Aachen - Fernwärme: Der Dom ist ein echtes Vorbild

Fernwärme: Der Dom ist ein echtes Vorbild

Von: Gerald Eimer und Philipp Henn
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Stawag-Mitarbeiter Uwe Milthaler und Dombaumeister Helmut Maintz an der Fernwärmeleitung, die quer durchs Dom-Fundament verläuft. Bald hat sie ausgedient. Durch den Schacht soll dann Frischluft in den Dom strömen. Der neue Fernwärmeanschluss wird vom Katschhof aus zum Dom geführt. Baubeginn ist Anfang März. Foto: Harald Krömer

Aachen. Beistand von „ganz oben” könne die Stawag gut gebrauchen, meint Stawag-Vorstand Christian Becker, der sich schon deshalb freut, dass der Aachener Dom bereits seit Mitte der 70er Jahre am Fernwärmenetz hängt.

In der Geschichte der Fernwärme sei der Dom „ein Trendsetter”, betont auch Umweltdezernentin Gisela Nacken. Und das soll auch so bleiben.

In wenigen Tagen beginnen auf dem Katschhof die Bauarbeiten für einen neuen Anschluss an das Fernwärmenetz. Denn künftig sollen die Rohre nicht mehr das gesamte Dom-Fundament durchqueren, sondern aus Richtung Rathaus zur Übergabestelle unweit der Domhofklinik führen.

Die Lösung favorisiert Dombaumeister Helmut Maintz aus mehreren Gründen. Mögliche Rohrschäden hätten künftig keine Auswirkungen auf den Dom, zudem könnte der vorhandene Schacht unter dem Dom für anstehende Sanierungsarbeiten genutzt werden. Und nicht zuletzt wird er künftig einer besseren Belüftung des Doms dienen.

Optimale Energieversorgung

Auf wohligere Temperaturen können Dombesucher hingegen nicht hoffen. Auf maximal 14 Grad wird der historische Bau beheizt, so Maintz. Dies, um Kunstwerke und Orgel nicht zu beschädigen und die Luftfeuchtigkeit im Innern bei etwa 70 Prozent zu halten.

Beheizt wird der Dom ohnehin erst seit 1912 - damals zunächst mit Kohle. 1960 wurde eine neue Ölheizung eingebaut, seit 1975 sorgt Fernwärme für die richtigen klimatischen Verhältnisse.

Optimal nennt Gisela Nacken diese Form der Energieversorgung, weshalb sie sich gemeinsam mit der Stawag dafür einsetzt, den Ausbau der Fernwärme in der gesamten Stadt voranzutreiben. Dies sei ein wichtiger Beitrag zur Energieeinsparung und damit auch für den globalen Klimaschutz. Zugleich sei die Fernwärme ein wichtiger Baustein des Luftreinhalteplans. Schadstoffemissionen durch Hausbrand könnten deutlich abgesenkt und die Luftqualität verbessert werden.

Fernwärme ist „ein Abfallprodukt”, das bei der Stromerzeugung anfalle, wie Stawag-Vorstand Becker erläutert. Der Großteil der Fernwärme wird über eine 17 Kilometer lange Trasse aus Weisweiler nach Aachen geführt, der Rest kommt aus kleineren Kraftwerken oder Biogasanlagen.

Etwa zwölf Prozent aller Aachener Gebäude werden derzeit mit Fernwärme beheizt, darunter vor allem öffentliche Gebäude (57 Prozent) wie Schulen und Kindergärten oder auch Krankenhäuser. Nur 21 Prozent aller Industrie- und Gewerberäume werden bislang mit Fernwärme versorgt, noch geringer ist der Anteil der angeschlossenen Mehrfamilienhäuser und Privatwohnungen. Vor allem in diesem Segment will die Stawag die Marketingkampagnen verstärken und deutlich machen, dass „Fernwärme eine günstige Alternative ist, und zwar ökologisch und ökonomisch”, wie Becker betont.

Es gehe jetzt darum, das Leitungsnetz auszubauen und die Anschlussdichte zu erhöhen, ergänzt Wolfgang Hyrenbach. Da trifft es sich gut, dass alleine die Stadt nach und nach 44 weitere Einrichtung von Gas auf Fernwärme umstellen will. Damit verbunden seien jeweils energetische Sanierungen, was zu Verbrauchsenkungen um bis zu 60 Prozent führen könne, kündigt Nacken an.

Auch die geplante Kaiserplatzgalerie soll ans Fernwärmenetz gehen, ebenso der RWTH-Campus Melaten und Westbahnhof. In Teilen des Pontviertels, in Hanbruch und im Aachener Osten soll der Ausbau ebenfalls vorangetrieben werden.

Archäologen begleiten den Bau der Leitung

Die Arbeiten für den neuen Fernwärmeanschluss am Dom beginnen Anfang März. Verlegt wird die Leitung an der Ostseite des Katschhofs (Domhofklinik).

Weil am Trassenverlauf mit karolingischen Funden gerechnet werden muss, werden die Bauarbeiten archäologisch begleitet. Anfang Mai sollen die Arbeiten abgeschlossen sein. Die Domhofklinik wird laut Stawag jederzeit erreichbar sein.

Die Stawag und die beauftragten Unternehmen bemühen sich, die Behinderungen so gering wie möglich zu halten. Auskünfte zu den Baumaßnahmen gibt sie montags bis freitags zwischen 8 und 16 Uhr unter 0241/181304.
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