Fabrikantentochter und Ordensgründerin: Neues Buch über Clara Fey

Von: Heike Nelsen-Minkenberg
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Aachen. Passend zum Tag, an dem eine große Aachener Frau gewürdigt werden sollte, waren die Frauen in der Aula der Domsingschule eindeutig in der Überzahl. Zudem stimmte der Mädchenchor der Domsingschule mit einigen Liedern in den Morgen ein. Der Auftritt zauberte den „Schwestern vom armen Kinde Jesu“ ein Lächeln auf das Gesicht.

Ebenso wie die weißen Rosen, die sie von den kleinen Sängerinnen geschenkt bekamen. Denn der Morgen war ihrer Ordensgründerin gewidmet, Clara Fey.

Über sie und ihr Wirken hat Autor Hans Jürgen Roth ein Buch verfasst. Auch wenn er sich zu Beginn seiner Recherche, vor vier Jahren, noch fragte „Wer ist Clara Fey?“

Denn die Aachener Fabrikantentochter, die vor 169 Jahren in Aachen einen Orden gründete, ist außerhalb der Stadt nicht mehr sehr bekannt. 1815 in die Aachener Oberschicht hineingeboren, erlebt sie in der Tuchmacherstadt die industrielle Revolution mit all ihren Härten.

Die Leidtragenden der Industrialisierung sind – wie immer – die Schwächsten: Die Kinder. Clara Fey nimmt das Elend wahr und hat keinerlei Berührungsängste. Anders als viele andere in ihrer Gesellschaftsschicht und in ihrer Zeit schreitet sie zur Tat. Sie erkennt, dass Bildung und Erziehung der einzige Schlüssel zur Lösung des Problems sind und setzt sich und ihr ganzes Vermögen für diese Kinder ein. Sie gründet ein Waisenhaus samt Schule, woraus dann ihr Orden hervorgeht – die „Schwestern vom armen Kinde Jesu“.

Binnen weniger Jahre entstehen zahlreiche Tochterklöster, Schulen, Waisenhäuser. Viele davon hat Hans Jürgen Roth auf seiner Recherchereise besucht: „Ich habe sie erlebt, an verschiedenen Stellen. Ich habe die Schulen besucht, hörte dann von älteren Damen – ach, auf der Schule bin ich auch gewesen. Und dann bin ich in den östlichsten Teil Europas, wo Clara Fey gewesen ist.“ In der Weberstadt Peterswaldau (heute Pieszyce), Tuchweberstadt wie Aachen. „Mitten in der Stadt entdecke ich das Kloster von Clara Fey“, erinnert sich Roth. Heute gehören dem Orden immer noch gut 900 Schwestern in 82 Konventen weltweit an.

Mit Bezug auf die weltumspannende Kongregation begrüßte auch Benno Groten vom Katechetischen Institut die Mutter Oberin des Ordens: „Ich glaube, dass es nicht viele Frauen gibt, die ein Weltunternehmen von Aachen aus auf drei Kontinenten leiten. Das ist eine ganz starke Leistung.“ Vor diesem Hintergrund war es umso erstaunlicher, dass die Oberin selbst bei diesem für ihren Orden so wichtigen Anlass nicht sprach. Dass überhaupt keine Frau inhaltlich an diesem Morgen etwas zu sagen hatte. Das will nicht so ganz zu dem Charakter von Clara Fey, der starken Frau, der Querdenkerin, der – irgendwie auch Revolutionärin – passen.

Roth, Hans Jürgen, Clara Fey. Ein Leben hat Spuren hinterlassen, Aachen 2013, ISBN 978-3-00-044406-7

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