Familienpaten: 45 Interessenten stehen auf der Warteliste

Von: Margot Gasper
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Mareile Crumbach (rechts) und Renate Ludewig (2.v.r.) sind seit vergangenem Jahr als Familienpatinnen im Einsatz. Die Koordinatorinnen Eva-Maria Wagner (links) und Marion Scheins werben nun um weitere Männer und Frauen, die sich ehrenamtlich engagieren möchten. Foto: Harald Krömer

Aachen. Die Warteliste ist schon wieder lang. 45 Familien in Aachen wünschen sich aktuell eine Familienpatin oder einen Familienpaten. Sie suchen einen Menschen, der mit ihnen ein Stück Alltag teilt, der gerne mit Kindern zusammen ist und den Eltern hin und wieder eine kleine Auszeit ermöglicht.

Um diesen Familien zu helfen, wirbt die Fachstelle Familienpatenschaften nun erneut um Frauen und Männer, die sich ehrenamtlich engagieren möchten und sich vorstellen können, einer Familie jede Woche ein paar Stunden Zeit zu schenken. „Wir suchen neue Familienpaten“, appellieren die Koordinatorinnen Eva-Maria Wagner und Marion Scheins. „Die Nachfrage ist groß, und wir bekommen zunehmend Anfragen von Familien mit kleinen Kindern.“ Manche Eltern melden sich sogar schon vor der Geburt des Kindes.

Seit 2006 gestalten der Sozialdienst Katholischer Frauen (SKF) und der Katholische Verband für Soziale Dienste (SKM) in Aachen das Projekt Familienpatenschaften. „Alleine im vergangenen Jahr konnten wir 22 neue Patenschaften vermitteln“, freut sich Wagner. 82 Familien mit 201 Kindern wurden 2012 betreut. 51 der Kinder waren dabei jünger als drei Jahre. 91 ehrenamtliche Patinnen und Paten im Alter von 20 bis 80 Jahren waren im vergangenen Jahr im Einsatz.

Bereicherung im Ruhestand

Renate Ludewig hat letztes Jahr als Familienpatin angefangen. Die pensionierte Grundschullehrerin genießt ihren Ruhestand, möchte aber in ihrer Freizeit etwas tun, was anderen hilft und ihr eigenes Leben bereichert. Aktuell ist sie in einer Familie mit zwei Kindern, drei und fünf Jahre alt, im Einsatz. Ludewig freut sich über die Zeit mit den Geschwistern. „Ihre Fröhlichkeit gibt mir so viel“, sagt sie. Und die Kinder lieben es, ihre ehrenamtliche Patin ganz für sich zu haben und mit ihr zu singen, zu spielen oder zu basteln.

Auch Mareile Crumbach (57) hat im Vorruhestand Muße für soziales Engagement. Den Einsatz in „ihrer“ Familie gestaltet sie mit Begeisterung. „Familienpatin, das passt zu mir“, sagt sie aus Überzeugung. Seit einem halben Jahr besucht sie regelmäßig eine Familie mit Zuwanderungsgeschichte. Der kleine Sohn ist jetzt zwei. Mareile Crumbach ist so gerne Familienpatin, dass sie mittlerweile auch ihren Mann Walter für das Projekt gewonnen hat. „Wir sind Oma und Opa für die Familie“, lacht sie. Und da Deutsch nicht die Muttersprache der Familie ist, sind die Crumbachs auch Sprachvermittler. Im Juni erwartet die junge Familie ihr zweites Kind. Und die Großeltern ehrenhalber freuen sich mit.

„Alle Familien, die sich bei uns melden, vermissen ein tragendes, familiäres oder anderweitig soziales Netz“, berichtet Eva-Maria Wagner. „Die Paten leisten durch ihren Einsatz einen kleinen, aber unglaublich wichtigen Beitrag, Familien in ihrem Alltag zu entlasten.“

Wer sich ehrenamtlich als Familienpate oder -patin engagieren will, muss weder Akademiker noch pädagogisch besonders geschult sein. Gesucht werden Menschen mit Lebenserfahrung, Menschen, die jede Woche verlässlich ein paar Stunden in ihrer Patenfamilie verbringen. Sie geben den Kindern Aufmerksamkeit und Wertschätzung, sie entlasten so auch die Eltern. „Junge Eltern erleben heute immer seltener, dass sie sich auf langfristige, tragfähige Beziehungen verlassen können“, sagt Wagner. „Die Familien schätzen es sehr, dass einfach jemand da ist, jemand, der auch mal was aushält.“

SKM und SKF bringen Familien und Familienpaten zusammen. Die Paten werden von pädagogischen Fachkräften geschult und begleitet, sie genießen ein Fortbildungsangebot und können sich mit anderen Paten austauschen. Sie sind unfall- und haftpflichtversichert und bekommen anfallende Fahrkosten erstattet.

Um die Finanzen brauchen sich SKM und SKF derzeit zumindest keine Sorgen zu machen. Aus den Fördertöpfen des Bundeskinderschutzgesetzes hat die Stadt 92.000 Euro an das Projekt weitergeleitet. Die Initiative Familienpartnerschaften ist Mitglied im Bündnis für Familie und Partner im Netzwerk Frühe Hilfen.

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