Erinnerung an Aachens Industriegeschichte

Von: Peter Langohr
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Bereits zur Eröffnung am Samstag knubbelten sich die Zuschauer in der ehemaligen Färberei. Zum Auftakt spielte das Theater K Auszüge aus dem Stück „Rebellion“, das ab 19. September im Tuchwerk gespielt wird.
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Industriegeschichte zum Anfassen: Bei Führungen am gestrigen Tag des offenen Denkmals konnten Interessierte alte Webstühle begutachten und viel über ihre Geschichte erfahren. Foto: Heike Lachmann

Aachen. Für das Tuchwerk-Depot in der Stockheider Mühle am Strüverweg ist es ein ereignisreiches Wochenende gewesen. Am Samstag fand zunächst die offizielle Eröffnung statt, und am Sonntag war die Örtlichkeit einer der Schauplätze im Rahmen des Tages des offenen Denkmals.

Offenbar hat die Idee, einen Ort zur Präsentation der Geschichte der Aachener Textilindustrie herzurichten, starken Anklang gefunden, denn an beiden Tagen „knubbelte“ es sich in der ehemaligen Färberei am Wildbach in der Soers.

Bei der von „Nachrichten“-Redakteur Amien Idries moderierten Eröffnung der provisorischen Ausstellung in der rund 1000 Quadratmeter großen Halle wurden sogar die Stühle knapp und etliche Besucher mussten mit Stehplätzen vorlieb nehmen. Für die Stadt Aachen sprach Bürgermeisterin Dr. Margrethe Schmeer (CDU) das Grußwort in Vertretung des Oberbürgermeisters. Sie dankte den beiden „Machern“ des Projekts, Joachim Buhren und Andreas Lorenz, sowie den vielen überaus engagierten ehrenamtlichen Helfern des Vereins Tuchwerk Aachen dafür, dass sie mit dem Depot ein Stück Erinnerungskultur in Aachen im Hinblick auf die örtliche Industriegeschichte ermöglicht hätten. Sie betonte auch, dass das Tuchwerk als außerschulischer Lernort, als großes Kulturhaus und nicht zuletzt zumindest temporär als Spielstätte für das Theater K dient.

Auch Einbindung der Gegenwart

Joachim Buhren, der Vorsitzende des Vereins Aachener Tuchwerk, ließ noch einmal die Stationen der mittlerweile 13-jährigen Geschichte des Vorhabens Revue passieren und zeigte sich erleichtert, dass man nun in der Soers angekommen sei.

Zwar habe man noch keine Ausstellung sondern „nur“ ein Depot, aber die neue Bleibe biete viele Möglichkeiten, ein zeitgemäßes Ausstellungskonzept umzusetzen. Dazu gehöre neben dem Erhalt des industriekulturellen Gedächtnisses auch die Einbindung von Gegenwart und Zukunft der Textilindustrie – etwa in Form von Hightech-Produkten wie sie an den entsprechenden TH-Instituten entwickelt werden.

Immer auch Sozialgeschichte

Mit einem Auszug aus dem neuen Stück „30.08.1830 Rebellion – zu Aachen“ über den Aufstand der Aachener Arbeiter im Jahr 1830, das am kommenden Freitag Premiere hat, gratulierte das Theater K zur Eröffnung und zeigte, dass Industriegeschichte auch immer ein Stück Sozialgeschichte ist.

Im Gespräch mit Gästen aus Kultur, Politik und Verwaltung zum Thema „Industrielles Erbe in der Aachener Region – Aufgabe und Verantwortung“ wurde deutlich, dass mit der Eröffnung des Depots nur ein erster Schritt getan ist und dass es noch großer Anstrengungen und vieler Ideen bedarf, um auf der Grundlage eines tragfähigen Konzepts ein funktionierendes kulturelles Zentrum mit Ausstellung, Museumswerkstätten, Veranstaltungs- oder Tagungsräumen und Gastronomie zu entwickeln.

Hier wiesen vor allem Margrethe Schmeer und SPD-Landtagsmitglied Karl Schultheis darauf hin, das es gelte, vernünftige planerische Grundlagen für das ausgedehnte Gelände zu schaffen, damit der Trägerverein Klarheit habe, was machbar sei. In seinem Schlusswort zeigte Jochen Buhren auf, dass es für die Zukunft darauf ankomme, zu belastbaren Kooperationen zu kommen. Denn nur aus eigener Kraft könne man das Projekt nicht stemmen. Er lud alle Interessierten ein, als Sponsoren, als Vereinsmitglieder, als ehrenamtliche Mitarbeiter oder als Spender an dessen Gelingen mitzuarbeiten.

Experten erklären am Webstuhl

Eng ging es auch am Tag des offenen Denkmals zu, als sich bis zu 150 Besucher gleichzeitig in der ehemaligen Appreturhalle zwischen den zum Teil gewaltigen Maschinen drängelten und sich von Experten beispielsweise an einem Jacquard-Webstuhl – auch für Laien verständlich – in die Geheimnisse der Tuchherstellung einweihen ließen.

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