Es ist vollbracht: Die „Sperrmüllgerechtigkeit” kommt

Von: Alfred Stoffels
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Haufenweise Probleme: Der Stadtbetrieb will die Sperrmüllabfuhr in den Bezirken auf Terminvergabe umstellen - und das System damit dem der Innenstadt anpassen. Unter anderem soll das wegen hoher Kosten, Ungleichbehandlung und der „organisierten Sperrmüllberaubung” Foto: Michael Jaspers

Aachen. Mit Ausnahme der Kollegen von der FDP beschlossen die Aachener Ratsmitglieder am Mittwochabend, für mehr „Sperrmüllgerechtigkeit” zu sorgen, wie es ein Kommunalpolitiker leicht genervt nannte.

Seit Wochen schon beschäftigen sich die so genannten Gremien mit der Frage, ob der ausgesonderte Krempel in den Außenbezirken auf die gleiche Weise entsorgt werden soll wie schon immer in der Innenstadt - per vorherigem Anruf beim Stadtbetrieb nämlich. Seit Mittwoch steht fest: Er soll.

Mehrere Bezirksvertretungen hatten zuvor Bedenken angemeldet, ob diese Änderung denn auch sinnvoll sei. Bis dato ist es so, dass in den Bezirken an einem bestimmten Tag der Sperrmüll abgeholt wird - was dann am Straßenrand steht, wird mitgenommen. Von dieser nonchalanten Regelung wollte man vielerorts nicht lassen, obwohl es die teurere Variante ist, wie mehrfach betont wurde.

Besonders die Liberalen legten sich erneut mächtig ins Zeug zwecks Beibehaltung der bestehenden Verhältnisse. Ratsherr Peter Blum erklärte, der Vorgang könne die Politikverdrossenheit fördern, im Übrigen erinnerten ihn die Argumente des Stadtbetriebs an Vorgänge bei der Post: Dort heiße es bei Filialschließungen auch immer, dadurch werde der Service besser.

Zuvor hatte Claus Haase (SPD), Vorsitzender des zuständigen Ausschusses, darauf hingewiesen, dass 160000 Bewohner der Innenstadt kein anderes System kennen würden als jenes mit dem Vorher-Anrufen, „und es funktioniert”. Ähnlich äußerte sich Achim Ferrari für die Grünen.

Im Gegensatz zu seinem Amtskollegen Eberhard Büchel, Bezirksbürgermeister von Kornelimünster-Walheim, bekundete Ferdinand Corsten (ebenfalls CDU) für seinen Heimatbezirk Haaren Einverständnis mit den neuen Modalitäten. „Aus logistischen Gründen” sei es vernünftig, dem Stadtbetrieb vorher mitzuteilen, ob man eine ganze Küche oder nur ein paar Gerätschaften vors Haus zu stellen gedenke. Wahr sei, dass es Ablehnung gebe - „aber alle Änderungen machen erst einmal Angst”.

CDU-Fraktionschef Harald Baal ging selbst in die Bütt, um der Novität Bahn zu brechen. Eines seiner Argumente: „In Eilendorf wird immer montags entsorgt. Die Leute stellen dann schon samstags ihre Sachen raus”, was natürlich kein erhebender Anblick sei über ein ganzes Wochenende hinweg. Büchel, in dessen Heimatbezirk donnerstags abgefahren wird, teilte mit, er habe noch nie eine „Vermüllung” registriert. Worauf ihm ein mehrstimmig-freudiges „Das können wir ändern” entgegenscholl.

Zuvor, bei der Debatte über die Friedhofssatzung, hatte UWG-Ratsherr Horst Schnitzler einmal mehr verlangt, bei Einäscherungen sollten Zahngold und andere Wertsachen zwecks Weiterverkauf entnommen werden. Das brachte ihm aus der Mitte des Rates den Vorwurf der „Geschmacklosigkeit” ein, und die Beigeordnete Annekathrin Grehling sagte: „Ich bin als Kämmerin geldgierig, an der Stelle aber nicht.” Verstorbene Menschen dürften nicht „auf ihren Wert für den Haushalt hinterfragt werden”.
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