Aachen - Erste Montags-Demo in Aachen

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Erste Montags-Demo in Aachen

Von: unserem Redakteur Willi Erdweg
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Aachen. Am Anfang schien es nur ein kleines Häuflein zu sein, das sich am Kugelbrunnen sammelte, doch am Ende zogen rund 350 Menschen mit Parolen wie „Hartz IV - stoppen wir” durch die Stadt: Aachen erlebte seine erste „Montags-Demonstration”.

Die auf dem Gebiet der Ex-DDR gestarteten Kundgebungen haben nun auch den äußersten Westen der Republik erreicht: „Wir kommen wieder”, kündigte Andrej Hunko von der „Initiative Montagsdemo in Aachen” an. Künftig will man sich jeden Montag um 18 Uhr am Kugelbrunnen treffen und der von der SPD geführten Regierung, aber auch den Oppositionsparteien CDU und FDP einen „heißen Herbst” bereiten.

Angst vor dem sozialen Nichts

Der Zorn der Menschen über die „Reformen” ist groß. Tief sitzt vor allem die Angst, ins soziale Nichts zu fallen. Dafür steht etwa der frühere Leiter des Drogenkonsumraums am Kaiserplatz. Nachdem Caritas und Diakonie den Raum übernommen hatten, wurde der Sozialarbeiter nach eigenen Angaben arbeitslos und sieht sich vor die Aussicht gestellt, in einem Jahr seine gemeinsam mit der Lebenspartnerin erworbene Eigentumswohnung abgeben zu müssen. Die Agentur für Arbeit habe ihm mitgeteilt, mit 49 Jahren bestände kaum eine Vermittlungschance - ein Schicksal von vielen, das das ZDF am Mittwoch in seinem Mittagsmagazin aufgreifen will.

„Es betrifft alle - auch die Mittelschicht”, so der Sozialarbeiter. Entsprechend sah man unter den Teilnehmern nicht nur das seit Jahren gewohnte „linke” Demonstrations-Publikum, sondern auch einen Personenkreis, der eher mit „bürgerlich” zu beschreiben ist.

„Wirtschaft ist für den Menschen da”

Initiator Andrej Hunko vom Antikriegsbündnis, selbst seit 1. Dezember arbeitlsos, nannte Hartz IV und die Agenda 2010 Ausfluss des Neoliberalismus und einer „menschenfeindlichen Weltwirtschaft”: „Die Wirtschaft ist für die Menschen da, und nicht der Mensch für die Wirtschaft”. Er wandte sich gegen „Umarmungsversuche” durch CDU und FDP, aber auch gegen Spaltungsversuche: „Neonazistische und rassistische Parolen” hätten auf den Montags-Demos keinen Raum. Die Initiative bezeichnete er als partei-unabhängig.

Zu den Teilnehmern am Montagabend gehörten verschiedene Mitglieder der Gewerkschaften, von attac und Aachener Friedenspreis. Nach dem Protestzug sprachen auf dem Markt unter anderem Horst Schnitzler von der Unabhängigen Wählergemeinschaft (UWG) sowie Franz Voigt vom Wahlbündnis Gemeinsam gegen Sozialkahlschlag. Bei der nächsten Demo will man SPD und CDU einen Besuch abstatten. Für den 2. September plant das Wahlbündnis einen Protest vor dem Arbeitsamt.

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