Essen im Altenheim: Drei leckere Gänge für ein paar Euro

Von: Benjamin Jansen
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Die gute Seele des Altenheims St. Elisabeth gibt auch Gertrud Pitz (r.) gerne mal einen Nachschlag. Deshalb steht Sigrid Starke (l.) in der Gunst der Heimbewohner ganz weit oben. Foto: Harald Krömer

Aachen. Der Tafel am Haupteingang schenken Eckhard und Simone Kroll nur kurz Beachtung. Denn der Speiseplan, der in der Kantine des Altenheims St. Elisabeth ausliegt, hat dem Ehepaar aus Kelmis bereits in der Vorwoche verraten, welches Drei-Gänge-Menü heute zum Schnäppchenpreis von 4,80 Euro angeboten wird: Selleriecremesuppe, Sauerbraten mit Klößen und Rotkohl, Christbirne mit Zimtjoghurt.

„Für den Preis können wir zu Hause nicht kochen”, sagt Simone Kroll nach der ersten Kostprobe der Suppe, „außerdem schmeckt das Essen immer sehr lecker”.

Seit der Modernisierung des Caritas-Altenheims an der Welkenrather Straße profitieren nicht nur die Heimbewohner von dem guten Essen, das hier Tag für Tag serviert wird. „Wir haben uns bewusst dafür entschieden, ein offenes Angebot daraus zu machen”, sagt Einrichtungsleiter Peter Rode. Denn: „Unser guter Ruf beim Essen kann uns in Zukunft neue Heimbewohner einbringen.” Eine zusätzliche Einnahmequelle tut sich dadurch allerdings nicht auf. „Dafür ist der Preis zu niedrig. Es ist eher ein Zuschussgeschäft”, sagt Rode.

Für den Preis und die Qualität des Essens ist Achim Schaumann verantwortlich. Er schwingt den Kochlöffel in der Küche des Altenheims. 160 bis 190 Essen stellt er jeden Tag bereit, „mittwochs, am Schnitzeltag, sind es sogar noch ein paar mehr.” Der Großteil wird für die Heimbewohner produziert. Doch auch das Ehepaar Kroll und viele weitere Rentner, junge Familien und Studenten schauen ein paar Mal in der Woche vorbei und lassen sich das Drei-Gänge-Menü schmecken.

„War alles in Ordnung?”, fragt Sigrid Starke ihre beiden Stammgäste aus Kelmis. Sie ist die gute Seele des Hauses und immer gerne bereit, einen Nachschlag zu geben. Denn mit knurrendem Magen soll keiner vom Tisch aufstehen. „Ja, sehr gut”, lobt Simone Kroll. „Das Personal ist sehr freundlich”, sagt sie. „Deshalb kommen wir auch immer wieder hierher. Da unsere Kinder in Aachen leben, bietet es sich an, ab und zu über die Grenze zu fahren und hier zu Mittag zu essen.”

Über die Grenze müssen Max Linder und seine kleine Gruppe nicht fahren. Ein paar kommen aus Forst, andere nehmen den Bus aus der Innenstadt. Die Linie 75 hält direkt vor der Tür. Fast jeden Tag sitzen die sieben alleinstehenden Senioren pünktlich um 12 Uhr an ihrem Stammplatz. Dem Platz am Fenster, unter dem Weihnachtsschmuck und mit der besten Aussicht auf das muntere Schneetreiben.

„Die Atmosphäre gefällt uns sehr gut. Außerdem können wir hier wunderbar klönen, und das Essen ist auch klasse”, schwärmt der „Hahn im Korb”. Sechs Frauen hat der Rentner um sich gescharrt, „zwei davon haben wir erst durch Tischnachbarschaft kennengelernt”. Das ist kein Einzelfall im Altenheim St. Elisabeth. Die Stammgäste kennen sich, „mit einigen Heimbewohnern sind wir mittlerweile sogar befreundet”. Bei einem Tässchen Kaffee kommt man schnell ins Gespräch.

Die Stammgruppe von Max Linder kennt auch das Ehepaar Kroll. „Einen schönen Tag noch”, wünscht der Rentner den beiden beim Verlassen des Altenheims und klopft auf den Tisch. „Bis bald.” Es wird vermutlich nicht das letzte Mal sein, dass man sich dort gesehen hat.
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