Erst in die Zeit des Ur-Blues, dann zum Sound der Achtziger

Von: Lars Germann
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Aachen. Am kommenden Freitag steht Nostalgie auf dem Programm: Im Franz geben sich Blues Delivery die Ehre und lassen noch einmal den Ur-Blues der ganz alten Tage hochleben. Und im Parkside kredenzen The Yorkshire Indie und Wave, der direkt aus den Achtzigern zu kommen scheint.

Sie interpretieren Stücke von wahren Blues-Legenden und sind doch beinahe selbst schon eine geworden. Blues Delivery um Bandleader Werner Weber und den Blues Harp-Virtuosen Riedel Diegel tingeln bereits seit Ende der 70er Jahre durch die Bluesclubs und Kneipen der Kaiserstadt und dürften jedem Öcher, der sich auch nur entfernt für Blues interessiert, ein Begriff sein.

Nun gibt es Blues-Combos wie Sand am Meer, aber diese ist seit jeher ein Sonderfall und zumindest in der Euregio einmalig. Denn Blues Delivery schwören nicht auf den elektrifizierten Sound, der spätestens seit den 60ern weltweit populär wurde. Vielmehr hat die Aachener Band ihr Heil im Ur-Blues gefunden, der in den 20er und 30er Jahren aus Rag, Cajun und Jazz entstand und den Protagonisten wie Bessie Smith, Ma Rainey und Billie Holiday in den USA populär machten.

Dass Blues Delivery diesen urwüchsigen, authentischen Sound so frisch und mitreißend wiedergeben können, liegt zweifellos an der musikalischen Klasse der Band. Riedel Diegel gewann bereits 1989 die Blues Harp-Weltmeisterschaft von Hohner und spielte mit Größen wie Reinhard Mey, Tommy Engel und Schwoißfuass. Der Gitarrist und Sänger Werner Weber ist ein wahrer Kenner der alten Blues-Klassiker und gibt sie stilecht wieder.

Sängerin Andrea Porten-Thielen verleiht der Musik mit ihrer geschulten, ausdrucksstarken Stimme die Seele. Männi Wotruba an der virtuosen Solo-Gitarre und Lothar Galle-Merkel am bundlosen Bass runden die stimmige Bandbesetzung ab. Ein Schlagzeug brauchen die Musiker genauso wenig wie ihre Vorbilder. Für fähige Gastmusiker -Êunter ihnen Blind John Davis und Götz Alsmann -Êwaren Blues Delivery hingegen immer offen. Wer Lust auf eine kleine Geschichtsstunde (oder auch zwei) in Sachen Blues hat, kann Blues Delivery am Freitag um 20 Uhr im Franz, Franzstraße, erleben. Dort gibt die Combo ein „Blues Harp Special” zum Besten, bei dem Riedel Diegel alle Register seines Könnens ziehen wird.

Die Achtzigerjahre kann man wohl kaum als goldene Epoche des Blues bezeichnen -Êdoch sie hatten andere Qualitäten. Einige davon haben sich die fünf Kölner von The Yorkshire auf die Fahne geschrieben, die ebenfalls am Freitagabend in Aachen aufspielen. Bei ihnen gibt´s eine relativ flockige Mischung aus Indie, Wave und authentischem Achtziger-Sound.

Die Ära der Schulterpolster, Karottenjeans und Achselhaarwuchswettbewerbe übt auf die junge Generation (die das nicht miterleben musste) bereits seit geraumer Zeit eine erstaunliche Faszination aus. Auch die Musik aus jener Zeit wird wiederentdeckt: Synthesizer-Sounds sind angesagter denn je und Bands wie Franz Ferdinand und Maximo Park gelangten in den letzten Jahren mit ihren eindeutigen Referenzen zu Post Punk und Wave zu gehörigem Ruhm.

Was The Yorkshire von solchen Bands unterscheidet, ist dass sie es musikalisch offenbar noch ein wenig ernster meinen. Ihr Sound klingt tatsächlich nach den mittleren Achtzigern und ihr englischer Gesang klingt stellenweise so deutsch, wie es eigentlich nur Mitte der Achtziger im Radio hat klingen dürfen. Dazu gibt es zuckersüße Melodien, zuweilen zwingende Tanzrhythmen, hier und da ein wenig Piano-Kitsch, drahtige E-Gitarren und sehr gefühligen Gesang. Aber natürlich wird bei The Yorkshire auch gerne mal in echter Indie-Manier abgerockt.

Noch eine Geschichtsstunde

Vor gut zwei Jahren taten sich The Yorkshire zusammen und bereits ihre Debüt-EP sorgte bei Fans für Begeisterung. Aktuell stehen die Jungs vor der Fertigstellung ihres Debüt-Albums und viele ihrer neuen Stücke werden sie sicher in Aachen vorstellen. Am Freitagabend steht also noch eine Geschichtsstunde auf dem Programm: Wer die 80er Jahre, wie sie sich in deutschen Indie- und Waveclubs angehört haben könnten, einmal relativ stilecht erleben möchte, dürfte bei The Yorkshire an der richtigen Adresse sein. Ab 20 Uhr sind zudem die Aachener Alternative Rocker von den Mad Squirrels mit von der Partie.

Die Konzerte in den nächsten sieben Tagen

Donnerstag, 6. Mai: Jakobshof: Songwriters Table mit Jan Röttgers, Jan Rudolph und Karl Frenzel, 20 Uhr. Malteserkeller: Kultur-Spielplatz von KingSizeBeats, 20 Uhr.

Freitag, 7. Mai: Musikbunker: Caliban, Callejon, Beast War Returns, Tornapart, A Taste of Broken Glass (Metal, Metalcore), 19.30 Uhr. Franz: Blues Delivery feat. Riedel Diegel (Country-Blues), 20 Uhr.

Parkside: The Yorkshire (Indie, Wave) und Mad Squirrels (Rock), 20 Uhr. Saalbau Rothe Erde: Meikels Baustelle (Musik-Comedy), 20 Uhr.

Samstag, 8. Mai: Musikbunker: Deadline (Oi-Punk), 20 Uhr. Evangelische Freikirchliche Gemeinde: Bruder M. (Pop, Blues, Balladen), 20 Uhr. Gut Obermühle, Horbach: Petra Welteroth und Manfred Hilgers (Chansons, Blues, Jazz), 20 Uhr.

Autonomes Zentrum: Punk-O-Mat (Karaoke-Liveband), Alte Schule Masthorn (Elektropunk), Sadam Comfort (Punkrock), 21 Uhr.

Sonntag, 9. Mai: Kurparkterrassen: Jazzmatinée mit Aix Dixie Connection, 11 Uhr. Aula 1 der RWTH: RWTH BigBand und Brass Band Düren (Swing), 19 Uhr. Martin-Luther-Kirche, Brand: Ensemble Two High (Folk), 19 Uhr. Franz: Michalke & Friends (Jazz), 20 Uhr.

Montag, 10. Mai: Franz: Estilo Cubano (Salsa), 21 Uhr.

Dienstag, 11. Mai: Mobilé St. Donatus, Brand: Emma6 (Pop, Rock, Indie) und Malibu (Rock), 20 Uhr.

Mittwoch, 12. Mai: Musikbunker: Bad Boys for Life, The Bones, Street Dogs, Left Alone, Reno Divorce, The Brains (Punkrock, Rock´n´Roll), 19.30 Uhr. Malteserkeller: Jazzsession mit Spajic-Wachowiak-Connection, 21 Uhr. Jakobshof: Simian Hutch (tropischer Funk-Rock), 22 Uhr.
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