Erzieher: Vom Traumberuf zum Knochenjob

Von: Jule Klieser
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Aachen. Laut einer Umfrage des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) können sich nur 26 Prozent aller Erzieherinnen vorstellen, ihren Beruf bis zum Rentenalter auszuüben. „Die meisten fühlen sich mit 50 schon so kaputt, dass sie nicht wissen, ob sie die Belastung bis 67 aushalten“, sagte Karola Hoch, Personalratsvorsitzende der Stadt Aachen.

Sie sprach am Rande einer Auftaktveranstaltung, zu der 800 Mitarbeiterinnen aus allen 57 städtischen Kindertageseinrichtungen ins Eurogress gekommen waren.

Vorgestellt wurde der Start einer Befragungsaktion, die eine betriebliche Kommission für Gesundheitsförderung und Gesundheitsschutz im Sozial- und Erziehungsdienst initiiert hat, damit Bewegung in die Forderungen der Berufsgruppe nach besseren Arbeitsbedingungen kommt. Der Kommission gehören Vertreter des Personalrats und verschiedener städtischer Fachbereiche an. Zur Hälfte ist die Arbeitgeberseite vertreten.

Das Ziel der Veranstaltung sei es „die uns anvertrauten Kinder zu stärken und sie liebevoll in eine gute Zukunft zu begleiten“, sagte Personal- und Organisationsdezernent Lothar Barth in seiner Ansprache. „Nur wer Kraft und Zeit hat, kann Liebe geben.“

Der Dezernent sagte die Schaffung von 15 neuen Stellen zu. Außerdem wolle der Oberbürgermeister 700.000 Euro bereitstellen für die Finanzierung von Küchenkräften. Es sei nicht zielführend, dass gut ausgebildete Erzieherinnen viele Stunden pro Woche in der Küche verbringen.

„Die Tätigkeit hat sich in vielen Fällen vom Traumberuf zum Knochenjob entwickelt“, spornte Karola Hoch ihre Zuhörerinnen an. Die schlechten Arbeitsbedingungen in dem Beruf seien an den Fehlzeiten ersichtlich. Lärm, häufiges Auftreten von Infektionskrankheiten, Zeitdruck, Hektik, hoher Leistungsanspruch, hohe Arbeitsbelastung wegen Personalmangels nannte sie als einige der Faktoren, die auf Dauer krank machen können.

Dass etwas passieren muss für die Gesundheit der Erzieherinnen, steht im Tarifvertrag vom November 2009, den sich die Berufsgruppe unter anderem mit Hilfe eines Streiks erkämpft hatte. Nun soll es an die Umsetzung gehen. Als erste Maßnahme soll die Mitarbeiterbefragung Klarheit über Belastungen am Arbeitsplatz und deren Auswirkungen bringen und so die Grundlage für weiteres Vorgehen bilden.

Als Kooperationspartner der Kommission organisiert die Barmer Ersatzkasse (BEK) die Fragebogenaktion und deren Auswertung, damit eine Institution von außen für Anonymität und Neutralität in dem Prozess sorgt.

Bei der Veranstaltung im Euro­gress sind alle Erzieherinnen mit dem siebenseitigen Fragewerk ausgestattet worden. Anonym können die Mitarbeiterinnen von Kitas per Ankreuzverfahren differenziert über gesundheitliche Beschwerden, psychische und physische Belastungen am Arbeitsplatz Auskunft geben.

Nach Nacken-, Schulter oder Kreuzschmerzen, Herzbeschwerden, Kopfschmerzen und Schlafstörungen wird unter anderem gefragt, aber auch danach, was die Betroffenen selbst für ihre Gesundheit tun. Wie sie die Aufenthaltsqualität der Räume sehen, ob sie mit den Vorgesetzten zurechtkommen, ob die Zusammenarbeit mit dem Team gut organisiert ist, ob es Zukunftssorgen gibt oder der Beruf Freude macht, ist neben anderen Aspekten ebenfalls Gegenstand der Befragung.

„Sie alle sollen sich beteiligen“, appellierte Betriebsärztin Dr. Astrid Brammertz an die zahlreich Erschienenen. Bis 15. Mai haben sie Zeit, den Fragebogen durchzugehen. BEK-Mitarbeiter werden die Angaben nach standardisierten Kriterien auswerten. Anschließend sollen Maßnahmen empfohlen werden. „Sie als Expertinnen sollten mitmachen. Wir können da nur unterstützen“, rief Brammertz die Anwesenden auf. Bis September dieses Jahres soll die Befragung ausgewertet sein.

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