Erdwall an der Vennbahn muss wieder weg

Von: Gerald Eimer
Letzte Aktualisierung:
5451815.jpg
Die ersten Radfahrer sind auf dem neuen Ravel-Radweg zwischen Walheim und Belgien bereits unterwegs. Demnächst aber werden sie wieder von Lastwagen vertrieben: Der aufgeschüttete Erdwall muss abgetragen werden. Foto: Harald Krömer

Aachen. Genutzt wird er zwar schon, doch bis zur endgültigen Fertigstellung wird deutlich mehr Zeit vergehen als geplant: Der internationale Ravel-Radweg zwischen Aachen und Luxemburg bereitet den örtlichen Planern unerwartet große Probleme. Der Vorgang ist peinlich und teuer zugleich.

Rund 240.000 Euro müssen die Politiker in der nächsten Ratssitzung zusätzlich bereitstellen.

Ausgerechnet ein Erdwall, der ursprünglich aus Ersparnisgründen entlang der Strecke zwischen der Monschauer Straße in Walheim und der belgischen Grenze aufgekippt worden ist, beschert der Stadt nun erhebliche Zusatzkosten. Denn der etwa 1,5 Kilometer lange Wall befindet sich in einem Wasserschutzgebiet und darf dort nicht bleiben.

Für die Stadt kommt die Anweisung offenbar überraschend, für Laien ist sie kaum nachvollziehbar: Die für den Bau der Radtrasse abgetragenen und wenige Meter weiter aufgeschütteten Bodenschichten aus Fels und „klüftigem Ton“ müssen gemäß der Umweltgesetzgebung plötzlich wie belasteter Abfall behandelt werden, erklärt Regina Poth, Leiterin des Fachbereichs für Verkehrsanlagen. Zu diesem Ergebnis seien jedenfalls Bezirksregierung, Abfall- und Bodenschutzbehörde, Landschaftsschutzbehörde und Wasserbehörde nach intensiver Prüfung gekommen.

Die Folgen sind schwerwiegend und wirbeln den gesamten Zeitplan für den 125 Kilometer langen Ravel-Radweg durcheinander, der eigentlich ab Juni durchgängig befahrbar sein soll. Ob der Lückenschluss auf deutscher Seite nun überhaupt noch in dieser Saison in der geforderten Qualität fertiggestellt werden kann, weiß niemand zu sagen. „Ich hoffe es“, sagt Poth. Eine Garantie aber gibt es nicht.

Alles in allem sind für den Abtransport der Bodenmassen (18.400 Tonnen), die Entsorgung und die Wiederherstellung des Urzustands 670.000 Euro veranschlagt – wobei ein Großteil der Mehrkosten durch Einsparungen an anderer Stelle aufgefangen werden kann.

Sobald der Rat Ende Mai seinen Segen gegeben hat, muss eine geeignete Firma per Ausschreibung gefunden werden, der Abtransport muss anschließend gutachterlich begleitet werden. Damit nicht genug: Die Bodenmassen – immerhin rund 9200 Kubikmeter – müssen laut Verwaltung analysiert und für die fachgerechte Entsorgung in die jeweiligen Belastungsklassen eingeordnet werden.

Vor Juli/August sei laut Poth kaum mit dem Beginn der Arbeiten zu rechnen. Und erst wenn der letzte Lastwagen die letzte Fuhre abtransportiert hat, könne auch die letzte Deckschicht auf den neuen Premium-Radweg aufgebracht werden, heißt es bei der Stadt. Sie würde ansonsten von den schweren Transportern schnell zerstört.

Dass überhaupt Bodenschichten und Felsen für die Radtrasse in erheblichen Mengen abgetragen werden mussten, ist laut Verwaltung auf vertragliche Regelungen mit der Euregio Verkehrsschienennetz GmbH (EVS) zurückzuführen, der die benachbarte Bahnstrecke gehört. Aus Sicherheitsgründen sollte demnach der Radweg mindestens einen halben Meter unterhalb der Schienenoberkante liegen.

So waren Erdbewegungen erforderlich, die die Stadt nun nicht nur teuer zu stehen kommen, sondern auch dem Radtourismus einen schweren Schlag verpassen.

Verzögerungen beim Bau des Premium-Radwegs sind allerdings nichts Neues. Auch die Teilstücke durch die Städteregion sind erst 2012 – und damit ein Jahr später als geplant – fertig geworden. Dazu gehört auch der Tunnel, der den Radfahrern die sichere Querung der Himmelsleiter ermöglicht und der erst im vergangenen Dezember fertiggestellt werden konnte.

Für Verzögerungen haben allerdings auch Einwände von Naturschützern geführt, die sowohl auf deutscher als auch auf belgischer Seite die Vertreibung seltener Vögel und anderer Tierarten befürchten.

Der Radweg, der Aachen mit Luxemburg verbindet, folgt einer alten Eisenbahnstrecke und hat infolgedessen kaum Steigungen. Er gilt daher auch als familienfreundlich.

Leserkommentare

Leserkommentare (5)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert