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Erhöhte PCB-Werte im Blut von Philips-Mitarbeitern

Von: Heiner Hautermans
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Nils Hederich hat das Gebäude VM 1 im Industriepark Rothe Erde untersucht und die PCB-Belastungen festgestellt. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Erhöhte Werte des 1978 verbotenen Weichmachers PCB sind im Blut von 17 Philips-Mitarbeitern in Rothe Erde gefunden worden. Das in den frühen 70er Jahren errichtete Gebäude wurde von dem 2004 geschlossenen Bildröhrenwerk genutzt, stand einige Jahre leer und wurde ab 2007 durch Philips Light genutzt.

Im selben Jahr wurde der gesamte Industriepark Rothe Erde von Philips an einen britischen Investor verkauft. In dem Vertrag wurde vereinbart, dass der niederländische Konzern für alle Altlasten auf dem Riesengelände aufkommt. Zunächst gefunden wurden in vier Bodenbereichen halogenierte Kohlenwasserstoffe, deren millionenteurer Austausch angelaufen ist oder noch erfolgen muss.

In einem nächsten Schritt wurden Proben in den rund 50 Gebäuden auf dem 300.000 Quadratmeter großen Gelände vorgenommen, etwa auf Asbest oder künstliche Mineralfasern. Nur in einem einzigen Gebäude, dem 4000 Quadratmeter großen VM 1 wurde Handlungsbedarf festgestellt.

Erhöhte PCB-Werte in der Raumluft, in ähnlicher Größenordnung etwa wie in dem RWTH-Verfügungszentrum auf der Hörn oder dem Finanzamt an der Beverstraße, die beide abgerissen wurden. Verwendet wurden die Polychlorierten Biphenyle, die im Verdacht stehen, Krebs auszulösen und Embryos zu schädigen, seit den 50er Jahren vor allem in Dichtungsstoffen in der Bau- und Elektroindustrie vorkommen.

Die Luftuntersuchungen ergaben an einem Teil der Messpunkte Konzentrationen, die die dauerhaft zulässigen Werte an Arbeitsplätzen überschreiten. Philips handelte schnell. Standortleiter Karl Spekl: „Wir sind über die gesetzlichen Anforderungen hinausgegangen und haben alle Dauerarbeitsplätze in andere Gebäude am Standort verlagert.”

Außerdem wurden Sofortmaßnahmen in die Wege geleitet, etwa ein Schutzanstrich der emittierenden Dichtungen, tägliche Feuchtreinigung der als Büros, Lager und Labor genutzten Räume und täglich mehrmaliges Lüften. Den 80 dort tätigen Mitarbeitern wurden im Dezember Beratungsgespräche und Blutuntersuchungen auf freiwilliger Basis angeboten.

22 Ergebnisse liegen bislang vor, fünf der Betroffenen haben keine oder nur sehr geringe PCB-Werte. Eine Schwangere wurde sofort versetzt, die anderen weisen Werte auf, die von Experten als gering eingestuft werden. Auffällige Krebserkrankungen seien nicht festgestellt worden.

Philips hat zur Beratung und Information der Mitarbeiter renommierte Arbeitsmediziner zugezogen, etwa Prof. Thomas Kraus, Leiter des Instituts für Arbeits- und Sozialmedizin der RWTH Aachen. Er hat auch die Mitarbeiter im Verfügungszentrum untersucht und festgestellt, dass PCB mit einer Halbwertzeit von drei bis fünf Jahren wieder ausgeschieden wird.

Er und Werksarzt Dr. Michael Suchodoll hoffen deshalb darauf, dass in einigen Jahren keine Belastungen bei den Mitarbeitern mehr zu finden sind. Dieser Effekt ist auch bei Mitarbeitern des ehemaligen Bildröhrenwerks aufgetreten, die lange Jahre im Gebäude VM 1 gearbeitet hatten: Ihre Blutwerte lagen unter der Hinweisgrenze.

Anonyme Blutuntersuchungen

Mitarbeiter, die sich noch nicht untersuchen ließen, wurde dringend ans Herz gelegt, ebenfalls eine freiwillige und für das Unternehmen anonyme Blutuntersuchung vornehmen zu lassen. Das fragliche Gebäude soll in der zweiten Jahreshälfte entkernt, die Fassade neu gestaltet werden, außerdem energetisch saniert werden.

Die Geschäfte von Philips in Rothe Erde gehen nämlich wieder gut, nicht zuletzt durch den Boom in der Autobranche. 1350 Mitarbeiter beschäftigt Karl Spekl, Tendenz leicht steigend. „Hier wird kräftig investiert.”
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