Aachen - Er ist und bleibt ein Zugvogel

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Er ist und bleibt ein Zugvogel

Von: Grit Schorn
Letzte Aktualisierung:
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Vagabundierender Schauspieler: Im Theater K steht Anton Schieffer im Tabori-Stück „Insomnia” auf der Bühne, im Sommer geht er nach Regensburg. Foto: Harald Krömer

Aachen. Für ältere Männer gebe es sehr gute Theaterrollen, berichtet Anton Schieffer, während es bei den Damen „nicht ganz so günstig aussieht”. Er ist fast 30 Jahre dabei, der Vollblutschauspieler, der so wunderbar unauffällig daherkommt.

Der Kölner Anton Schieffer, Jahrgang 1954, wurde zum Aachener, des Familienlebens und der Arbeit wegen, und mutiert in diesem Sommer zum Regensburger. Der Arbeit wegen, Frau und Tochter bleiben in Aachen.

Doch häufig sehen wird man sich schon, schließlich gehöre man dem „fahrenden Volk” an, scherzt der Angetraute von Petra Welteroth, ebenfalls „theatral unterwegs”.

In Aachen waren beide mehrere Jahre in festen Engagements, Welteroth zuletzt als Ensemblemitglied während der Esterhazy-Intendanz. Auch „auswärts” wurde und wird gespielt, so ist Schieffer häufig am Landestheater Dinslaken beschäftigt und sonst „oft unterwegs”.

Wenn er im Sommer in Regensburg (mit Zweijahresvertrag) antritt, wird die Beziehung wohl zu „einer Montagsehe” - denn am Montag ist spielfrei. Die langen Zugfahrten machen ihm nichts aus, „da kann man unterwegs gut Rollen lernen”.

Der familiäre Zusammenhalt ist dem Schauspieler wichtig, für Tochter Susanne wollten die Eltern nach vielen Wanderjahren „da sein”. Jetzt macht das Mädchen Abitur und hat eigene Pläne.

Also die Gelegenheit, noch einmal „Zugvogel” zu spielen? „Damit hab„ ich ja nie richtig aufgehört”, sagt der vielseitige Schauspieler, der bereits vor 25 Jahren schon einmal am Theater Regensburg engagiert war. Und in der alten Reichsstadt wurde das Paar Schieffer/Welteroth auch getraut.

Schöne Erinnerungen also, auch an die Festanstellung, doch die Erfahrungen als „vagabundierender” Schauspieler möchte Anton Schieffer nicht missen. Denn wie es seiner Meinung heute in Ensembles an kleinen und großen Bühnen zugeht, gefällt ihm wenig: „Es wird immer enger und brutaler, ein einziges Hauen und Stechen.”

Die Theatermenschen in Regensburg kennt und schätzt er, „da muss man sich keine Sorgen machen”. Sei drei Jahren habe man ihm dort ernsthafte Angebote gemacht, „das ist schon eine Seltenheit”.

Viele Theaterstationen hat er durchlaufen, die regelmäßigen Einkünfte in festen Engagements haben ihn nicht gehindert, die letzten acht Jahre als „freier” Schauspieler zu arbeiten, mit Auftritten auch am Theater Aachen (unter Esterhazy) oder am Theater K. „Als Freiberufler ist der Schauspieler ein Ein-Mann-Betrieb mit allen Risiken.”

Apropos Risiko: Der fast 55-Jährige meint, heute sehnten sich eher die jungen Leute nach Sicherheit und Kontinuität, während die Älteren mutiger und offener seien. Man müsse „immer wieder Neues wagen”, um in diesem schönem, aber nicht leichten Beruf bestehen zu können. „Bewusst die Lebenszeiten durchleben” und hoffen, „dass man mit 65 noch Texte behalten kann.”

Tschechow möchte er spielen, gerne „Onkel Wanja” oder in „Der Kirschgarten”, in dem er in Aachen vor Jahren mitspielte. Auch einen urigen Lehrer aus der „Feuerzangenbowle” hat er gerne verkörpert - und warum nicht tingeln? „Von Städten oder Landkreisen gekaufte Aufführungen funktionieren fast wie Tourneetheater. Das ist zwar anstrengend, macht aber viel Spaß.”

Der Reiz liege sogar darin, dass hier jeder einzelne auch einem „echten Bildungsauftrag” nachkomme. Und die meist „nette Truppe” lässt die Anstrengung vergessen.

Um Anton Schieffer, dieses Theaterchamäleon mit feinem Humor, muss man sich wohl keine Sorgen machen. In Aachen ist der „rheinisch-katholische” Schauspieler jetzt wieder im Theater K zu sehen: In dem kurzweiligen Tabori-Stück „Insomnia”: Darin sind er als unerschütterlicher „Fremdarbeiter” und Anush Manukian als ruppige Wirtin ein grandioses Paar - in einer fast schlaflosen Nacht.
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