Erst in die Stichwahl, dann über die 50-Prozent-Marke

Von: Martina Feldhaus
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Will sich nicht auffressen lassen: SPD-Mann Björn Jansen geht selbstbewusst und optimistisch in die OB-Wahl.

Aachen. Dass heute auch ein Fototermin ist, weiß Björn Jansen natürlich. Trotzdem hat er sich fürs hellblaue Poloshirt, Jeans und Turnschuhe entschieden. „Ich will mich nicht verkleiden“, sagt der Sozialdemokrat.

Und spricht damit auch zu allen, die seinen Kleidungsstil ab und an für etwas zu sportiv halten. Was soll‘s? Der Sozialdemokrat ist eben erst 36 Jahre alt – und aktuell der einzige ernstzunehmende Herausforderer für Oberbürgermeister Marcel Philipp.

Wie ernst er zu nehmen ist, bringt Jansen gleich mal selbst auf den Punkt. „Wo ich mich sehe? Natürlich vorne“, erklärt er bei kühler Apfelschorle und frischem Spargelsalat in einem modernen Restaurant am Büchel. Er zeigt Selbstbewusstsein. Und das braucht er auch im Wahlkampf. Gerade wenn die niedrigen Prozentzahlen der eigenen Partei bei den Kommunalwahlen 2009 und der hohe Bekanntheitsgrad des direkten Gegners keine einfache Ausgangsbasis bilden.

Realistisch sieht Jansen den amtierenden OB am 25. Mai vorne – und setzt auf die Stichwahl. Erreicht der Christdemokrat Marcel Philipp am Wahltag nicht mehr als 50 Prozent – Jansen geht von maximal 40 aus – geht‘s am 15. Juni in die wieder eingeführte Stichwahl. „Und da kann, da werde ich gewinnen“, sagt Jansen überzeugt. Dafür braucht er natürlich viele Stimmen. Auch aus anderen politischen Lagern.

Auf dem entsprechenden Fang ist er jetzt schon seit mehreren Monaten. Auf die frische Art, genau wie sein Spargelgericht. So hat er sich bei seiner Ehefrau, der SPD-Landtagsabgeordneten Daniela Jansen, ein Erfolgsrezept abgeguckt: Hausbesuche. Mit seinem Wahlteam („wahnsinnig motiviert“) zieht er in den Stadtteilen von Haus zu Haus, zeigt sein Gesicht, bringt sich ins Gespräch, spricht mit den Bürgern in ihren vier Wänden über seine Ideen und Ziele.

Immer leicht ist das nicht, gibt der Sozialdemokrat zu. „Bei Mehrfamilienhäusern ist es wichtig, jemanden im Haus zu kennen. Sonst kommst Du gar nicht erst rein.“ Und drinnen? Da seien die Reaktionen dann recht gemischt, vor allem überrascht. Jansen: „Nach dem ersten Moment finden es die meisten aber toll. Oft kommen direkt Fragen, und ich werde zum Kaffee eingeladen.“

So ist Björn Jansen, der Nicht-Kaffeetrinker, in den letzten Wochen nicht selten in den Genuss des Heißgetränks gekommen. Nein sagen gilt nicht. Stattdessen: Bürgernähe zeigen. Das ist wichtig im Wahlkampf. Bei den Leuten Zuhause ist man eben sehr nah dran. Und muss glaubhaft rüberbringen, dass man es anders kann als Marcel Philipp.

Jansen sieht da viele Ansatzpunkte. Und nennt spontan drei Gründe, warum er der bessere OB wäre. Erstens: Thema interne Organisation. „Im Augenblick haben wir gar keine Verwaltungsleitung.“ Jansen gibt sich angriffslustig – aber stets mit sachlicher Begründung. Darauf legt er Wert.

„Die Dezernate haben sich verselbstständigt. Ich würde sie inhaltlich neu aufstellen“. Vorstellen kann er sich beispielsweise Referenten im OB-Büro, die die einzelnen Dezernate spiegeln. Zweitens: „Ich werde die Tingeltermine aufs Nötigste zurückfahren und stattdessen Entscheidungen treffen.“ Bei der Personalausstattung für Bürgerservice und Aachener Feuerwehrwache habe Philipp „total versagt“. Klare Worte beim Mittagstisch.

Dritter Grund: Jansen will Aachen als Wissenschafts- und Studentenstadt deutlicher positionieren. „In den Hochschulen steckt ein Riesenpotenzial. Die Studenten muss man anders willkommen heißen, mehr wertschätzen.“ Wie? „Durch stadtweit kostenloses WLAN, einen auf Vorlesungen abgestimmten ÖPNV und eine stärkere Förderung des Nachtlebens.“

Auch andere Jansen-Inhalte richten sich – nicht nur – an junge Wähler. Stichwort: Wohnungsbau, also bezahlbarer Wohnraum für Studenten, junge Familien, Alleinerziehende und Ältere. „In den letzten Jahren ist die 20-Prozent-Quote an öffentlich gefördertem Wohnraum nie eingehalten worden. Diese verpennten Jahre sind nur schwer aufzuholen.“ Deshalb lautet die Forderung des 36-Jährigen: Die Stadt muss Wohnraum kaufen.

Familienpolitik

Beim Thema Vereinbarkeit von Familie und Beruf sieht Jansen ebenfalls die öffentliche Hand in der Pflicht. „Betriebskitas finde ich prinzipiell gut. Aber eigentlich ist das Aufgabe der Stadt.“ Auch hätte er gerne das beitragsfreie erste Kitajahr zurück. Familienpolitik beschäftigt den zweifachen Vater ganz persönlich. Dort sieht er große Unterschiede zur CDU: „Sie hat ein ganz anderes Familienbild.“

Davon, dass er die OB-Kandidatur zunächst ausgeschlagen hat, ist längst keine Rede mehr. „Ich wollte immer Oberbürgermeister werden“, sagt er – und genießt den letzten Bissen von seinem Spargelsalat.

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