Aachen - Fabians Tod soll eine Warnung für andere sein

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Fabians Tod soll eine Warnung für andere sein

Von: Heiner Hautermans
Letzte Aktualisierung:
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An dieser Stelle, hinter der Kurve, kam der 16-jährige Fabian unglücklich mit dem Hinterkopf auf, nachdem er die Tür entriegelt hatte und aus dem Bus gefallen war.

Aachen. „Der Junge hat von Anfang an nur Pech gehabt.” Josefine S. sitzt mit ihren beiden Töchtern in der Küche, gezeichnet von den schlimmen Ereignissen der letzten Wochen. In der Nacht zum Ostermontag, 5. April, ist ihr Sohn und Bruder Fabian auf dem Nachhauseweg schwer verunglückt.

Er war, wie berichtet, auf der Freunder Landstraße lebensgefährlich verletzt worden, als er nach Mitternacht aus dem Bus der Linie 25 stürzte. Das Motiv der Familie, sich bei den „Nachrichten” zu melden: „So etwas darf einfach nicht noch einmal passieren.” Wobei sie das Geschehen etwas anders darstellt, als es bisher geschildert wurde.

Der größte Unterschied: Der 16-Jährige habe vor seinem gewohnten Aussteigepunkt, der Haltestelle „Freund”, den Halteknopf bedient. Dennoch habe der Fahrer nicht angehalten, worauf Fabian noch gerufen habe, dass er aussteigen wolle. Auch diesem Wunsch sei der Busfahrer nicht gefolgt, worauf der 16-Jährige den Entriegelungshebel betätigte.

Die Türe sei daraufhin sofort aufgegangen und er sei aus dem Bus gegangen, so schildern Zeugen, die sich bei der Familie gemeldet haben, den Ablauf. Josefine S.: „Er ist nicht gesprungen.” Die Zeugen beschreiben den zum Zeitpunkt des Unfalls alkoholisierten Fabian als „total klar”, er habe keinen müden oder betrunkenen Eindruck gemacht.

Es komme häufiger vor, dass die Busfahrer an der letzten von drei nur wenige hundert Meter auseinanderliegenden Haltestellen nicht anhielten, berichtet die Mutter des Jungen: „Meiner Mutter ist das auch schon passiert.” Auch Fabian habe öfter davon erzählt, dass er weitergefahren sei und dann die ganze Strecke zu Fuß zurückkommen musste.

Die nächste Haltestelle befindet sich nämlich in Stolberg-Büsbach, etwa 2,5 Kilometer entfernt. Und diesen nächtlichen Fußweg, teilweise durch Wald und ohne Bürgersteig, habe Fabian sicherlich gescheut. Mutter Josefine S.: „Er war einfach müde.” Noch im Krankenwagen habe er gerufen, dass er nach Hause wolle.

Fabian, der unglücklich auf dem Hinterkopf aufkam, lebte nämlich noch, als er auf dem Bürgersteig lag. Und obwohl er wegen des Schädeltraumas in Lebensgefahr schwebte, hegte die Familie berechtigte Hoffnung, dass Fabian wieder gesund werden würde. Doch auch da hatte er wieder Pech: Eine Lungenentzündung und Blutvergiftung kamen hinzu, der 16-Jährige starb wenige Tage später an Kreislaufversagen. Josefine S. weiß, dass Fabian einen Fehler gemacht hat, will aber, dass sein Tod eine Warnung ist.

Denn Fabian sei nicht der Einzige, der die Notentriegelung betätigt habe. Allein in seinem Bekanntenkreis sei das einem anderen Jugendlichen ebenfalls passiert, er kam mit einem Armbruch vergleichsweise harmlos davon. „Es gibt immer Jugendliche, die mal Mist machen.” Deshalb ist Josefine S. dafür, dass technische Änderungen vorgenommen werden: „Die Türe darf erst aufgehen, wenn der Bus steht. Dann würde Fabian heute noch leben.” Die Praxis sehe anders aus, als von der Polizei und der Aseag geschildert.

Anne Linden, Sprecherin des Nahverkehrsbetriebes, sieht jedoch keinen Spielraum für Änderungen: „Das ist gesetzlich vorgegeben. Man muss zu jeder Zeit die Möglichkeit haben, sich aus dem Bus zu entfernen.” Etwa für den Fall, dass der Fahrer einen Herzinfarkt bekomme oder ein Feuer ausbreche. Zu dem Ablauf des tragischen Geschehens könne sie sich nicht äußern: „Der gesamte Fall liegt bei der Staatsanwaltschaft.” Dem Busfahrer, der am 5. April einen Schock erlitten hatte, gehe es jedoch nach wie vor sehr schlecht. „So ein dramatisches Erlebnis kann man nicht so schnell verarbeiten.”
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