„Entzerren” und viel Geld sparen

Von: Werner Breuer
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Busse im Stress: Weil alle Sch
Busse im Stress: Weil alle Schulen morgens um 8 Uhr anfangen, braucht die Aseag für diese Belastungsspitze viele Wagen. Die SPD-Politiker Michael Servos (li.) und Claus Haase wollen das ändern. Foto: Heike Lachmann

Aachen. Bringt Geld, macht Busfahrten angenehmer und tut keinem weh - der SPD-Verkehrspolitiker Michael Servos ist von der segensreichen Wirkung „entzerrter” Schulanfangszeiten so überzeugt, dass er dafür die Werbetrommel rührt.

Dabei kommt der Vorschlag aktuell von der Konkurrenz: CDU und Grüne hatten Ende Juni in einem Ratsantrag propagiert, den Unterricht an Aachens Schulen zu unterschiedlichen Zeiten beginnen zu lassen.

„Eine gute Idee” bescheinigt Servos dem politischen Gegner hintersinnig. Denn auch die Sozialdemokraten waren damit vor etwa 15 Jahren schon einmal in die Bütt gegangen. An diverse „pädagogische” Gegenargumente erinnert sich SPD-Ratsherr Claus Haase noch heute. So hätten manche Lehrer damals vorgebracht, ihre Schüler seien zur Mittagszeit schon so müde, dass sie bei einem späteren Unterrichtsbeginn in der letzten Stunde dann nichts mehr mitbekämen.

Dabei müsste die Schule gar nicht so viel später - oder früher - anfangen, hat Servos ausgerechnet. Derzeit klingelt es einheitlich um 8 Uhr zur ersten Stunde, und in den 45 Minuten vorher geht es richtig rund in der Stadt. Viele Schüler quetschen sich in volle Busse, die sich wiederum in den morgendlichen Berufsverkehr quetschen. Wenn der Spuk dann vorbei ist, werden viele Wagen dann nicht mehr gebraucht. „Für die Aseag stellt die Zeit zwischen 7.45 Uhr und 8 Uhr eine extreme und sehr teure Belastungsspitze dar”, heißt es auch in dem schwarz-grünen Ratsantrag.

Würde der Schulbeginn um eine Viertelstunde variieren, käme das Verkehrsunternehmen nach Berechnungen von Servos mit zwei bis drei Bussen weniger aus, gestreckt über eine Stunde wären bis zu 20 Fahrzeuge verzichtbar. Wenn die ersten Schulen um 7.30 Uhr und die letzten um 8.30 Uhr starten würden, könnten nach Schätzung des SPD-Verkehrspolitikers rund 200.000 Euro eingepart werden. „Dieses Potenzial muss erschlossen werden”, meint Servos.

Er hat schonmal angefangen. Weil über den Unterrichtsbeginn an Aachens Schulen weder die Verkehrspolitiker noch die Aseag-Aufsichtsräte entscheiden, sondern die Schulen selbst. hat er gemeinsam mit Mathias Dopakta, dem schulpolitischen Sprecher der SPD-Fraktion, die Schulpflegschaften angeschrieben. „Entscheiden müssen das die Schulkonferenzen”, sagt Servos. deshalb müsse die Diskussion auch mit den Eltern geführt werden.

Darunter gebe es sicher einige, bei denen die gewünschte Entzerrung im Berufsverkehr zu Verzerrungen im Tagesablauf führen könnte, meint Claus Haase. Er denkt da etwa an Eltern, die ihre Sprößlinge auf dem morgendlichen Weg zur Arbeit an der Schule absetzen. Nach seiner Ansicht haben sich aber die Betreuungsangebote an den Schulen in den vergangenen 15 Jahren ebenso geändert wie andere Abläufe.

Und so wollen Servos und Dopatka von den Eltern nun wissen, was sie von dieser Idee halten, die nicht zuletzt auch das Gedränge in überfüllten Bussen abmildern soll. Dass sich die Sozialdemokraten damit für einen schwarz-grünen Ratsantrag stark machen, sieht Haase ganz entspannt: „Wir haben das damals zusammen mit den Grünen vorgeschlagen, da können wir doch jetzt nicht dagegen sein.”
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