Et Lulluuche es em Suermondt-Ludwig

Von: Georg Dünnwald
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Buchvorstellung Suermondt-Ludwig-Museum.Im Bild v.l. Michael Rief, Museumsdirektor Peter von den Brink,Joachim Rönneper,Georg Kohlen und Hans-Josef Thout. rat_Buchvorstellung. 1

Aachen. Weiß einer was „Lulluuche“ ist, oder „Krakiel“? Nein, dann nicht wie hin zum Suermondt-Ludwig-Museum und nicht nicht die ständige Ausstellung ansehen, sondern vorher an der Kasse ein gerade erschienenes Buch für schlappe 14,95 Euro kaufen. Nämlich „Museum op Platt“.

Das Werk haben Georg Kohlen und Joachim Rönneper zusammengestellt und dabei auf Fotos von Anne Gold zurückgegriffen. 101 Kunstwerke, besser Details daraus, werden vorgestellt. Und zwar in alphabetischer Reihenfolge.„Wir sind froh, dass wir in unserem Geschenkeshop das Buch anbieten können“, sagt Sammlungen-Kustos Michael Rief und lobt den Museumsführer in höchsten Tönen.

Der aus Tirol stammende Kustos schwärmt: „In der Aachener Mundart kann doch vieles sehr treffend ausgedrückt werden.“ Museumschef Peter van den Brink bestätigt: „So kann man Kunst auch unterbringen.“ Und zwar im Detail. Denn die Fotos von Anne Gold zeigen Ausschnitte von den Meisterwerken, darunter stehen dann Worte wie „Lejjer“ (Leiter), und zwar nicht nur auf Öcher Platt, sondern kleiner darunter in Hochdeutsch, Englisch, Französisch, niederländisch und im vermutlich besten Mandarin-Chinesisch, „für die Freunde aus Ningbo“, (van den Brink). Das Gemälde zeigt eine Kreuzigungsszene, gefertigt in der Werkstatt Cornelis Engedrechtsz mit dem Titel „Beweinung“, das um 1520 gemalt wurde.

„Mit den Bildausschnitten kann man in den Museumsräumen auch eine Art Schnitzeljagd ausrichten“, ist Joachim Rönneper überzeugt. Denn anhand der Ausschnitte könnten die Besucher mit einigen Mühen tatsächlich das Originalbild finden. So wie beim Stichwort „Peäd“ (Pferd). Ein Spielzeugpferd wird dargestellt, entnommen dem Werk Friedrich Thomas‘ aus dem Jahr 1853. Das Original zeigt eine Kindergruppe, im Hintergrund ist die Abtei Burscheid zu sehen, das Pferd klein, unten links in der Ecke.

Eher deftiger Ausdruck

Kohlen und Rönneper scheuen auch vor eher deftigen Ausdrücken nicht zurück. Marten de Vos „Segnendes Christuskind“ wird im Buch als „Piimel“ erwähnt, weil nur die Partie rund um den Penis des kleinen Erlösers als Detail gezeigt wird.

„Wir haben Anfang 2012 mit dem Buch begonnen, jetzt liegt es endlich vor“, erzählt Kohlen. Beide können kein Aachener Platt, deshalb haben sie sich vom Verein Öcher Platt beraten lassen und auf die Schreibweise von Prof. Will Hermanns verlassen. Beide Autoren haben aber eine langjährige Beziehung zu Aachen, denn beide haben das Bischöfliche Pius-Gymnasium besucht und im seinerzeit noch existierenden Internat untergebracht. Kohlen ist Jahrgang 1955, Rönneper Jahrgang 1958.

Und beide haben gemeinsam zwei ähnlich Werke zusammengestellt. Und zwar über Details aus dem Kunsthistorischen Museum in Wien und dem Wallraf-richartz-Museum in Köln, Ebenfalls mit Dialekt-Erklärungen. „Eines ist mir aufgefallen. Das Öcher Platt ist reich an Wörtern“, hat Rönneper festgestellt.

Übrigens: Lulluuche heißt auf Hochdeutsch Kleinkind, Krakiel beschreibt einen saftigen Streit.

„Museum op Öcher Platt“, Emons-Verlag, Köln, 240 Seiten, ISBN 978-3-95451-105- 14,95 Euro.

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