Aachen - Erst das Zittern, dann bricht der Jubel los

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Erst das Zittern, dann bricht der Jubel los

Von: Christopher Gerards
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„Jaaaaa”: Nach dem Kopfballt
„Jaaaaa”: Nach dem Kopfballtreffer von Mario Gomez bricht überall in der Stadt Jubelstimmung aus - wie hier beim Public Viewing im Ocean in der Pont­straße. Fotos (7): Ralf Roeger Foto: Ralf Roeger

Aachen. Nach dem Abpfiff geben die deutschen Fans Vollgas, buchstäblich. In einem riesigen Autokorso rauschen die Schlachtenbummler hupend über Seil-, Hirsch- und Templergraben, feiern ausgelassen den EM-Eröffnungs-Sieg über Portugal. Ein Zittersieg war es, und umso größer ist die Freude danach.

Bei manchem offenbar zu groß, davon zeugen Menschen, die halb aus den Autos ragend durch die Straßen kurven, dabei ihre Gesundheit riskieren.

Public Viewing in Aachen: An vielen Orten in der Innenstadt trafen sich die deutschen Anhänger am Samstagabend zum Rudelgucken, in Kneipen und Restaurants, auf dem Lousberg, in der Pont­straße. Hatten bei der vergangenen Weltmeisterschaft noch Tausende Fans auf dem Markt gefeiert, herrschte hier diesmal Stille. Grund: Aus finanziellen Gründen verzichteten die Ex-Organisatoren auf ein Public Viewing, es fanden sich nicht genügend Sponsoren.

20 Quadratmeter Leinwand

Aachens größte Leinwand prangt damit in den kommenden Wochen im Innenhof des Kapuzinerkarrees. Die ansässige Werbegemeinschaft hat das gut 20 Quadratmeter große Gerät aufgebaut, und rund 1500 Menschen versammeln sich am Samstagabend auf Steh- und Sitzplätzen unter freiem Himmel.

Pech für die zu spät Kommenden: Weils eine halbe Stunde vor Anpfiff schon brechend voll ist, scheitert mancher Fan an den vielen Ordnungskräften vor den drei Eingängen wie die portugiesischen Angreifer zumeist an der deutschen Innenverteidigung.

Der erste Jubel dann um 20.15 Uhr. Die ARD zeigt den Siegtreffer der dänischen Mannschaft gegen die Holländer, Krohn-Dehli tunnelt Keeper Stekelenburg, was die Anwesenden mit einem freudigen „Heeeey!” quittieren.

Doch dann beginnt mit dem Anpfiff des Deutschland-Spiels das Problem für die erwartungsfrohen Zuschauer, die vor dem Kino auf großes Kino gehofft hatten. Das deutsche Spiel ist bei kühlen Temperaturen wenig erwärmend. „Ooh”-Schreie bei Gomez vergebenen Kopfball gegen Portugals Torwart, „Eey”, wenn Manuel Neuer vom gegnerischen Stürmer gefoult wird, „Pfui”, als Cristiano Ronaldo in Nahaufnahme gezeigt wird. Ansonsten ist die Stimmung bis zum Siegtor gedämpft.

Zwei junge Mädchen flüchten in der Halbzeit, schimpfen vor allem über Angreifer Mario Gomez, „ein Trottel” sei das, dass der überhaupt spiele? Später ist es jener Gomez, der mit seinem entscheidenden Kopfball-Tor dafür sorgt, dass im Kapuzinerkarree und auch in der Pontstraße Jubelstimmung ausbricht, etwa im Ocean, wo die Fans den Sieg friedlich feiern. Für Missstimmung sorgt neben den teils halsbrecherischen Aktionen der Menschen in den Autokorsos das Verhalten mancher in der oberen Pontstraße (siehe Box).

Abgesehen davon herrscht nach dem Spiel überwiegend glückliche Stimmung: „Ich fand das Spiel echt genial. Am Anfang etwas schleppend, aber am Ende einfach super”, jubelt etwa Nicole Claßen (19). Am Mittwoch steht das Duell gegen die Niederlande an. Wie das enden wird, ist für die Aachener Fans keine Frage: „Holland putzen wir weg. Haben wir ja heute gesehen, dass die nichts draufhaben”, ist Kevin Brandstaedter (22) überzeugt. „Wir kommen als Gruppenerster ins Viertelfinale.”

Thomas Coenen (32) geht noch einen Schritt weiter: „Die deutsche Mannschaft kommt relativ weit glaube ich. Wenn wir ein bisschen besser spielen als heute, kommen wir sogar bis ins Finale - und da gewinnen wir natürlich.”

Nichts Gravierendes bei Polizei und Feuerwehr

Einzelne Einsätze und Auseinandersetzungen verzeichnete die Aachener Polizei, beispielsweise in der Pontstraße. Vor einer Gaststätte sei es zu einer Rauferei zwischen drei Personen gekommen, teilte Helmut Robionek von der Leitstelle mit. Nach der Körperverletzung seien einige Platzverweise ausgesprochen worden, außerdem wurden drei Bengalos und ein Breslauer (Bengalfeuer) gezündet. Vorübergehend sei die Pontstraße auch für den Autokorso gesperrt worden.

„Das Übliche, nichts Gravierendes. An jedem Wochenende haben wir mehr im Pontviertel zu tun”, fasste Robionek die Arbeitsbelastung während der Europameisterschaft zusammen. Ähnliches berichtet auch Lagedienstleiter Frank Thelen bei der Feuerwehr: „Es war ruhig am Samstag.”

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