Exkursion zu innovativen Technologien

Von: Svenja Pesch
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Pionier in der Windenergiegewinnung: der Windpark Vetschau. Schon seit Anfang der 1990er Jahre wird hier Strom erzeugt. Und hier steht auch eines der wenigen Windräder mit Besucherplattform. Foto: Harald Kroemer
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Auf Energie-Tour: Auf Einladung des Diözesanrates der Katholiken schaute sich diese Gruppe alternative Energiegewinnungssysteme in der Städteregion an. Foto: Svenja Pesch

Städteregion. Vier verschiedene Autos, vier verschiedene Stationen und eine Mission: die Mobilität der Menschen in der Städteregion ökologisch gestalten. Trotz des Scheiterns der Campusbahn in Aachen ist das Vorhaben, sich auf alternative Energien auch im Personenverkehr zu konzentrieren, nicht vom Tisch. Im Gegenteil: Neue ökologische Ansätze sind aktueller und gefragter denn je.

Um einen Einblick in die neuen Entwicklungen zu geben, hat sich der Diözesanrat der Katholiken im Bistum Aachen mit der Initiative Regio-Öl und der EnergieAgentur NRW an der Aktion Auto-Fasten beteiligt. Über den Zeitraum eines guten Monats sind die Teilnehmer aufgefordert, sehr bewusst im Umgang mit dem Auto zu sein. Überflüssige Fahrten sollen ganz vermieden werden. Zu der Aktion zählt auch eine sogenannte Energie-Exkursion, bei der erneuerbare Energien, neue Technologien und Mobilität miteinander verbunden werden. Die Teilnehmer haben sich mit Elektro-, Erdgas- und Hy-bridfahrzeugen auf den Weg gemacht, um innovative Energiesysteme in der Städteregion zu besichtigen.

Zehn Prozent Windkraft

Erste Station ist die Besucherwindkraftanlage Windfang zwischen Aachen-Orsbach und Vetschau, unweit der niederländischen Grenze. Dirk Gier startet sein Hy-bridauto im reinen Elektrobetrieb. Wenn man nicht die vorbeiziehenden Bäume sehen würde, könnte man glatt meinen, man würde sich gar nicht fortbewegen. Kein Rattern des Motors, keine lauten Startgeräusche. Fast wie schwebend. Gier nutzt den Wagen überwiegend für kurze Strecken: „Im reinen Elektrobetrieb schafft man 40 bis 50 Kilometer, was in der Stadt ideal ist. Das Auto kann von einem Benzinmotor unterstützt werden, mit dem man dann auch 453 Kilometer schaffen kann.“

80 Prozent der Strecken werden nur elektrisch gefahren, aber bei längeren Entfernungen wird nicht auf Benzin verzichtet. Vier Stunden dauert es im Schnitt, das Auto wieder aufzuladen und ein Akku reicht bis zu zehn Jahren. Soweit scheint das Hybridauto eine echte Alternative zu sein, aber der Preis von knapp 50.000 Euro schreckt viele ab. Auch wenn der Unterhalt den Verbraucher nur ein Viertel vom reinen Benzinerauto kostet, rentiert sich die Anschaffung erst nach gut zehn Jahren.

Bei der Ankunft auf leisen Rädern an der Besucherwindkraftanlage Windfang, weht allen ein starker Wind um die Nase. Dr. Horst Kluttig, Betreiber und Planer der Anlage, freut sich über den „energiebringenden“ Tag: „Normalerweise gewinnen wir bundesweit zehn Prozent des gesamten Verbrauchs aus Windenergien, bei dem starken Wind heute sind es sogar 25 Prozent.“ Die neun Windanlagen auf der Aachener Seite und die drei auf niederländischer Seite erzeugen je drei Millionen Kilowattstunden im Jahr.

Kluttig erklärt derweil die Sicherheitsvorkehrungen, die beim Betreten des Windturms berücksichtigt werden müssen. 300 Stufen müssen bezwungen werden, bevor man die tolle Aussicht auf 62 Metern Höhe in der Kuppel des Windturms genießen kann. Der Wind ist so stark, dass der Turm immer wieder leicht nach rechts und links schwankt. Nach dem atemberaubenden Ausblick sind alle Exkursionsteilnehmer froh, nach der Kälte wieder im warmen Auto zu sitzen, was die Gruppe zur zweiten Station bringt.

Die Route führt nach Eschweiler zum Blockheizkraftwerk der Evangelischen Kirchengemeinde Weisweiler. Dort produziert die Gemeinde ihren eigenen umweltverträglichen Strom. Dr. Detlef von Brandt, Presbyter und Küster erklärt: „2002 haben wir eine Photovoltaikanlage auf dem Dach angebracht, und unser Blockheizkraftwerk mit Flüssigerdgas betriebenem Verbrennungsmotor sorgt dafür, dass wir Strom produzieren und die dabei entstehende Abwärme zum Heizen nutzen können.“

Von Eschweiler aus geht es weiter nach Stolberg. Im Pflanzenöl-Auto. Pflanzenöl-Auto? „Zuhause habe ich noch reichlich davon, kann ich das in den Tank kippen?“ Diese Frage hört Karl-Josef Dauvermann immer wieder. Und tatsächlich, man kann mit dem Speiseöl von zu Hause Autos antreiben. Allerdings wäre das nicht sonderlich wirtschaftlich. Doch Wirtschaftlichkeit ist insgesamt ein Problem dieses Autotyps. Er kann zwar genauso weit fahren wie die Benzinerautos, aber in der Produktion ist es deutlich teurer.

In Stolberg angekommen, erklärt ein Dirk Gier von „Sotech – Solaranlagen und Elektroinstallationen“, wie man mit Hilfe der Sonne den eigenen Strom erzeugen und nutzen kann. Denn eine Solarstromanlage liefert dem Verbraucher nicht nur saubere, sondern vor allem umweltfreundlichen Strom.

Und etwas für die Umwelt tun möchten die Teilnehmer alle. Viele möchten sich auf der Exkursion über Neuheiten informieren, die für sie persönlich interessant sein könnten, andere wiederum sind einfach neugierig, was es in dem Bereich an Möglichkeiten gibt. Bei der „Street Scooter GmbH“ in Aachen, der letzten Station der Tour, erklärt Sascha Stehmann die Vorteile der kleinen Flitzer: „Bei den Streetscootern handelt es sich um ein emissionsfreies Fahrzeug, das eine Reichweite von 45 bis 130 Kilometern besitzt. Der Grundpreis liegt bei 5000 Euro exklusiv der Batterie. Es ist ideal für den Stadtverkehr und braucht fünf bis sechs Stunden, ehe es komplett aufgeladen ist.“ Von der Idee und dem Konzept ist auch die Deutsche Post überzeugt und hat viele ihrer großen Lieferwagen gegen ein auf elektrischen Betrieb umgestaltetes kleineres Auto eingetauscht.

Am Ende der Exkursion richten sich viele Teilnehmer in Gedanken schon das Solardach über dem heimischen Wohnzimmer ein. Die Informationen, die sie erhalten haben, und die Tatsache, dass man aktiv etwas für die Umwelt und das Klima machen kann, sorgen für Motivation und den Willen, auch in Zukunft bewusster mit dem Thema umzugehen. Eben viele Ideen, viele Möglichkeiten und ein Ziel: die Infrastruktur ökologisch gestalten.

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