Aachen - Es bleibt dabei: Platanen weichen

AN App

Es bleibt dabei: Platanen weichen

Von: Heiner Hautermans
Letzte Aktualisierung:
Die schwarz-grüne Ratsmehrhei
Die schwarz-grüne Ratsmehrheit rückt von den Umgestaltungsplänen für den Templergraben nicht ab. Die 33 Platanen rechts und entlang der Fahrbahn müssen folglich der Umgestaltung Foto: Ralf Roeger

Aachen. Schwarz-Grün fühlt sich missverstanden: Die mit Verspätung und aus dem Nichts entstandene Diskussion um die Neugestaltung des Templergrabens verenge sich weitgehend auf das Thema Fällen von 33 Platanen, lasse hingegen die wichtigen und übergeordneten Aspekte der Stadtplanung fast völlig außen vor.

Es gehe um nichts weniger als um ein neues Entree für die 30.000 Studenten der Exzellenz-Uni, ein für Aachen gar revolutionäres Projekt, meinte etwa der planungspolitische Sprecher der Grünen, Michael Rau. Schließlich stünden alle Erstsemester ganz zu Beginn des Studiums vor dem Super C oder dem Hauptgebäude.

Den revolutionären Aspekt, genannt Shared Space, erläuterte in einem Pressegespräch Roland Jahn, der grüne Vorsitzende des Mobilitätsausschusses. Messungen im Jahr 2009 hätten ergeben, dass sich auf dem Templergraben doppelt so viele Fußgänger und Radfahrer bewegten wie Kfz-Fahrer. Deshalb sei eine Zeit lang ernsthaft über die Sperrung des Templergrabens für den Individualverkehr nachgedacht worden, gefordert seinerzeit auch von der Hochschulleitung. Als klar wurde, dass dies erhebliche Konsequenzen nach sich ziehen würde, weil sich der Verkehr neue Wege suchen würde, kam die Idee des Shared Space auf, auch Gemeinschaftsstraße genannt.

Alle Verkehrsteilnehmer sind dort gleichberechtigt, teilen sich die fast höhengleiche Fahrbahn, die durch keine Ampeln, Verkehrsschilder oder Zebrastreifen reguliert würden. Jeder muss auf jeden achten, niemand hat Vorfahrt, die einzige Regel, die es zu beachten gilt, ist das Rechts-vor links-Gebot. Die Idee, 1985 in den Niederlanden geboren, sei inzwischen in vielen Städten verwirklicht worden, mit guten und durchaus überraschenden Erfahrungen. So sinke die Zahl der Unfälle, und obwohl die Geschwindigkeit der Fahrzeuge niedriger sei, bleibe die Leistungsfähigkeit der Straße erhalten: Der Verkehr fließe zwar langsam, aber kontinuierlich.

Voraussetzung aber für die gegenseitige Rücksichtnahme ist das wechselseitige Sehen und Gesehenwerden. Und schon ist man bei den Platanen am Straßenrand, die genau diese notwendige Voraussetzung einschränken würden.

Das ursprünglich vier mal vier Bäume große Karree vor dem Kármán-Auditorium müsse wegen der Höhensituation gefällt werden. Das gesamte Gelände zwischen Hauptgebäude, Super C und Kármán-Auditorium soll zu einem einheitlichen Platz umgestaltet werden, um den zentralen Bereich der Hochschule mit Verwaltung und Rektorat mit dem historischen Herzen der Innenstadt zu verbinden.

Dieser Platz müsse von oben her mit einem sanften Gefälle versehen werden, was in Höhe der Karree-Bäume zu einem Bodenauftrag von mehr als einem halben Meter führen würde. Diese Prozedur würden sie wahrscheinlich nicht überstehen, so dass man sich für die Neuanpflanzung von drei mal drei Schirmplatanen entschieden habe. Diese werden allerdings etwas zur Seite gerückt, um die Sicht auf Dom und Rathaus freizuhalten.

Es tue auch ihr in der Seele weh, dass die Bäume gefällt werden müssten, doch man habe keine Wahl, wenn sie Fußgänger gefährdeten, erklärte Gaby Breuer (CDU).

Maike Schlick (Grüne) verwies darauf, dass die Beschlüsse schon 2009 gefasst worden seien und sich viele Bürger erst jetzt zu Wort meldeten: „Es kann nicht sein, dass eine Stadt immer wieder neu planen muss.” Es handele sich, so Rau weiter, um eine sehr schöne Planung, die man sich auch nicht von den Linken madig lasse mache, deren Einsatz für die Platanen ein „völlig durchsichtiges Manöver” seien.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert