Exklusive und seltene Klänge im Krönungssaal

Von: Gerhard W. Kluth
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Aachen. Weihnachten steht vor der Tür – und viele Menschen machen sich darüber Gedanken, was sie verschenken sollen. Manche entscheiden sich für etwas praktisches, andere sind auf der Suche nach dem Besonderen. Auch Dirigent Reinmar Neuner und das Aachener Kammerorchester (AKO) hatten sich in dieser Richtung etwas überlegt.

Das Programm des Weihnachtskonzertes im Krönungssaal des Aachener Rathauses am vergangenen Samstag war etwas Besonderes.

Enthielt es doch mit Max Regers „Variationen und Fuge über ein Thema von Mozart“ die Komposition eines Meisters, den man nicht häufig im Konzertsaal erleben kann. Mit dem Violinkonzert D-Dur von Johannes Brahms befand sich aber noch mehr in dem Weihnachtspäckchen. Dieses Opus 77 entpuppte sich, so wie es vom Solisten Felix Giglberger an der Geige interpretiert wurde, ebenfalls als etwas Exklusives, auch wenn man dem Konzert keinen Seltenheitsstatus zubilligen kann.

Keine wahnwitzigen Tempi

Für alle, die bei Solokonzerten wahnwitzige Tempi und andere akrobatische Einlagen erwarten, ist das Brahms‘sche Meisterwerk eher eine Enttäuschung. Wenngleich der gebürtige Hamburger an den Solisten hohe technische Anforderungen stellt, so unterlässt er es doch, ihn über die Saiten zu jagen oder zirkusreif mit dem Bogen zu agieren. Die Schönheit, das Besondere dieses Werkes liegt an anderen Stellen verborgen.

Etwa in der Lyrik, der Sanglichkeit, in der sich der Interpret versenken kann. Und genau das tat Giglberger. Mit wundervollem Ton schälte er den kantablen Charakter des Konzertes heraus und verstand es, sein Publikum zu verzaubern. Der erste Konzertmeister des Aachener Sinfonieorchesters belegte mehr als deutlich, dass er in der Welt von Brahms zuhause ist. Besonders schön gelang ihm das im zweiten, langsamen Satz, als er die exzellent vorgetragene Vorlage der Oboe aufnahm und die darin verborgenen Empfindungen freilegte.

Präzise und engagiert

Giglberger konnte dies gelingen, weil er mit dem AKO einen weitestgehend verlässlichen Partner hatte, der unter dem klaren Dirigat von Neuner eine zuverlässige Plattform bildete. Präzise und engagiert widmeten sich die Musiker ihrem Part. Einzig in der Dynamik fehlte in dem für diese Musik ohnehin nicht ganz unproblematischen Krönungssaal ein wenig der letzte Schliff. Mehr noch als bei Brahms wurde dies bei Reger hörbar.

Gerade bei diesem Komponisten, der nicht selten mit Angaben wie einem vierfachen Piano arbeitet, ist das feinste Austarieren der Klangstärken insgesamt und unter den einzelnen Registern unabdingbar. Trotz dieser Schwächen aber verdiente die Leistung des AKO hohe Anerkennung, mit der die Zuhörer nicht geizten. Zu Recht.

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