Fachpersonal für die Kindertagesstätten heiß begehrt

Von: Margot Gasper
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Aachen. Es gab Zeiten, da stapelten sich im Aachener Jugendamt die Bewerbungen von Erzieherinnen, die gerne in einer städtischen Kindertagesstätte arbeiten wollten. „Wir konnten auf Initiativbewerbungen in dreistelliger Höhe zurückgreifen”, erinnert sich Abteilungsleiterin Sabine Fischer.

Diese Zeiten sind vorbei. Fachkräfte für die Kindertagesstätten sind heiß begehrt. Allein die Stadt Aachen hat aktuell acht Vollzeitstellen zu vergeben.

„Es ist schwierig, für freie Stellen gutes Fachpersonal zu bekommen”, bestätigt Elke Münich, Leiterin des städtischen Fachbereichs Kinder, Jugend und Schule. Um Stellen zu besetzen, gehe die Stadt längst neue Wege: „Wir müssen heute viel offensiver werben.”

So weist die Stadt auf ihrer Internetseite auf freie Stellen hin. „Früher hatten wir das gar nicht nötig”, sagt Münich. Teilzeitstellen sind mittlerweile auch schon mit geringer Wochenstundenzahl zu haben. Solche Angebote sollen Erzieherinnen in Elternzeit den Weg in zurück in den Job erleichtern.

63 Verträge „entfristet”

Auch die Kontakte zur Agentur für Arbeit hat das Jugendamt intensiviert - und das keineswegs nur zu den Vermittlern vor Ort. Die Arbeitsagenturen in Dresden oder Leipzig bekommen mittlerweile regelmäßig Anrufe aus Aachen: „Haben Sie nicht jemanden, der bereit ist umzuziehen?” Manchmal klappe das sogar, berichtet Sabine Fischer. „Vereinzelt ziehen Kräfte aus Ostdeutschland nach Aachen um, sogar für einen befristeten Arbeitsvertrag.”

Gerade befristete Stellen sind nämlich ganz schwer zu besetzen - und Krankheitsvertretungen. Um gutes Personal zu halten, richtet die Stadt auch vermehrt unbefristete Stellen ein. Erst letztes Jahr wurden 63 befristete Arbeitsverhältnisse „entfristet”.

Nicht nur in Aachen fehlen Erzieherinnen, betont Elke Münich. „Der Fachkräftemangel wird allmählich zu einem flächendeckenden Problem im Land.” In Aachen habe sich der Mangel aber schon früh bemerkbar gemacht. „Mit dem Ausbau der offenen Ganztagsschule sind wir in Aachen unheimlich weit.” Auch den Ausbau der Betreuung für unter Dreijährige habe Aachen früh intensiv betrieben. Für diese Anstrengungen wird Personal gebraucht. Und seit der Schließung der Clara-Fey-Schule 2007 fehlt ein wichtiger Partner in der Ausbildung.

Auch die Freien stöhnen

Die freien Träger stöhnen ebenfalls über den Fachkräftemangel. „Wir sind ständig auf der Suche”, berichtet Gabriele Niemann-Cremer, Geschäftsführerin der Arbeiterwohlfahrt in Aachen. Die AWO ist Trägerin von fünf Kitas und über den Verein Betreute Grundschulen an 22 Schulen für die OGS zuständig. „Wenn Stellen frei werden, ist es sehr schwer, gut ausgebildete Kolleginnen zu finden”. sagt Niemann-Cremer. Gerade befristete Stellen seien schwer zu besetzen. „Und wer einen Zeitvertrag hat, der guckt links und rechts und wechselt dann.”

Auch die AWO ist bestrebt, erfahrene Erzieherinnen mit Teilzeitangeboten zu halten. In zwei Kitas ist mittlerweile sogar die Leitung mit einer „Doppelspitze” besetzt. „Wir müssen den Fachkräften richtig was bieten”, bilanziert die Geschäftsführerin. In der OGS ist das allerdings besonders schwierig, denn da arbeitet das Personal in Teilzeit und auch noch am Nachmittag.

„Der Fachkräftemangel wird sich verschärfen”, ist Elke Münich überzeugt. Deshalb ist die Stadt auch auf Landesebene aktiv geworden. Stadtdirektor Wolfgang Rombey hat an NRW-Familienministerin Ute Schäfer geschrieben und dafür plädiert, landesweit mehr Ausbildungsstellen zu schaffen. „Wir müssen mehr ausbilden, und wir müssen jetzt damit anfangen”, ist Elke Münich überzeugt.

Hoffnung setzen die Aachener auch auf die Revision des Kinderbildungsgesetzes (Kibiz), die die neue rot-grüne Landesregierung in Aussicht gestellt hat. So soll es mehr Chancen für Berufspraktikantinnen geben, im Anerkennungsjahr ihre Ausbildung abzuschließen. Das ist auch aus Sicht der Aachener Personalratsvorsitzenden Karola Hoch dringend nötig. Unter Kibiz-Bedingungen gibt es mittlerweile kaum noch Berufspraktikantinnen. „So kann man keinen qualifizierten Nachwuchs gewinnen”, sagt Hoch.

220 Kinderpflegerinnen

Auch für die Kinderpflegerinnen, die unter Kibiz-Bedingungen ausgerechnet in den Kleinkindgruppen nicht arbeiten dürfen, stellt das Land neue Perspektiven in Aussicht. Die Stadt Aachen beschäftigt aktuell rund 220 Kinderpflegerinnen. Einfacher dürfte die Personalgewinnung auch in Zukunft nicht werden. Der OGS-Ausbau geht weiter, in den Kitas werden mehr integrative Plätze für Kinder mit Behinderung eingerichtet. Und im U3-Bereich hat Aachen wie alle anderen Kommunen ab 2013 einen Rechtsanspruch zu erfüllen. Elke Münich gibt sich dennoch zuversichtlich. „Wir setzen darauf, dass wir das Personal bekommen, das wir benötigen.” Und sie legt Wert darauf: Das Personal in den Kitas erfüllt einen anspruchsvollen Bildungsauftrag. „Auch Quereinsteiger müssen auf jeden Fall geschult werden.”

Mit etwas Sorge blickt man im Fachbereich Kinder, Jugend und Schule da auch auf die Pläne der rot-grünen Landesregierung, ab 2012 den Einschulungsstichtag nicht weiter vorzuverlegen. Elke Münich erwartet in der Folge einen Mehrbedarf an 500 Kita-Plätzen. Und auch dafür wird Personal gebraucht.
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