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Fair gehandelte Kleidung: Denkanstöße in der Citykirche

Von: Martina Stöhr
Letzte Aktualisierung:
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Schülerinnen des Städtischen Gymnasiums Herzogenrath präsentierten bei einer Modenschau ihre Secondhandkreationen, die in Zusammenarbeit mit der Modedesignerin Ina Kramer entstanden sind. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. „Der Handel lebt vom Verkauf und bietet das an, was nachgefragt wird“, meinte Manfred Piana, Geschäftsführer des Märkte- und Aktionskreises City, beim Podiumsgespräch „Wie fair kleidet sich Aachen?“. Und solange die Vielzahl der unterschiedlichen Label so verwirrend sei, sei dem Handel kein Vorwurf zu machen, fügte er hinzu.

Fair gehandelte Produkte verzeichnen seiner Meinung trotz aller Schwierigkeiten Zuwachsraten, von denen andere nur träumen können.

Trotzdem ist es in Aachen offensichtlich nicht gerade leicht, fair gehandelte Kleidung zu kaufen. Greenpeace Aachen hat einen Fragebogen entwickelt, um sich ein Bild von dem Angebot zu machen. Mit niederschmetterndem Ergebnis wie Ingrid Krümmel-Seltier während der Podiumsdiskussion in der Citykirche meinte.

Demnach konzentriert sich das Angebot rund um den Dom. „Und Verkäuferinnen und Händler geben sich eher zugeknöpft, wenn man sie nach fair gehandelten Textilien fragt“, meinte Winfried Kranz-Pitre, Abteilungsleiter Wirtschaft und Arbeit der Stadt Aachen. Dabei stünde Aachen als Fairtrade-Stadt ein besseres Angebot sehr gut zu Gesicht. Darin waren sich wohl alle einig.

60 Kleidungsstücke kauft der Verbraucher im Jahr, 60 Prozent davon landen im Müll, erfuhren die Besucher in der Citykirche. Wer hier und da auf Secondhandware zurückgreife, leiste schon einen wichtigen Beitrag zu einem verantwortungsbewussten Konsum, hieß es weiter. Schülerinnen des Städtischen Gymnasiums Herzogenrath führten vor, wie aus alt neu werden kann.

Bei einer Modenschau präsentierten sie ihre ureigensten Modeträume, die in Zusammenarbeit mit der Modedesignerin Ina Kramer entstanden sind. Da wurden unter anderem alte Hemden, Herrenjacketts und Werbebanner umfunktioniert und aufgepeppt. Das Ergebnis kam beim Publikum gut an. Und die Schülerinnen schienen sich in ihren Kreationen wirklich wohl zu fühlen.

Ihre Produktionsbedingungen waren dabei sicherlich besser als die der Näherinnen in Bangladesch. Die müssen oft zehn Stunden oder länger arbeiten, bekommen einen Lohn, der zum Leben nicht ausreicht, und haben keine Chance, an ihrer Situation etwas zu ändern. In ihrem Buch „Todschick. Edle Labels, billige Mode – unmenschlich produziert“ setzt sich Dr. Gisela Burckhardt, Vorsitzende der Frauenorganisation „Femnet“, mit der Situation in den Billiglohnländern auseinander.

Erst nach dem Brand im Rana-Plaza-Hochhaus (Bangladesch) im April 2013 sei eine gewisse Transparenz zu den Produktionsbedingungen in den Textilfabriken hergestellt worden, sagte sie. Doch an den eigentlichen Arbeitsbedingungen habe sich nichts geändert. Ihrer Meinung nach hat der Verbraucher durchaus die Macht, Druck auszuüben. Weniger Konsum, auf Secondhandware zurückgreifen, Dumping- und Schnäppchenpreise boykottieren, öko-faire Kleidung kaufen und auf Siegel und Standards achten: Das sind ihre Tipps für einen verantwortungsbewussten Konsum.

Und um die Händler zu überzeugen, fair gehandelte Produkte ins Sortiment zu nehmen, müssen sie ihnen natürlich auch angeboten werden. Aber dass das nicht so leicht ist, weiß Ineke Frohnhofen, von der „neyo-gmbh“ in Aachen. Ihre Firma lässt in Nepal unter fairen Bedingungen und mit hochwertigen Materialien produzieren. Ihre Produkte dann aber auch an den Mann zu bringen, erwies sich offenbar als sehr schwierig. „Man hat uns die Tür vor der Nase zugeschlagen“, erzählt sie. Doch inzwischen habe sich die Firma einen Platz auf dem Markt gesichert. Wenn auch ohne offizielles Siegel. Denn das zu bekommen, sei gar nicht einfach, meint Frohnhofen.

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