Facebook-Fete: Aachen sperrt den Elisengarten ab

Von: Heiner Hautermans und Guido Jansen
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Diese Facebook-Seite wurde in den letzten Tagen vieltausendfach angeklickt. Die Stadt Aachen weiß nicht so recht, wie sie mit der Party-Ankündigung umgehen soll und hat erst einmal ein Verbot ausgesprochen. Foto: Harald Krömer

Aachen. Patrick Jupperheimer hat keine Freunde. Trotzdem werden am Freitag wahrscheinlich tausende Menschen seiner Einladung folgen und in Aachens Innenstadt eine große Party feiern. Dass Jupperheimer keine Freunde hat, liegt vermutlich daran, dass es ihn gar nicht gibt.

Die Party-Gäste dagegen schon. Und das versetzt Stadt und Polizei in Aachen in Alarmbereitschaft. Der Name Jupperheimer ist erfunden - als digitaler Deckmantel. Und er wechselt offenbar täglich. Am Donnerstag hieß Jupperheimer plötzlich Frank Dorfmeier. Jupperheimer-Dorfmeier hat auf Facebook zur „dicken, fetten Riesen-Party” in den Aachener Elisengarten eingeladen.

Die Einladung hat einen Schneeball-Effekt ausgelöst und mittlerweile die Ausmaße einer digitalen Lawine angenommen. 2700 Menschen hatten schon am Mittwoch bei Facebook definitiv zugesagt, bei der Jupperheimer-Dorfmeier-Feier dabei zu sein. Bei mehr als 17.500 war die Antwort noch offen. Freitag soll ab 19 Uhr gefeiert werden, Samstag ab 23.30 Uhr gleich noch mal. Die Tendenz in Sachen Teilnehmern ist stündlich steigend. Das Ordnungsamt und die Polizei wollen den Elisengarten Freitagvormittag mit Hilfe von Bauzäunen sperren. Jedenfalls hat die Stadt die Party untersagt.

Die vermeintliche Feier-Gemeinde bei Facebook stört das nicht. Im Gegenteil: Das Feier-Verbot wirkt so, als ob Öl ins Feuer gegossen würde. Wenn nicht im Elisengarten, dann wollen die Gäste der Party ohne Gastgeber vor dem Rathaus feiern, oder im Stadtpark, oder... Jedenfalls stieg die Zahl der Zusagen seit dem Verbot noch schneller an.

Eine Lösung für das Feier-Problem wusste die Stadt nicht. „Eines ist klar: 2000 oder mehr Menschen wird der Elisengarten nicht überleben”, sagte Hans Poth, der Sprecher der Stadt. Außerdem gebe es ein Problem, weil Fluchtwege und sanitäre Anlagen für so viele Menschen im Elisengarten nicht vorhanden seien. Deswegen wird der Garten Freitag schon am Vormittag gesperrt. Allerdings wolle man Feierwillige auch nicht vor den Zaun laufen lassen. Deswegen führe man diverse Gespräche, die Besucher eventuell an andere Orte umzulenken.

„Für mich geht es darum, einen schönen Abend in der Innenstadt zu haben”, erklärt Leonie Holzmann den „Nachrichten”, weshalb sie ihre Teilnahme angekündigt hat. „Das wird nicht so wild, wie es die Stadt befürchtet”, so die Aachener Studentin. Eine weitere Motivation ist auch noch dabei. Holzmann und vermutlich alle anderen Partygäste wollen wissen, ob es wirklich funktioniert. Kommen tatsächlich tausende Menschen zusammen, weil ein Pseudo-Profil bei Facebook eine Lawine ins Rollen gebracht hat?

Wenn ja, dann steht die Stadt vor einer Wahl. Ist sie gegen die Veranstaltung, dann riskiert sie einen Mob enttäuschter, feierwütiger Menschen. Oder macht sie mit? Einen Vorschlag gemacht haben am Donnerstag Yehya El Omari und Timo Mauter vom Aachener Internet-Radiosender Rautemusik.fm. „Statt dagegen vorzugehen, könnte die Stadt doch auch versuchen, etwas für das eigene Image zu tun”, sagte El Omari. Beispielsweise, indem die Stadt eine Bühne, Getränkestände und Toiletten vor dem Rathaus aufstellt.

„Wir besorgen dann die DJs und machen Stimmung”, so Meuter weiter. Konsequenz für die Stadt - wenns klappt: viele „Gefällt-mir”-Klicks bei Facebook. Laut Hans Poth haben die Verantwortlichen im Rathaus am Donnerstag über eine solche Lösung diskutiert. Das Problem: Die Stadt müsste nicht nur die Infrastruktur für die unerwünschte Party stellen, sondern auch die Verantwortung übernehmen.

Keinesfalls wolle man nämlich den Eindruck entstehen lassen, dass junge Leute in Aachen nicht willkommen seien. Poth: „Aber wir wollen, dass sie mit uns Kontakt aufnehmen und die Veranstaltung besprechen. Wir sind jederzeit gesprächsbereit. Aber von Angesicht zu Angesicht, nicht anonym übers Internet. Wir haben aber auch die Verantwortung für das, was passiert.”

Deshalb hätten in einer Besprechung Polizei, Feuerwehr, Stadtbetrieb und Ordnungsamt festgelegt, dass der Elisengarten schon vormittags rundum abgesperrt wird, allerdings werde es Möglichkeiten geben, das dortige Restaurant zu erreichen: „Wir bitten die Bürger um Verständnis, die den Elisengarten normalerweise nutzen.” Der neu gestaltete Park sei einfach nicht für eine Veranstaltung dieser Größenordnung geeignet, Fluchtwege und Toiletten fehlten, der Getränkeausschank sei nicht geregelt.

Stadt bittet Polizei um Amtshilfe

Die Frage der Verantwortung könnte sich aber auch anders stellen. Dann nämlich, wenn es gelingt, den Verursacher ausfindig zu machen. Dann nämlich könnte die Stadt die erheblichen Kosten, die entstehen werden, von Jupperheimer-Dorfmeier zurückverlangen, möglicherweise in fünfstelliger Höhe: „Da kommt einiges zusammen.” Die Polizei, die von der Stadt am Donnerstag um Amtshilfe gebeten wurde, wird beispielsweise der Stadt eine Rechnung ausstellen. Die könne dann an Jupperheimer-Dorfmeier weitergereicht werden.

Polizeisprecher Paul Kemen wollte am Donnerstag nicht verraten, in welcher Mannschaftsstärke die Polizei antreten wird: „Wir nehmen aber die Ankündigung ernst und werden so stark vertreten sein, dass wir das gemeinsam mit der Stadt bewältigen können - zunächst freundlich, dann wird es bestimmter.”
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