Aachen - Erster Streetscooter hat AC-Kennzeichen

Erster Streetscooter hat AC-Kennzeichen

Von: Heiner Hautermans
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Der in Aachen entwickelte Streetscooter besteht aus 400 Bauteilen wie Stoßdämpfer, Motor, Getriebe oder Frontscheibe, die weitgehend manuell zusammengesetzt werden. Dafür werden derzeit 40 Talbot-Mitarbeiter geschult. Foto: Harald Krömer
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2600 Euro übergaben die Talbot-Mitarbeiter gestern an das Kuratorium der Hospizstiftung Region Aachen (Mitte). Foto: Harald Krömer

Aachen. Zwei Monate steht die Firma Talbot Services nun auf eigenen Füßen, Zeit für eine erste Zwischenbilanz. Die fällt für den Geschäftsführer Dirk Reuters, auch schon Werkleiter bei Bombardier, durchaus positiv aus. „Die Zahlen liegen voll im Plan.“ 280 Mitarbeiter hat er jetzt in Lohn und Brot, inklusive Lehrlingen und befristeten Kräften. Dazu gesellen sich weitere 40 Leiharbeitnehmer und 24 Minijobber, oft ältere ehemalige Mitarbeiter, die jetzt beispielsweise in der Pforte stundenweise tätig sind.

 Diese Arbeiten wurden früher von Fremdfirmen ausgeführt, seien aber wieder in das Traditionsunternehmen übernommen worden, ebenso die Pflege der Grünanlagen und die Reinigung. Insourcing statt Outsourcing. Das sagt viel aus über Betriebskultur bei Talbot. Betriebsratsvorsitzender Josef Kreutz: „Das Angebot der Minijobs ist gut angenommen worden. Die Leute kennen die Firma und identifizieren sich mit ihr.“

Ein wenig von diesem Geist weht auch in der Halle, in der die ersten Streetscooter stehen oder montiert werden. Fast geräuschlos rollt der erste Elektrowagen heran, der mit einem normalen Aachener Kennzeichen eine Straßenzulassung erhalten hat. Mehrere Mitarbeiter der Streetscooter GmbH weisen seit zwei Wochen die Talbötter in die Fertigungsmethoden ein.

Produktionsleiter Tobias Reil: „Die Mitarbeiter, mit denen wir zu tun haben, sind überdurchschnittlich motiviert. Wir befinden uns in der Anlaufphase der Vorserienproduktion.“ 50 speziell auf die Bedürfnisse der Brief- und Paketzustellung ausgerichtete Elektromobile sollen bis Ende des Jahres an die Deutsche Post ausgeliefert werden, um sich dann in Bonn und anderen deutschen Städten dem Alltagstest zu unterziehen. Die Auslieferung der Fahrzeuge an die Post erfolgt nun Schritt um Schritt.

Dabei gebe es im Bau von Schienenfahrzeugen und Elektrofahrzeugen durchaus Ähnlichkeiten, sagt der Produktionsleiter: „Es gibt viele Überschneidungspunkte.“ Bei beiden gibt es „nur“ zehn Montagestationen, bei normalen Autos sind es 100 bis 250. Das bedeutet im Umkehrschluss: Jeder Mitarbeiter muss über höhere Qualifikationen verfügen, weil seine Tätigkeit breiter gefächert ist. 40 Mitarbeiter sollen es im Endstadium einmal werden, die die Elektroautos mit kastenförmigen Aufbau aus 400 Bauteilen zusammenschrauben.

Noch gar nicht so lange ist es her, dass es um das Überleben des Aachener Werkes insgesamt ging, das bekanntlich von Bombardier geschlossen werden sollte. Und als Prof. Günther Schuh, der Initiator des Streetscooter, am Runden Tisch im Rathaus verkündete, er habe vielleicht eine Alternative, erinnert sich Betriebsratsvorsitzender Josef Kreutz, „haben wir ihn für verrückt erklärt“. Aus der Vision ist Wirklichkeit geworden, doch die allein reicht nicht aus, um Talbot Services über Wasser zu halten.

Fertiggestellt werden für Bombardier etwa die Triebwagen ET 430 für den Raum Stuttgart, die Arbeit bis April nächsten Jahres liefern, teilt Geschäftsführer Dirk Reuters mit. Am 16. September starte man in einem neuen Geschäftsfeld: dem Umbau von 22 in die Jahre gekommenen Talent 1. Und in einer weiteren Halle betrete man ebenfalls Neuland: Dort werden Dieselloks im Auftrag einer Firma aus Hattingen auf Vordermann gebracht.

Auch das reicht auf Dauer nicht aus, die neue Firma über Wasser zu halten. Deshalb hat man sich an 44 kleineren und größeren Ausschreibungen beteiligt und hofft darauf, dass möglichst viele Aufträge hereinkommen. Der Schienenfahrzeugbau sei ein zähes Geschäft, meint Reuters: „Von der Angebotsabgabe bis zur Auftragserteilung vergehen oft drei bis vier Monate.“ Und auch der Start sei nicht reibungslos verlaufen: „Am 1. Juli hatten wir kein Telefon und keine EDV.“

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