leben, werden derzeit Karosserie- und Motorteile, Kanister, Reifen, womöglich auch Flüssigkeiten und ähnliches in einem alten Holzverschlag gestapelt. Ob es entsprechende Brandschutzvorrichtungen und Brandmeldeanlagen gibt, konnte am Dienstag niemand sagen. Ölabscheider soll es nicht geben. Nachbarn berichten, dass in dem Verschlag vielfach geflext und geschweißt werde. Ob womöglich Schweißarbeiten oder Funkenflug den Brand ausgelöst haben, ist noch offen. Angeblich sollen Mitarbeiter noch selbst versucht haben, die sich schnell ausbreitenden Flammen zu löschen. Möglicherweise sei dadurch wertvolle Zeit vergangen, bis die Feuerwehr alarmiert wurde.

Die habe bei Eintreffen allerdings „sehr professionell“ gearbeitet und mit Sicherheit Schlimmeres verhindert, ist Corsten überzeugt. Gut 90 Einsatzkräfte konnten sowohl das Übergreifen der Flammen auf angrenzende Häuser als auch auf eine weitere große Lagerhalle verhindern. Ein Feuerwehrmann wurde dabei verletzt.Zur Höhe des Sachschadens kann bislang niemand Genaueres sagen. Klar ist aber, dass durch die Hitzeentwicklung auch Häuser in der Nachbarschaft gelitten haben. Unter anderem wurde die Isolierung an einer Hauswand weggesengt.

Luftmessungen der Feuerwehr sollen zwar keine Hinweise auf eine Gesundheitsgefahr für die Anwohner gegeben haben. Nachbarn, die am Abend über Lungenkratzen und Kopfschmerzen klagten, haben dies freilich anders empfunden. Offen ist noch, inwieweit auch Boden und Grundwasser durch die Löscharbeiten belastet wurde.

Bei den Anwohnern ist die Hoffnung groß, dass der Brand endlich zu der ersehnten Verlagerung des ungeliebten Betriebs führt und dass Feuerwehr, Bauaufsicht und Umweltbehörde künftig strenger auf die Einhaltung der Sicherheitsvorschriften achten. „Die Anwohner liegen uns natürlich am Herzen, aber es gibt auch einen Bestandsschutz“, erklärt Frank Prömpeler, Leiter des Bezirksamts, das Dilemma. Zunächst müsse man die Ermittlungen abwarten und dann die weiteren Schlüsse ziehen. „Wir haben das auf dem Schirm“, sagt Prömpeler.

Eher wortkarg gibt sich derweil der Inhaber der Autoverwertung, Seran Aydin. Eine Rückrufbitte blieb am Dienstag unerfüllt.

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