Es gibt noch zwei große Knackpunkte

Von: Achim Kaiser
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Aachen. Land ist durchaus in Sicht, von Rettung zu sprechen wäre aber verfrüht. Die wirtschaftliche Situation und Perspektive des Fußball-Zweitligisten Alemannia Aachen bereitet der Politik weiterhin Kopfzerbrechen.

Denn entscheidende Fragen können derzeit noch nicht hinlänglich beantwortet werden: Gelingt es der Alemannia, die jährlichen Belastungen für den Stadionneubau auf knapp unter zwei Millionen Euro zu drücken? Wer kann die im Jahr 2013 fälligen Fan-Anleihen in Höhe von rund 4,2 Millionen Euro zurückzahlen?

Und schnellstens muss eine Einigung her mit dem Bauunternehmer Walter Hellmich, der zugleich auch Darlehensgeber mit hohen Zinssätzen ist. Die Stadt, seine Bau-Gruppe und die Alemannia erheben gegenseitige Forderungen, bisherige Verhandlungen scheiterten.

„Wenn es keine Einigung mit Hellmich gibt, könnte Alemannias Rettung daran scheitern”, sagt Oberbürgermeister Marcel Philipp. Allerdings würde der Bauunternehmer im Falle einer Alemannia-Insolvenz mehr oder weniger leer ausgehen.

Dennoch: „Hellmichs Vorstellungen sind derzeit nicht realistisch”, sagt SPD-Fraktionsvorsitzender Heiner Höfken. Aber auch die Gespräche mit der Bezirks- und Landesregierung werden zunehmend komplizierter, gesteht der OB.

CDU-Fraktionsvorsitzender Harald Baal hat jedenfalls von der Verwaltungsspitze die Botschaft erhalten, „dass es ein Konstrukt gibt, das fast schon zum Erreichen der Schwellmarke führt”. Das heißt, bei diesem vorgestellten Modell der Umfinanzierung läge die jährliche Belastung der Alemannia knapp über zwei Millionen Euro.

Vorausgesetzt, die Verhandlungen mit Hellmich enden positiv. Allerdings müssten die Kosten noch um weitere etwa 200.000 Euro jährlich in Alemannias Kalkulation gesenkt werden. Wie das funktionieren soll, ist offen.

Was die Fan-Anleihen betrifft, könnte sich SPD-Fraktionschef Höfken eine „Verlängerung gegen einen geringeren Zins” vorstellen. Sonst müssten Stadt und Aachen-Münchener als Hauptgläubiger einsteigen.

Für die AM wäre in diesem Fall der Weg frei für die Namensrechte des Tivoli. Aber auch für einen privaten Investor, der gewillt wäre, die Summe in Höhe von 4,2 Millionen Euro zu übernehmen, wäre der Weg frei.

„Realistische Chance”

„Es gibt eine durchaus realistische Chance, dass die Verwaltung dem Rat ein Konstrukt vorlegt, über das abgestimmt werden kann”, ist CDU-Fraktionsvorsitzender Baal überzeugt.

Aber erst wenn das Paket geschnürt ist, könne man es bewerten. Ein Risiko bliebe jedoch immer, und zwar im Falle des Alemannia-Abstiegs in die dritte Liga, sagen Baal und Höfken unisono.

Sollte dem Rat - voraussichtlich am 7. März - tatsächlich ein Rettungskonzept vorgelegt werden, müssten seine Mitglieder darüber entscheiden, welches Risiko sie mittragen wollen. Es gibt zwei Horrorszenarien: Im Fall von Alemannias Insolvenz müsste die Stadt mit einer Einmalzahlung von rund vier bis fünf Millionen Euro sowie eine Dauerzahlung über zig Jahre hinweg in Höhe von mehr als einer halben Million Euro rechnen.

Steigt die Alemannia ab, müsste die Stadt den Drittligisten jährlich mit rund 1,5 Millionen Euro unterstützen - bis zu seinem möglichen Wiederaufstieg.

„Es wird eine schwierige Diskussion”, heißt es seitens der Parteien. Und so wollen alle Fraktionen die Abstimmung in der Sitzung am 7. März wohl freigeben und jedem Ratsmitglied die Entscheidung selbst überlassen.

OB Marcel Philipp wird am Dienstag, 31. Januar, bei der AN-Aktion „time 2 talk” ausführlich zur Rettung des Zweitligisten Auskunft geben.

Bei dem Alemannia-Talk sind außerdem noch Trainer Friedhelm Funkel, die Geschäftsführer Erik Meijer und Frithjof Kraemer sowie die beiden Spieler Albert Streit und Kim Falkenberg dabei.

Der Termin: „time 2 talk” am 31. Januar um 19 Uhr im Sportpark Kohlscheid, Kaiserstraße 96. Der Eintritt ist frei.

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